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Emotionale Diskussion im Gemeinderat
Marbacher Hallenbad bleibt geschlossen

Das Hallenbad stammt aus dem Jahr 1967. Derzeit ist es geschlossen.Fotos: Holm Wolschendorf
Das Hallenbad stammt aus dem Jahr 1967. Derzeit ist es geschlossen.Fotos: Holm Wolschendorf
Ein Blick in den Umkleidebereich.
Ein Blick in den Umkleidebereich.
Das Hermann-Zanker-Bad von außen.
Das Hermann-Zanker-Bad von außen.
Der Blick von der Liegewiese.
Der Blick von der Liegewiese.
Wut, Enttäuschung und sogar Tränen: Die drohende Schließung des Marbacher Hallenbads sorgte für viele Emotionen in der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend. Bürgermeister Jan Trost stellte vor allem eines klar: Das Hallenbad darf derzeit aus Sicherheitsgründen nicht betrieben werden und bleibt geschlossen. Die Frage ist nur, wie lange.

Marbach. „Ich spiele mit offenen Karten: So kann das Bad nicht weiterbetrieben werden“, betonte Bürgermeister Jan Trost gleich zu Beginn seines Statements in der Bürgerfragestunde, die rund 30 Bürger verfolgten. Das 1967 gebaute Bad werde mit einem gasbetriebenen Blockheizkraftwerk beheizt, es sei für 20 Prozent des Energieverbrauchs aller städtischen Gebäude verantwortlich. Die Energiekrise sei das eine Problemfeld, der bauliche Zustand das andere. Es gebe gravierende Mängel beim Brandschutz, bei den Rauchabzügen, den Lüftungsanlagen, den Brandmeldern. Aber auch im technischen Bereich liege vieles im Argen: Die Chlorgasdosierungsanlage entspreche nicht mehr den Vorschriften, die Beckenerwärmungspumpe sei kaputt, die Stufen beim Sprungturm haben Risse. In der Sitzung nach der Sommerpause werde der Gemeinderat diskutieren, ob man noch mal Geld in das alte Bad investiere oder lieber mit Nachdruck in die Planung eines neuen Hallenbades gehe. „Diese wollen wir gemeinsam mit allen Nutzern erstellen“, versicherte Trost. Er machte aber auch deutlich: „Selbst wenn wir das Nötigste ausbessern, wird es nicht im laufenden Betrieb gehen, es muss mindestens eineinhalb Jahre geschlossen werden.“ Und es handle sich nicht um eine Sanierung, sondern höchstens um das Ausbessern der größten Mängel. Auch ein Neubau dauere fünf bis sechs Jahre.

Schuttlebus für Schüler nach Poppenweiler

Für die Schüler werde es aber eine Lösung mit den umliegenden Bädern geben, ein Shuttlebus werde die Schüler nach Poppenweiler oder Großaspach fahren. Die Sorge, die jetzt ausgemachten Zeiten könnten nicht für alle Schüler reichen, versuchte Trost gleich zu zerstreuen. Bis jetzt habe sich keiner der Rektoren bei ihm gemeldet, wenn es aber weiteren Bedarf gebe, werde man nach Lösungen suchen. „Die Pflichtaufgabe Schwimmunterricht hat Vorrang“, so Trost.

Sonst traf die Verwaltung auf viel Unverständnis. „Der Brandschutz ist keine Top-Neuigkeit“, sagte ein Bürger. Man habe Jahre Zeit gehabt, um sich darum zu kümmern. Man lasse es immer zum Äußersten kommen, sagte eine Bürgerin. „Warum hat man nicht schon vorher vernünftig geplant?“ Das zögerliche Handeln in letzter Minute ziehe sich durch alle Bereiche, wie zum Beispiel bei der Turnhalle oder beim Elternforum. Man habe gedacht, man könne das Bad noch die Zeit bis zum Neubau „durchziehen“, verteidigte sich Trost. Zudem könne man auch mit Hinblick auf die angespannte finanzielle Lage nicht alles auf einmal erledigen. Die Stadt habe mehrere Sorgenkinder, die Stadionhalle stehe zum Beispiel ebenfalls auf der Liste. Der Schwerpunkt habe aber in den vergangenen Jahren auf den Schulen und den Kindergärten gelegen.

„Ich bin verwundert und enttäuscht: Sie haben keinen Plan“, meldete sich der erste Bürger nochmals zu Wort. Er erwarte von einer Stadtverwaltung mehr, Pläne, Vorschläge. „Wir haben ein Ziel“, betonte Trost, „aber erst muss der Gemeinderat nach der Sommerpause eine Grundsatzentscheidung treffen.“

Frage der Finanzierung eines Neubaus

Zweifel gab es zudem, ob die Verwaltung wirklich intensiv nach Alternativen suche, um den Vereinen das Training zu sichern. „Die Zukunft des Schwimmvereins sieht düster aus“, so ein Vater von drei Kindern. Nur mit einem Bad könne der Verein überleben. „Es ist unverantwortbar, was Sie mit den Senioren machen“, sagte die Verantwortliche für die Wassergymnastik des DRK und brach in Tränen aus. „Ich wurde nicht über die Pläne informiert, bis heute nicht. Das ist eine Schweinerei“, sagte sie.

Ob nicht auch ein einfaches Bad mit einem Becken genüge, wollte eine andere Bürgerin wissen. „Wir wollen ein vernünftiges Bad mit mindestens drei Bahnen à 25 Meter, wie es auch der Schwimmverein fordert. Es soll nachhaltig und ökologisch sein“, betonte Trost. Über Fördermittel versuche man, die Kosten für die Stadt zu minimieren, eventuell müsse man die umliegenden Gemeinden mit ins Boot holen, da deren Schüler ebenfalls das Bad im Schwimmunterricht nutzen.