Logo

Carrerabahn

Mit Fingerspitzengefühl geht es in die Kurve

Großer Spaß mit kleinen Autos: Hans Müller und Uli Loser haben eine 36 Meter lange Carrerabahn im evangelischen Gemeindehaus von Heimerdingen aufgebaut.

An dem halben Reifen, der sich über die Strecke wölbt, ist der Start. Die Jungs mit den orangefarbenen Westen gehören zum Team.
An dem halben Reifen, der sich über die Strecke wölbt, ist der Start. Die Jungs mit den orangefarbenen Westen gehören zum Team.
Die Kurven sind am schwierigsten.
Die Kurven sind am schwierigsten.
Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt.
Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt.
Alles klar zum Start? Sieger ist, wer die meisten Runden fährt.Fotos: Holm Wolschendorf
Alles klar zum Start? Sieger ist, wer die meisten Runden fährt. Foto: Holm Wolschendorf

Ditzingen. Auch Michael Schumacher hat einmal klein angefangen, sein erstes Formel-Eins-Rennen ist der spätere Rekord-Formel-Eins-Sieger 1991 in Spa gefahren. Der – seitdem mehrmals umgebaute – Circuit de Spa Francorchamps zwischen Stavelot, Spa und Malmedy in Belgien ist dieses Jahr Austragungsort für Fans des digitalen Motorsports in Heimerdingen.

Hans Müller sitzt vornübergebeugt am Schreibtisch, klebt die Schnauze der „Rosa Sau“ und schraubt mit zierlichem Werkzeug das Übrige zusammen. Friemelarbeit. Aber jetzt scheint der bonbonfarbene Wagen wieder hergestellt zu sein. „Es sind alles alte Fahrzeuge. Wir haben jedes Auto anders lackiert, damit man die besser unterscheiden kann. Es passiert übrigens auch Erwachsenen, dass sie den falschen Wagen fahren und es manchmal lange nicht merken, bis alle lachen.“ Hans Müller ist gelassen, aber mit gebotenem Ernst bei der Sache.

Mit der Zeit kommen immer mehr Menschen in die Gemeindehalle, am Absperrband vor der Rennbahn wächst die Gruppe derer, die auch mal fahren wollen oder wenigstens zugucken. Joshi (10), Levi (8) und Niklas (9) gehören zum Steward-Team, zu erkennen an ihren orangefarbenen Westen: Auch sie verfolgen das Geschehen auf dem asphaltfarbenen Kunststoff. Und wer mal nicht aufpasst, kriegt vom Kollegen eins auf den Deckel: „Achtung, bleib‘ auf deinem Platz!“, schreit einer. Dass Wagen hin und wieder ins Trudeln geraten oder gleich ganz rausfliegen, passiert eben. Zwei Wagen liegen schon wieder neben der Bahn.

Am Start, wo sich ein halber Dunlop-Reifen über die Fahrbahn erhebt, ist auch der elektronische Rundenzähler installiert, seine Rechenergebnisse werden während des Rennens an die Wand projiziert. Sieben Minuten Rennen, und wer die meisten Runden schafft, gewinnt.

Alessio hat‘s geschafft, mit 23 Runden schafft er es mit „Blauer Himmel“ ganz oben aufs Siegertreppchen. Die Stelle am „Bus Stop“, nahe des Starts, ist so gemein, dass nur Fahrer mit Fingerspitzengefühl durchkommen. Die allermeisten haut es aus der Bahn. „Man muss früh loslassen. Die Autos bremsen ja ziemlich schnell, schneller als echte Autos“, analysiert der Zehnjährige. Außerdem sei es besser, in den Kurven außen zu fahren. Da lohne sich der Spurwechsel. Das Rennbahnevent findet Alessio jedenfalls toll: „Es macht sehr Spaß.“

Wieder zählt eine Frauenstimme herunter, dann schaltet die Ampel auf Grün. Immer wenn ein Wagen den Halbreifen passiert, boostet Motorenjaulen aus den Boxen. „Fehlt nur noch der Öl- und Benzingeruch“, grinst Uli Loser.

Heute Abend wird es spannend: Nach der Family Time (14 bis 17.30 Uhr, ab acht Jahre) startet um 19 Uhr ein Grand Prix, diesmal das Team Masters. Die Teams werden ausgelost und orientieren sich an den Teilnehmern. Mindestalter 16 Jahre, Startgebühr zehn Euro. „Ganz wichtig: Man muss pünktlich da sein. Ein späterer Einstieg ist nicht möglich“, so Loser. 2018 hat übrigens Sebastian Vettel das Rennen in Spa gewonnen. Im Heimerdinger Spa soll der Spaß an der Freude im Vordergrund stehen und nebenbei mit dem Erlös die Sanierung der Sanitäranlagen für das Vereinsheim unterstützt werden.

Autor: