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Luftbelastung

Mit Diesel-Kat gegen Fahrverbot

Hardware-Nachrüstung in der Region Stuttgart angelaufen – Kraftfahrzeuginnung will Vorreiterrolle anstoßen

Obermeister Torsten Treiber mit einem Nachrüstsatz für Diesel-Pkw.Foto: Jürgen Schmidt
Obermeister Torsten Treiber mit einem Nachrüstsatz für Diesel-Pkw. Foto: Jürgen Schmidt

Stuttgart.. Die heimische Kraftfahrzeuginnung will die Region Stuttgart zum „Hotspot“ der Hardware-Nachrüstung für Dieselfahrzeuge machen. Wie beim Einbau von Partikelfiltern solle die Region auch diesmal eine Vorreiterrolle übernehmen, sagte Obermeister Torsten Treiber (Ludwigsburg) gestern bei einer Pressekonferenz in Stuttgart. Dies solle dazu beitragen, zonale Fahrverbote in Stuttgart oder anderen Städten zu vermeiden.

Katalysatoren sind inzwischen für einige Automarken erhältlich, beispielsweise für Mercedes, die Marken des VW-Konzerns, BMW und Volvo. Einige weitere sollen in den nächsten Monaten folgen, kündigten Vertreter von fünf Katalysatorherstellern in Stuttgart an.

Wer einen Euro-Diesel umrüsten lassen will, muss bei einem Pkw für den Katalysator und dessen Einbau je nach Modell zwischen 3500 und 3800 Euro bezahlen. Mercedes und VW hatten angekündigt, den Autobesitzern für die Hardware-Nachrüstung einen Zuschuss von 3000 Euro zu zahlen. Voraussetzung ist, dass sie in einer der 15 Problemstädte oder deren Umland zu Hause sind. Die Dieselfahrer in Stuttgart und den umliegenden Landkreisen kommen in den Genuss des Zuschusses, wenn sie einen VW oder Mercedes fahren. Bei anderen Automarken muss der Halter bisher die Kosten komplett selbst tragen.

Dieselkatalysatoren gibt es nicht nur für Pkw, sondern auch für Kleinlaster und Transporter. HJS a hat ein Abgasreinigungssystem entwickelt, das speziell für Handwerker- und Lieferfahrzeuge ausgelegt ist, wie Lars Mothes von HJS erläuterte. Das Unternehmen aus Menden in Nordrhein-Westfalen rüstet derzeit auch die Fuhrparks von Kommunen nach.

Für die Umrüstung eines Kleintransporters fallen mit bis zu 6000 Euro deutlich höhere Kosten an, als für einen Personenwagen. Da die Fahrzeuge aber häufig individuell für die Bedürfnisse der Unternehmen angepasst seien, lohne sich die Investition, gab Mothes zu bedenken. Die gleiche Hardware könne auch in Wohnmobilen eingesetzt werden.

Der Stuttgarter Regierungspräsident, Wolfgang Reimer, begrüßte, dass die Hardwarenachrüstung nun praktisch möglich sei. „Wir haben an jedem Schritt Interesse, der dazu beiträgt, die Luft in der Region Stuttgart sauberer zu machen“, sagte der Grünen-Politiker, dessen Behörde für die Fortschreibung der Luftreinhaltepläne in der Landeshauptstadt zuständig ist. Wenn bis zum Herbst der Stickoxidgrenzwert von 40 Mikrogramm am Neckartor nicht annähernd erreicht werde, führe kein Weg an der Einführung eines zonalen Fahrverbotes für Euro-5-Diesel in Teilen des Kessels vorbei.

Wie viele Dieselautos nachgerüstet werden müssten, um den Grenzwert zu erreichen, habe man nicht errechnet, weil eine Vielzahl von Maßnahmen dazu beitragen sollen, sagte Reimer. „Es wäre gut, wenn wir die Hälfte der Stuttgarter Diesel umrüsten könnten“, gab der Regierungspräsident als Ziel vor. In Stuttgart sind nach Angaben der Kfz-Innung rund 20 000 Euro-5-Dieselfahrzeuge angemeldet, in der gesamten Region gebe es rund 145 000.

Die Hersteller der Dieselkatalysatoren sehen sich in der Lage, genügend Nachrüstsätze zu liefern. Und der Geschäftsführer der Kfz-Innung, Christian Reher, geht davon aus, dass die rund 900 Mitgliedsbetriebe in der Lage seien, einen Ansturm von Kunden zu bewältigen. Bislang gibt es allerdings noch sehr wenige Werkstätten, die für den Einbau geschult wurden.

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