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Bahnverkehr

Mit Glück kommt man zügig ans Ziel

Seit gut einem Monat fahren die Bahnunternehmen Abellio und Go-Ahead auf einer weiteren Hauptstrecke durch den Kreis. Der Start auf der Frankenbahnlinie war, wie schon bei der Aufnahme des Betriebs Richtung Vaihingen, holprig. Doch wie sieht es jetzt aus?

Auch im nördlichen Landkreis Ludwigsburg – wie hier in Besigheim – gibt es Probleme auf der Strecke der Frankenbahn. Archivfoto: Alfred Drossel
Auch im nördlichen Landkreis Ludwigsburg – wie hier in Besigheim – gibt es Probleme auf der Strecke der Frankenbahn. Foto: Alfred Drossel
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Kreis Ludwigsburg. Montagmorgen, kurz vor halb sieben:

Déjà-vu in der Frühe. Denn wie schon bei den ersten Testfahrten im Juli nimmt der Ticketautomat im Ludwigsburger Bahnhof die ec-Karte nicht an. Erst der daneben ist willens, ebenso wie Abellio, die Testfahrten nicht so in Chaos ausarten zu lassen wie beim ersten Mal. Pünktlich fährt der Zug ein – und schwächelt dann. Die Türen piepen lange, und es dauert, bis alle geschlossen sind und es weitergeht. Laut Displayanzeige im Innern pünktlich, in der Realität aber mit rund zwei Minuten Verspätung, kommt die Bahn in Walheim an – harmlos im Vergleich zu dem, was LKZ-Leser regelmäßig berichten.

6.47 Uhr, Walheim:

Dieser Zug von Abellio zurück Richtung Stuttgart soll regelmäßig verspätet sein, der acht Minuten darauf (Go-Ahead) gerne ausfallen, erzählt mir eine Pendlerin, zwei andere klagen über die Verbindungen gegen halb acht und zehn Uhr. Doch heute ist alles im Plan, zumindest was die Uhrzeiten angeht. Statt eines neuen gelb-weißen Fahrzeugs fährt ein rotes der Deutschen Bahn ein – denn noch immer hat der Hersteller Bombardier Abellio nicht die gesamte Bestellung geliefert. 22 Züge sollten es noch sein, zwölf fünfteilige und sieben dreiteilige Talent 2-Fahrzeuge sind es bislang. Auch Go-Ahead wurde von seinem gewählten Hersteller Stadler ähnlich enttäuscht. Hier fehlen nach aktuellen Angaben des Verkehrsministeriums ebenfalls noch drei Züge – Ende Januar soll einer kommen, im Februar die anderen. Ich steige ein – und werde gleich ausgebremst. Denn auf der einen Seite ist das Waggonende, auf der anderen das (defekte) WC, in dem Gang davor sind alle Klappsitze belegt. Ein Durchkommen zu einem freien Platz ist nicht möglich – falls es überhaupt einen gibt.

Verspätungen als Dauerzustand?

Bei Abellio verneint man das. Eine Häufung von Verspätungen jenes Zuges, der Walheim um 6.47 Uhr verlässt, „können wir nicht feststellen“. Lediglich zweimal und nur minimal sei das in den vergangenen zwei Wochen der Fall gewesen, sagt die Sprecherin Hannelore Schuster. Und bei Go-Ahead? Zu den Vorwürfen des regelmäßigen Ausfalls um 7 Uhr könne er nichts sagen, so Pressesprecher Erik Bethkenhagen, er wolle dem aber nachgehen.

Ebenso der Kritik eines Lesers unserer Zeitung, der im vergangenen Dezember kein einziges Mal pünktlich um kurz nach sechs Uhr in Besigheim war – bei der DB habe die Quote zumindest bei 40 Prozent gelegen – und deshalb den 6.14 Uhr-Bus ins Industriegebiet Ottmarsheimer Höhe immer verpasste. Doch die Antwort kommt für diesen Text zu spät – so wie ein Pendler mit wöchentlichem Ziel Würzburg, der ebenfalls von regelmäßigen Ausfällen berichtet, zuletzt am Dienstag um kurz nach acht Uhr ab Stuttgart.

6.56 Uhr, Bietigheim:

Kurzer Ausstieg, um zu sehen, wie voll der Folgezug von Go-Ahead ist. Am Nachbargleis steht ein Abellio Richtung Vaihingen, der eigentlich schon längst am Ziel hätte sein sollen. Waren in Ludwigsburg für ihn noch zehn Minuten angezeigt, so steht nun 40 auf der Anzeigetafel – doppelt so viel wie bei einer der Testfahrten im Juli. Dafür ist der 7.03-Uhr-Zug Richtung Stuttgart pünktlich. Einen Sitzplatz zu bekommen, ist ebenfalls utopisch, doch zumindest ab Ludwigsburg ist das möglich. Ähnlich sieht das dort aus, wo die Züge starten. „Chronisch überfüllt“ sei etwa jene Go-Ahead-Verbindung um 7.03 Uhr – pünktlich zur ersten Schulstunde – ab Bad Friedrichshall, erst ab Heilbronn werde es besser, so die Klagen in den sozialen Netzwerken. Ganz so dramatisch aber wie auf der Filstalbahn soll es nicht sein.

Reichen die Kapazitäten aus?

„Wir hatten dort einfach Pech“, sagt Go-Ahead-Sprecher Bethkenhagen zu den oft hoffnungslos überfüllten Waggons zwischen Stuttgart und Ulm, und auch auf der zweiten Strecke im Remstal werden in den Stoßzeiten zu kurze Züge eingesetzt, so eine Recherche der dort erscheinenden Zeitung. Auf dem Frankenbahn-Abschnitt im Kreis Ludwigsburg hingegen wisse er von keinen Beschwerden, obwohl viele Pendler das angesichts des Wegfalls von Doppelstockzügen befürchtet hatten. „Da fahren wir die vom Land vorgegebenen Kapazitäten“, so Bethkenhagen.

7.17 Uhr, Ludwigsburg:

Was ist das? Der Go-Ahead nach Würzburg kommt vier Minuten vor der eigentlichen Abfahrt auf Gleis 1 an, wartet dann aber so lange. Doch weit im Kreis komme ich nicht mit ihm, ohne Stopp fährt er von Bietigheim bis Heilbronn. Also heißt es umsteigen in den Abellio.

7.38 Uhr, Bietigheim:

Der Zug Richtung Norden sollte jetzt kommen. Doch plötzlich verschwindet er von der Anzeigetafel. Gegen 7.45 Uhr fährt er endlich ein. Und wieder werden die Lieferprobleme sichtbar, denn diesmal ist es einer der roten Doppelstockwagen. Auch der Zug, der in Besigheim am Gleis in die Gegenrichtung steht, ist von diesem Typ.

8.06 Uhr, Besigheim:

Wieder wird eine Verspätung angezeigt. Und wieder ist ein Leihzug Richtung Heilbronn unterwegs, diesmal jener Baureihe, die an eine S-Bahn erinnert – wie zurück nach Ludwigsburg. Doch zumindest kommt er pünktlich um 8.17 Uhr an.

Vormittag, LKZ-Redaktion:

„Wie hast du das geschafft?“, fragt ein Kollege, der in Walheim wohnt, angesichts meiner eher positiven Erfahrung. Und schimpft los. Kaum einmal sei sein Zug morgens pünktlich, es gebe Ausfälle und mehrfach habe er es auch schon erlebt, dass es wegen technischer Probleme minutenlang nicht weiterging. Das sei schlechter als noch zu DB-Zeiten, wo es kurz vor dem Betreiberwechsel wieder besser geklappt habe. Ebenso schlecht fällt sein Urteil mit Blick auf die Fahrplanauskunft via App und auf den Anzeigetafeln aus – eine Erfahrung, die ich zu 100 Prozent teilen kann, manch ein Zug, der fuhr, war in der DB-App gar nicht aufgeführt. Aber der Kollege hat auch etwas Positives: Abends sei es nun besser, weil es einen dichteren Takt als bislang gebe – „aber nur, wenn der Zug kommt“.

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