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Ludwigsburger Intensivmediziner fordert Corona-Ampel

Die Zahl der Covid-Patienten steigt wieder in den RKH-Kliniken. Nachdem die Krankenhäuser im Kreis in der vergangenen Woche coronafrei waren, liegen jetzt sechs Patienten mit dem Virus auf Station in Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen. Zwei davon auf der Intensivstation. Der Ärztliche Direktor Professor Götz Geldner rechnet mit einer deutlichen Zunahme der Patienten nach den Ferien.

Die Intensivstationen füllen sich wieder mit Covid-Patienten, auch in Ludwigsburg. Aber es gibt weniger Intensivbetten. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Die Intensivstationen füllen sich wieder mit Covid-Patienten, auch in Ludwigsburg. Aber es gibt weniger Intensivbetten. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
„Am liebsten wäre mir eine Inzidenz der ungeimpften Positiven“, meint Götz Geldner, Intensivchef der RKH.
„Am liebsten wäre mir eine Inzidenz der ungeimpften Positiven“, meint Götz Geldner, Intensivchef der RKH.

Kreis Ludwigsburg. „Wir stehen am Anfang der vierten Welle“, ist sich der Präsident des Berufsverbands Deutscher Anästhesisten sicher. Wie hoch der Scheitel im Herbst sein werde, das hänge entscheidend von der weiteren Impfbereitschaft der Menschen ab. „Nur wenn sich die Impfquote noch einmal deutlich erhöht, werden auch nicht so viele Menschen im Krankenhaus landen“, sagt Götz Geldner und unterstützt die Forderungen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der mantramäßig zu „impfen, impfen, impfen“ aufruft. Dabei nimmt Geldner vor allem auch die Reiserückkehrer in den Blick. „Wer jetzt aus einem Hochrisikogebiet zurückkehrt, der sollte vorher zweimal geimpft worden sein“, so seine Forderung. Er sieht aber auch danach die Urlauber in der Pflicht: „Es ist sicher nicht zu viel verlangt, wenn man sich nach der Heimreise zweimal testen lässt, um eine Infektion möglichst auszuschließen.“

Geldner rechnet damit, dass im Herbst ein Drittel oder die Hälfte der Patientenzahlen erreicht werden, die im Frühjahr gezählt wurden. Das dürften dann etwa 30 pro Tag sein. „Das können wir beherrschen“, so der Mediziner weiter. Um auf mehr Infizierte reagieren zu können, haben die RKH-Kliniken einen Stufenplan entwickelt. Dabei werden dann nach und nach mehr Betten für Covid-Patienten freigegeben. „Allerdings müssen wir auch die Behandlung der übrigen Erkrankten sicherstellen“, so Geldner. Das sei aber gewährleistet. Auch in der Hochphase der dritten Welle seien die Kliniken im Kreis nicht „übergelaufen“.

Experte fordert ein Ampelsystem

Zwar begrüßt es der Mediziner, dass die Belegung der Intensivbetten in Zukunft eine größere Rolle bei der Beurteilung der Coronalage spielen soll. „Aber wir sollten uns nicht völlig von den Inzidenzen lösen.“ Die Zahl der Neuerkrankungen in den letzten sieben Tagen pro 100000 Einwohner sei weiterhin ein wichtiger Teil zur Frühwarnung. „Aber wer nur auf die Krankenhausinzidenz schaut, der reagiert möglicherweise zu spät.“ Der Koordinator der intensivmedizinischen Kapazitäten in Baden-Württemberg fordert, dass weitere Faktoren hinzukommen, um die Situation zu beurteilen und möglicherweise neue Einschränkungen zu verhängen. „Wir brauchen eine Corona-Ampel, die die Krankenhausbelegung, die Impfquote in den Landkreisen und die Inzidenz berücksichtigt.“ Das sei auch für den Laien leichter zu verstehen als die Inzidenzen. Er zweifelt ohnehin an, dass es „mithilfe von Faxen an das Gesundheitsamt“ gelingt, die Lage an den Kliniken aktuell widerzuspiegeln. „Da braucht es ein digitales System, das schnell reagiert.“ Die Krankenhausinzidenz sei als Grundlage für einen Lockdown ohnehin ungeeignet, da sie viel zu spät greife. Zehn bis 15 Prozent der Bettenbelegung mit Covid-Patienten sei beherrschbar. „Danach wird es problematisch.“

Nach den Vorgaben des Bundesgesundheitsministeriums wird ab sofort auch erfasst, ob die Patienten, die mit einer Covid-Infektion in die Kliniken kommen, geimpft sind oder nicht. „Die beiden Erkrankten auf unseren Intensivstationen waren nicht durch ein Vakzin geschützt“, appelliert Geldner nochmals an die Bürger, sich impfen zu lassen.

Das Personal in den RKH-Kliniken will dabei mit gutem Beispiel vorangehen. „Wer mit Covid-Patienten zu tun hatte, der weiß, wie wichtig es ist, sich zu schützen“, so Geldner. Auf Station liege die Impfrate bei mehr als 90 Prozent.

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