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Menschenkette gegen das Sterben im Mittelmeer

Etwa 200 Personen bilden in Gerlingen Rettungsring in der Innenstadt – „Omas for Future“ und Seebrücken-Bündnis an Aktion beteiligt

„Hand in Hand gegen Rassismus“: Auch in Gerlingen demonstrierten am Samstag etwa 200 Menschen. Foto: Holm Wolschendorf
„Hand in Hand gegen Rassismus“: Auch in Gerlingen demonstrierten am Samstag etwa 200 Menschen. Foto: Holm Wolschendorf

Gerlingen. Von der Nordsee bis ans Mittelmeer setzten Tausende am Samstag ein Zeichen. Sie demonstrierten mit einer Menschenkette für Menschenrechte und gegen das Sterben im Mittelmeer, Gerlingen war eine Station, weiter ging es nach Stuttgart. Startpunkt der Aktion war die Endhaltestelle der Stadtbahn. Etwa 200 Teilnehmer sammelten sich am neuen Platz und bildeten schließlich einen Rettungsring in der Innenstadt. Claudia Volz vom Gerlinger Freundeskreis Asyl und Michael Abel vom Arbeitskreis interkulturelle Vielfalt hatten die Veranstaltung organisiert, der sich auch Städte und Gemeinden aus dem Kreis angeschlossen hatten.

Rote Bänder markierten die Abstände. An denen baumelten Statements in Klarsichthüllen wie „Fluchtursachen bekämpfen nicht Flüchtlinge“, „Für ein offenes und friedliches Europa“ oder „Seenotretter sind keine Kriminellen“. Damit waren bereits die Kernaussagen formuliert.

Einige Transparente und Plakate hielten „Omas for Future“ oder Vertreter des Bündnisses „Seebrücke – sicherer Hafen“, dem Gerlingen bereits beigetreten ist, wenn auch mit sehr knapper Mehrheit im Gemeinderat. Das Bündnis setzt sich für ein Umdenken in der europäischen Flüchtlingspolitik ein. Derzeit gehören dem Bündnis nach eigenen Angaben 267 Städte in Deutschland an. „Stay“ fordert die katholische studierende Jugend einen Abschiebestopp für junge Menschen in Ausbildung.

„Wir wollen ein Zeichen setzen für ein geeintes Europa und gegen die Angst- und Abschottungspolitik“, sagt Claudia Volz. Die Menschenrechte dürften nicht an den Außengrenzen der Europäischen Union enden, sie müssten global gelten und nicht nur für Privilegierte. Es könne nicht sein, dass in Foltergefängnisse abgeschoben werde. Die Politik müsse an ihre Verantwortung erinnert werden.

Die Demo „Hand in Hand“ verlief friedlich. Die Botschaft: Schaffung sicherer Rettungswege, humaner Umgang mit Menschen auf der Flucht, die Unterstützung ziviler Seenotretter und generell ein europäisches Seenotrettungsprogramm.

Denn das Sterben im Mittelmeer gehe weiter, auch wenn es in Zeiten der Pandemie oft in Vergessenheit gerate, so die Veranstalter. Mindestens 1214 Menschen seien von Januar bis Mitte August schon bei der Flucht über das Mittelmeer ertrunken, dreimal so viele wie im gleichen Zeitraum 2020. Seit 2014 wird die Zahl der Toten auf 20000 geschätzt. „Es ist ein unerträglicher Gedanke, dass Menschen auf dem Weg nach Europa sterben“, drückt eine Teilnehmerin ihr Entsetzen aus. „In der Flüchtlingsfrage ist das geeinte Europa völlig uneins“, fordert ein anderer ein Umdenken. Das völlig überfüllte Auffanglager „Moria“ auf Lesbos sei eine europäische Schande.

Und auch diejenigen, die es letztlich geschafft hätten, seien noch lange nicht am Ziel. Oft traumatisiert, kämen sie in einer für sie völlig fremden Welt an, deren Sprache sie nicht verstünden. Um hier Fuß zu fassen und im Alltag zurechtzukommen, bräuchten sie Unterstützung.

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