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FReizeit

Mit dem Rad zur Kultur

Kunst und Natur sollen im Strohgäu ein Tandem bilden, ab 2022 auf einem Skulpturenradweg zu erleben – und Anziehungspunkte für Besucher und Bewohner der Region sein.

Foto: Holm Wolschendorf
Foto: Holm Wolschendorf
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Strohgäu. Die Idee. Von Deutschlands bekanntestem Förster und Bestsellerautoren Peter Wohlleben („Das geheime Leben der Bäume“) stammt die Behauptung: „Natur ist das Gegenteil von Kultur.“ Den Gegenbeweis wollen nun die drei Strohgäukommunen Schwieberdingen, Hemmingen und Eberdingen sowie der Landkreis Ludwigsburg antreten, indem sie in die Landschaft zeitgenössische Skulpturen, Plastiken oder Installationen setzen, die mit dem Fahrrad, Pedelec und E-Bike erreichbar sind. Der Arbeitstitel lautet neudeutsch Art Loop, meint einen Rundweg und stammt von der Beauftragten für Kunst im Kreishaus, Ingeborg von Egloffstein.

Die Route führt über rund 37 Kilometer. Start ist am Schwieberdinger Bahnhof. Von dort geht es nach Hemmingen und in die Eberdinger Ortsteile Nussdorf und Hochdorf. Markante Wegepunkte sind das Varnbüler’sche Schloss und sein Park, das private Museum Kunstwerk mit der Sammlung des Nussdorfer Unternehmers und Mäzens Peter W. Klein sowie das Keltenmuseum in Hochdorf (Foto).

Für Radler ist die Strecke wegen ihrer Höhenunterschiede durchaus sportlich. Am Schwieberdinger Bahnhof können sie sich Pedelecs an der Station des Betreibers Regiorad leihen.

Was zu sehen sein soll. Angedacht sind zunächst sieben Skulpturen, Plastiken oder Installationen, die in Zusammenarbeit mit staatlichen Akademien der Bildenden Künste entstehen sollen. Insbesondere sind Studenten aus Bildhauerklassen aufgerufen, Vorschläge zu konzipieren. Eine Jury würde dann die Siegerentwürfe ermitteln. Die Bedingung: Die Kunstwerke sollen die Natur nicht verändern, sondern Akzente in der Landschaft setzen. Dazu kommen Hinweistafeln.

Der Zeitplan. In diesem Herbst sollen die beteiligten Kommunen ihre Grundsatzentscheidungen herbeiführen. Zu Beginn des nächsten Jahres würde dann der Kontakt zu den Hochschulen aufgenommen und die Standorte für die Kunstwerke ausgewählt werden. Im Sommer 2021 sollen die siegreichen Studenten ihre Werke anfertigen, die Anfang 2022 aufgestellt würden. Die Eröffnung des Art Loops ist schließlich für das Frühjahr 2022 vorgesehen.

Die Kosten. Angesetzt sind 220000 Euro. Mehr als die Hälfte ist bereits akquiriert. Der Regionalverband gibt über sein Landschaftsparkprogramm 60000 Euro, die Kreissparkasse 50000 Euro und der Kunstmäzen Klein 20000 Euro. Ein Förderantrag für die gleiche Summe ist bei der Wüstenrot-Stiftung gestellt.

Bleiben also noch 60000 Euro übrig, die vom Landkreis und den drei Kommunen kommen sollen. Das Problem: In Pandemiezeiten tut sich die öffentliche Hand mit Ausgaben für freiwillige Aufgaben schwer. Der Fraktionschef der Freien Wähler, Rainer Gessler aus Markgröningen, erinnerte jetzt daran, dass aus Kostengründen Laub nicht mehr bei den Bürgern abgeholt werde und Schwieberdingen gerade gegen eine Beteiligung am neuen Landesverkehrszentrum in Asperg gestimmt habe. „Der Skulpturenradweg ist aber bereits weit vorangeschritten“, so Gessler im Kreistagsausschuss für Umwelt und Technik. Deshalb solle das Vorhaben umgesetzt werden. „In Zukunft wird es aber auch mal ein Nein geben.“ Bauchschmerzen zeigten sich auch bei CDU und SPD, die das Projekt aber durchziehen wollen. Der grüne Landtagsabgeordnete Jürgen Walter empfahl schmunzelnd, tief an der frischen Luft durchzuatmen. „Dann geht es besser.“

Fehlt nach dem positiven Votum des Kreises, der 12000 Euro ausgeben will, noch grünes Licht aus den drei beteiligten Kommunen. Sie wären mit jeweils 16000 Euro dabei. In Eberdingen liegt ein Grundsatzbeschluss vor – aber nur über 15000 Euro.

Gibt es Skulpturenradwege schon? Ja, zum Beispiel den „Sculptoura“ im Nachbarkreis Böblingen oder eine Route im nordbadischen Neckar-Odenwald-Kreis. Dazu kommen nach Angaben des Landratsamtes Kunstwanderwege, Waldskulpturenpfade oder Skulpturenfelder.

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