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Musik

Mit kleinen Dingen etwas Gutes tun

Katharina Schäfer spielt für ihr Leben gern Klavier und Orgel. Zudem liebt sie das Singen. Was die Coronakrise für sie bedeutet, wurde ihr schnell klar: Alle Auftritte abgesagt, kein Unterricht mehr. Doch nach dem ersten Schock hat sie sich gefragt: „Was kann ich Gutes tun?“

Katharina Schäfer spielt ab jetzt zweimal am Tag Klavier. Die Musik können Nachbarn und Passanten auf der Straße hören.Fotos: Andreas Becker
Katharina Schäfer spielt ab jetzt zweimal am Tag Klavier. Die Musik können Nachbarn und Passanten auf der Straße hören. Foto: Andreas Becker
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Gerlingen. Als Katharina Schäfer in den Nachrichten von einer Frau in Berlin erfuhr, die vom Balkon aus für andere singt, wollte sie etwas Ähnliches machen. Seit Mittwoch spielt sie nun jeden Tag zweimal am offenen Fenster etwa 20 Minuten lang auf ihrem frisch gestimmten Klavier. Um 10 und um 15.Uhr möchte sie damit Nachbarn und Passanten von ihrer Wohnung in der Schillerstraße 25 in Gerlingen aus eine Freude machen.

„Jetzt habe ich wieder viel zu tun mit zwei Konzertterminen am Tag“, sagt Katharina Schäfer, die sonst bei privaten und kirchlichen Veranstaltungen auftritt. Beim ersten Spielen am Fenster hat ihre Tochter getestet, ob die Musik aus dem ersten Stock auf der Straße auch wirklich zu hören ist. Ob und wie viele Zuhörer sie bisher hatte, könne sie nicht sagen, denn sie sitze ja am Klavier.

Ihre Musik deckt ein großes Spektrum ab: Unter anderem spielt sie Operetten und Filmmusik, am liebsten ist ihr jedoch Klassisches wie Kirchenmusik oder Wiener Musik. „Vielleicht werde ich heute Nachmittag Richtung Walzer gehen“, überlegt sie. Das passe ja auch ganz gut zur Kaffeezeit. Für den Sonntagmorgen hat sie sich Choräle vorgenommen, da nun auch keine Gottesdienste mehr stattfinden können.

„Man wohnt ja nur ein paar Meter entfernt, kennt aber die Nachbarn nicht“, sagt sie über ihr Umfeld. Denn die gebürtige Frankfurterin ist erst vergangenen Herbst nach Gerlingen gezogen. Ihren Nachbarn hat sie sich damals per Brief vorgestellt. Auch in den kommenden Wochen möchte sie wieder Briefe schreiben – an Menschen, zu denen sie gerade keinen direkten Kontakt haben kann wie etwa ihren Eltern. Zudem möchte sie andere ermutigen, sich selbst eine gute Gesellschaft zu sein.

In ihrem Leben hat Katharina Schäfer unter anderem in Kalifornien Station gemacht. Ihr damaliger Mann arbeitete in der Nähe von San Francisco, ihre Kinder gingen dort zur Schule. Katharina Schäfer war in der Kirchengemeinde aktiv: „Dabei habe ich ganz tolle amerikanische Kirchenmusik kennengelernt, die mich sicherlich auch beeinflusst hat.“ Während des Aufenthalts in den USA schaffte sie sich zudem ihren ersten Konzertflügel an.

Tägliches Lesen in der Bibel

Beim Umgang mit der aktuellen Situation hilft der gläubigen Christin das tägliche Lesen in der Bibel. Sie streicht sich Stellen an, in denen Gott etwas sagt, das zum Thema passt. Nicht aus Angst, sondern aus Vernunft und ihrer Umwelt zuliebe will Katharina Schäfer sich an die Hinweise der Behörden halten. Über die langfristigen Auswirkungen der Coronakrise für ihre Arbeit möchte die Musikerin aus Gerlingen derzeit noch nicht nachdenken. „Heute ist heute“, sagt sie voller Sicherheit. Denn wenn man sich alle Sorgen auf einmal mache, nehme das einem alle Energie. Vorerst widmet sie sich also dem Klavierspiel am Fenster. Dass auch kleine Dinge Großes bewirken können, besagt ein Sprichwort, das die Musikerin auf ihrer Webseite zitiert: „Jede große Symphonie beginnt mit einer einzigen Note.“

INFO: Weitere Informationen zu Katharina Schäfer und ihrer Musik gibt es auf der Seite www.klavierundgesang.wordpress.com.

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