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KIRCHE

Martin Hensel schenkt Zeit und Eis

Der Gemeindereferent der katholischen Seelsorgeeinheit Remseck/Poppenweiler bietet Treffen für persönliche Gespräche sowie Gebete an. Und er schenkt nicht nur jedem, der Bedarf hat, eine Stunde Zeit, sondern spendiert ihm auch noch ein Eis obendrein.

Martin Hensel genießt auch gerne zusammen mit seiner Ehefrau Miriam eine kleine Auszeit versüßt mit einem Eis.Foto: privat
Martin Hensel genießt auch gerne zusammen mit seiner Ehefrau Miriam eine kleine Auszeit versüßt mit einem Eis. Foto: privat

Remseck. „Ich habe schon noch Kapazitäten frei“, lautet das Fazit von Martin Hensel nach zwei Wochen. So lange läuft nun seine Aktion „... und ich bring Eis mit!“. Die Eissorte kann sich übrigens jeder, der sich bei ihm meldet, selbst aussuchen. Knapp zehn Menschen hat der 33-Jährige, der sein Domizil im Remsecker Stadtteil Hochberg hat, bisher getroffen.

Martin Hensel ging davon aus, dass vor allem ältere Menschen anrufen, die sich durch die Kontakteinschränkungen während der Corona-Pandemie einsam fühlen. Doch in der ersten Woche meldeten sich hauptsächlich Jungen und Mädchen bei ihm, die er bereits aus der kirchlichen Jugendarbeit kennt. „Die wollten sich natürlich vorrangig ein Eis abholen“, lacht Martin Hensel. Da mache er sich nichts vor. Aber die meisten hätten dann im Nachhinein festgestellt, dass ihnen auch das Gespräch gutgetan hat, berichtet der 33-Jährige. Meist sei es nicht bei einer Stunde geschenkter Zeit geblieben. „Ich breche natürlich nicht nach 60 Minuten abrupt ab“, so der Gemeindereferent, der seit September 2018 zum Pastoralteam der katholischen Seelsorgeeinheit Remseck/Poppenweiler gehört.

„Der Hunger nach Kontakt wird inzwischen bei allen größer“, stellt Martin Hensel fest. Diese Woche meldeten sich verstärkt Familien mit kleinen Kindern bei ihm. In der kommenden Woche will er sich mit einer älteren Dame treffen. Deren Sohn hat Kontakt zu ihm aufgenommen, weil er meint, die Mutter lebe derzeit sehr isoliert. Ob der Seelsorger die Frau besucht, mit ihr spazieren geht oder ob sie sich lieber mit ihm im Gemeindesaal trifft, wird sich bei einem Telefonat herausstellen. Der 33-Jährige richtet sich da ganz nach den Wünschen seiner Gesprächspartner. „Ich selbst treffe mich allerdings am liebsten bei jemand im Garten“, sagt er. Natürlich gelten stets die derzeit erforderlichen Hygiene- und Abstandsregeln: keine Berührungen, Mund-Nase-Schutz sowie gründliche Händedesinfektion.

Die Gesprächsinhalte gibt der Gemeindereferent selbstverständlich nicht preis. Nur so viel verrät er auf Nachfrage unserer Zeitung: Es geht nicht vorrangig um Corona und die damit verbundenen Sorgen. Prüfungsängste seien ebenso thematisiert worden wie familiäre Probleme, berichtet Martin Hensel.

So vielfältig wie die Gesprächsthemen sind übrigens auch die Lieblings-Eissorten. Manche Menschen, die er treffe, äußerten keinen Wunsch und ließen sich gerne davon überraschen, was er mitbringt, so der Seelsorger, der inzwischen weiß, dass eine Kugel frisch aus der Eisdiele besonders gut ankommt. Das mag er selbst auch am liebsten. Und so isst er bei den Treffen immer ein Eis mit. Nur wenn zwei Gesprächstermine nacheinander anstehen, streikt er. „Da habe ich mir neulich einfach ein belegtes Brötchen mitgenommen“, erzählt Hensel. Dennoch genießt er zusammen mit seiner Ehefrau Miriam immer wieder gerne eine kleine Auszeit in der örtlichen Eisdiele.

Die Idee für seine Aktion hatte Martin Hensel, der in Mainz Religionspädagogik studiert hat, gar nicht selbst, wie er unumwunden zugibt. Eigentlich sei sein Schwager, der in einem Pastorat im Bistum Trier tätig ist, der Urheber gewesen. Nach einem Gespräch mit ihm habe er das Ganze dann in die Tat umgesetzt. Die Rückmeldungen auf das Angebot seien durchweg positiv, berichtet Hensel. „Allerdings habe ich eine größere Nachfrage erwartet“.

Info: Wer Gesprächsbedarf und Lust auf ein Eis hat, kann sich bei Martin Hensel unter der Telefonnummer (0178)9213795 melden oder eine E-Mail an martin.hensel@drs.de schicken.

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