Logo

Mehr als eine Milliarde für leistungsstärkeres S-Bahn-Netz

Züge aus dem Kreis sollen über die Schwabstraße verlängert werden – Dichterer Takt auf der S.6 – Abstellplätze in Kornwestheim und Bietigheim-Bissingen geplant

S-Bahn-Haltestelle Schwabstraße in Stuttgart: Bisher enden die Linien aus dem Kreis hier – doch das soll sich ändern. Foto: Marijan Murat/dpa
S-Bahn-Haltestelle Schwabstraße in Stuttgart: Bisher enden die Linien aus dem Kreis hier – doch das soll sich ändern. Foto: Marijan Murat/dpa

Kreis Ludwigsburg. Als sich im März die Coronawelle aufbaut, trifft sich der Verkehrsausschuss des Stuttgarter Regionalverbandes hinter verschlossenen Türen und beauftragt die Geschäftsstelle um Regionaldirektorin Nicola Schelling, einen Vertrag mit der Deutschen Bahn zu schließen. Der Inhalt: eine Investitionsoffensive in die S-Bahn und ein Plan, wie die Flotte in der Zukunft unterwegs sein soll.

Hinterher ist fast keinem ein Superlativ zu groß. Der Stuttgarter SPD-Regionalrat Thomas Leipnitz etwa sagt: „Wir heben die S-Bahn auf das nächste Level.“ Der Freie Wähler und ehemalige Böblinger Landrat Bernhard Maier spricht von „einem unglaublichen Paket, das fraktionsübergreifend durchgewunken worden ist“.

Fest steht nach seinen Berechnungen, dass in den kommenden Jahren weit mehr als eine Milliarde Euro in die Infrastruktur der S-Bahn in der Region investiert werden soll – und damit auch in den Kreis Ludwigsburg.

Die Anschaffung von 58 neuen Zügen und die Ausstattung des Stuttgarter Knotens und der S-Bahn mit der modernen Signaltechnik ETCS, die in der vergangenen Woche besiegelt worden ist, sollen erst der Anfang sein. Mehr Züge auf der Stammstrecke machen es wohl auch möglich, S-Bahnen aus dem Kreis Ludwigsburg nicht mehr komplett an der Stuttgarter Schwabstraße enden zu lassen – sondern vier zusätzliche Züge pro Stunde bis in den Stadtteil Vaihingen und zwei davon bis Böblingen und Ehningen zu verlängern. Der Sozialdemokrat Leipnitz: „Damit kommen wir einer Forderung nach, die besonders aus dem Kreis Ludwigsburg immer wieder vorgebracht worden ist.“

Außerdem sieht die Investitionsoffensive vor, den Takt auf der stark frequentierten S-Bahn-Linie 6 mindestens zwischen Leonberg, Ditzingen, Korntal-Münchingen und Feuerbach zu verdichten. Der Arbeitstitel des neuen Angebots: S.62.

Zur Erinnerung: Diese Überlegungen sorgten in der jüngeren Vergangenheit für dicke Luft zwischen der Region und dem Ludwigsburger Landratsamt, das sich für eine Verlängerung der Strohgäubahn über den Korntaler Bahnhof hinaus bis ins Stuttgarter Stadtnetz eingesetzt hatte – und positive Signale aus dem Regionalverband vernommen haben wollte. Der entschied sich aber lieber dafür, sein S-Bahn-Netz zu erweitern.

Keine Rolle mehr bei der Investitionsoffensive spielt eine Verlängerung der S-Bahn von Bietigheim nach Vaihingen an der Enz. Um das Projekt war es ohnehin sehr ruhig geworden. Allerdings ist angedacht, in Bietigheim und Kornwestheim Abstellplätze für die Züge zu schaffen. Ausgebaut werden sollen dagegen die S.1 nach Nürtingen und die Bahnhöfe in Feuerbach, Bad Cannstatt und Stuttgart-Vaihingen.

Die Region will jetzt die Gunst der Stunde nutzen, zumal Eile geboten ist. Das Land hat nach Angaben des Verkehrsdirektors Jürgen Wurmthaler zugesagt, die Projekte mit rund 75 Prozent zu fördern. Einige Vorhaben müssen zudem parallel zu den S..21-Arbeiten angegangen werden.

Fragt sich noch, ob Corona die Investitionsoffensive zunichtemachen könnte. Der Freie Wähler Maier prophezeit, dass auf die Kommunen der Region ein Einbruch bei der Steuerkraft zukommen werde, der ohne Beispiel sei. „Nach Corona wird nichts mehr so sein, wie es vorher war.“ Der ehemalige Landrat bittet darum, noch einmal innezuhalten. Das ist im Verkehrsausschuss aber nicht die Mehrheitsmeinung.

Autor: