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Mit Bibel und Taktstock im Einsatz

Die älteren Möglinger erinnern sich noch an einen großen Sohn der Gemeinde: Wilhelm Mergenthaler. Im November wäre der 100. Geburtstag des früheren württembergischen Landesposaunenwarts gewesen, der vor 14 Jahren starb.

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MÖGLINGEN. Wilhelm Mergenthaler wurde am 13. November 1919 als drittes Kind von Karl und Martha Mergentahler auf dem elterlichen Bauernhof an der Hindenburgstraße geboren. Als der kleine Wilhelm drei Jahre alt war, starb die Mutter. Der Vater heiratete ein zweites Mal. „Es war Luise, die Wilhelm und seinen Geschwistern Maria und Karl eine sehr liebevolle Stiefmutter war“, sagt der Sohn Helmut Mergenthaler heute.

Mit der Geburt von Samuel bekamen die drei Geschwister noch einen Halbbruder. „Die Kinder erlebten eine gute, christliche Erziehung und Prägung“, so Mergenthaler. Mit elf Jahren trat Wilhelm dem CVJM Möglingen bei. Er lernte Trompete und spielte im Posaunenchor. 1935 wurde er Jungschar- und Jungenschaftsleiter. Nach Abschluss der Volksschule absolvierte Wilhelm zunächst eine Ausbildung zum Zuschneider in der ortsansässigen Schuhfabrik Kleinheinz, doch sollte der Lederzuschnitt nur ein kurzes Intermezzo in seinem beruflichen Leben darstellen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der junge Mann eingezogen und kam als Soldat nach Russland. Als er aus dem Krieg zurückkehrte, hatte der damalige Landesposaunenwart Hermann Mühleisen, der oft im Hause Mergenthaler zu Besuch war, andere Pläne mit Wilhelm, als ein Berufsleben in der Schuhfabrik. Er wollte, dass der junge Mann mit seinen beeindruckenden geistlichen und musikalischen Fähigkeiten seine Nachfolge antreten sollte. „1946 absolvierte mein Vater zunächst eine Kurzausbildung auf der Karlshöhe in Ludwigsburg“, sagt Helmut Mergenthaler. „Sein künftiger Schwiegervater Richard Ludwig, der Vorsitzender vom CVJM Ludwigsburg war, hatte ihn ermutigt, noch mehr aus sich zu machen.“

Also besuchte Wilhelm Mergenthaler von 1947 bis 1949 die CVJM-Sekretärschule (heute CVJM-Hochschule) in Kassel und wurde CVJM-Sekretär, was dem heutigen Jugendreferenten entspricht. Die Ausbildung war eine Kombination aus Theologie und Sozialpädagogik. Anschließend machte er noch eine Zusatzausbildung an der Kirchenmusikschule in Esslingen.

Als frisch ernannter CVJM-Sekretär heiratete Wilhelm 1949 seine Verlobte Elisabeth Ludwig, ein Jahr später wurde Helmut als erstes von sechs Kindern geboren. Bei der Geburt lebte das junge Ehepaar bereits im Rheinland, Wilhelm Mergenthaler war Bundesposaunenwart im CVJM-Westbund. In dieser Funktion betreute er die Posaunenchöre von Emmerich bis Worms. Eigentlich nur für ein paar Jahre geplant, blieb Wilhelm Mergenthaler fast 20 Jahre Bundesposaunenwart im Westbund. Denn der kränkelnde Mühleisen, der eigentlich mit seinem vorzeitigen Ruhestand gerechnet hatte, erholte sich wieder und arbeitete noch bis 1968. „Die offizielle Stabübergabe an meinen Vater erfolgte 1968 beim Landesposaunentag in Ulm“, erzählt Helmut Mergenthaler. Da wurde sein Vater vor Tausenden von Bläsern auf dem Ulmer Münsterplatz zum Landesposaunenwart im Evangelischen Jugendwerk Württemberg ernannt. Den Taktstock besitzt der Sohn noch heute.

Damals waren Posaunenchöre noch fest in männlicher Hand, erst in den 1970er Jahren wurden auch Frauen aufgenommen. Anders als im Westbund mit strikter Trennung von CVJM und Kirche, ist in Württemberg alles unter einem Dach. „Mein Vater hat sich auch sehr dafür eingesetzt, dass dies so bleibt. Für ihn war die Verbindung Musik und Jugendarbeit ebenso wichtig wie die Verbindung von geistlicher Aufgabe und musikalischem Wirken“, so sein Sohn, dem der Vater ein Vorbild war – und der später selbst Diakon wurde.

Als Landesposaunenwart war Wilhelm Mergenthaler, der mit seiner Familie in Ludwigsburg wohnte, für 750 Posaunenchöre mit rund 20.000 Posaunenbläsern in Württemberg zuständig. Chorleiterschulungen, Freizeiten, Angebote für Jungbläserleiter oder die Organisation des alle zwei Jahre stattfindenden Posaunentags in Ulm zählten zu seinen Aufgaben, die viele Reisen erforderlich machten. Er hat auch selbst komponiert sowie Bläsersätze und Arrangements für ältere Stücke geschrieben. Auch drei Bücher zur Posaunenarbeit stammen aus seiner Feder.

Für seine Verdienste erhielt Wilhelm Mergenthaler den Titel Kirchenmusikdirektor sowie das Bundesverdienstkreuz. Helmut Mergenthaler beschreibt seinen Vater als eher ruhigen Mann, der viel und gern an seinem Schreibtisch gearbeitet habe, sofern er nicht auf Achse war. „Aber er konnte auch sehr gut mit Menschen umgehen“, so der Sohn. Sehr wichtig sei ihm die Bibelarbeit gewesen, die Musik habe er als ein Verkündigungselement gesehen.

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