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Mahnwache in Besigheim: Deutliche Worte an die Impfgegner

Erstmals fand am Montagabend eine Veranstaltung gegen die „Spaziergänger“-Bewegung auf dem Kelterplatz statt.Fotos: Alfred Drossel
Erstmals fand am Montagabend eine Veranstaltung gegen die „Spaziergänger“-Bewegung auf dem Kelterplatz statt.Fotos: Alfred Drossel
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Mehr als 150 Menschen haben am Montagabend auf dem Besigheimer Kelterplatz an einer Mahnwache teilgenommen, die unter dem Motto „Verantwortlich leben, solidarisch handeln, gegen Hass, Hetze und Antisemitismus“ stattfand. Sie galt als Gegendemonstration zu den „Spaziergängen“. Etwa doppelt so viele Impfgegner sind zur gleichen Zeit durch die Innenstadt gezogen.

Besigheim. Ziel der Initiatoren war es, „die Straße nicht den Querdenkern“ zu überlassen, sondern als „schweigende Mehrheit“ dagegenzuhalten, wie Versammlungsleiter und Initiator Luca Dirscherl sagte. „Wir stehen hier, weil wir gegen Hass, Hetze und Verschwörungstheorien sind. Wir stehen aber auch hier für Vernunft“, ergänzte er. Umso lauter die Stimmen sind, die die freiheitliche Grundordnung bedrohen, umso mehr müsse die Gesellschaft zusammenhalten und vernünftig agieren, betonte Dirscherl.

„Wir stehen heute auch hier, weil wir mehr sind. Wir stellen uns dieser Minderheit entgegen“, sagte SPD-Gemeinderat Christian Herbst. Die „Freunde der Freiheit Besigheim“ wie sich die Querdenker in der Stadt nennen, würden ganz offen und ohne Gegenwehr antisemitische Inhalte streuen. Diese Leute würden auch darauf hinweisen, wie man das Versammlungsrecht umgehen könne. „Das ist schlichtweg demokratiefeindlich“, sagte Christian Herbst.

Andrey Belkin, Kreisvorsitzender der Jungen Liberalen, bedauerte, dass die sogenannten „Montagsspaziergänge“ überhaupt stattfinden, bei denen unter anderem Impfkritiker gegen die Coronapolitik und gegen Corona-Schutzimpfungen demonstrieren. Bedauerlicherweise gingen diese Demonstrationen mit antisemitischen Verschwörungstheorien und extremistischem Gedankengut einher. „Diesen Versammlungen möchten wir als bisher weitgehend schweigende Mehrheitsgesellschaft entgegentreten und in Form einer Gegendemonstration ein Zeichen gegen Antisemitismus und für gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Pandemie setzen“, unterstrich Belkin.

Das Verhalten der lautstarken Minderheit empfindet der Landtagsabgeordnete Tayfun Tok (Grüne) als respektlos und unsolidarisch gegenüber all denjenigen, die seit bald zwei Jahren ihr Bestes geben, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. „Diese Demonstrationen müssen wie Hohn auf diejenigen wirken, die Angehörige verloren haben, unter den Spätfolgen einer Coviderkrankung leiden oder im Gesundheitsbereich unter schwierigsten Bedingungen und Dauerbelastung arbeiten“, betonte Tayfun Tok.

Die Mahnwache auf dem Kelterplatz dauerte eine knappe halbe Stunde. Als sich die Versammlung schon auflöste, zog der lange Zug der „Spaziergänger“ am Kelterplatz vorbei. Nahezu 300 Impfgegner hatten sich zum wiederholten Male zuvor auf dem Marktplatz zu einem nicht angemeldeten „Spaziergang“ getroffen – ohne Masken zu tragen und Abstände einzuhalten. Zwei Polizeistreifen beobachteten beide Veranstaltungen. Es kam zu keinen Zwischenfällen. Bei den „Spaziergängern“ gab es keine Reden. Auch diese Veranstaltung löste sich nach rund einer Stunde wieder auf. Bürgermeister Steffen Bühler war auf den Kelterplatz gekommen, und Ordnungsamtsleiterin Sabine Keller stellte zufrieden fest, dass bei der Mahnwache alle Anordnungen und Auflagen ihres Amtes eingehalten wurden.