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Nahverkehr

Mit langem Atem zurück in die Spur

Auch die Strohgäubahn verliert wegen der Pandemie massiv Fahrgäste – Trotzdem wird der Fahrplan weiter ausgeweitet

Die Strohgäubahn trifft an der Endhaltestelle Korntal auf die S 6: Die Bahnmanager im Kreis wollen weiter die Durchbindung nach Feuerbach. Archivfoto: Bürkle
Die Strohgäubahn trifft an der Endhaltestelle Korntal auf die S 6: Die Bahnmanager im Kreis wollen weiter die Durchbindung nach Feuerbach. Foto: Bürkle

Strohgäu. Die Fahrgeldeinnahmen auf der Strohgäubahn werden in diesem Jahr voraussichtlich um 20 Prozent sinken und nur noch bei 1,63 Millionen Euro liegen. Das hat Axel Meier, der wiedergewählte Geschäftsführer des Zweckverbandes, gestern auf der Verbandsversammlung im Ludwigsburger Kreishaus mitgeteilt. Allerdings halten sich die Verluste des Nebenbähnles, das Korntal-Münchingen, Schwieberdingen, Hemmingen und den Ditzinger Teilort Heimerdingen verbindet, in Grenzen: Weil Bund und Land für den ÖPNV einen milliardenschweren Rettungsschirm gespannt haben. „Wir sind mit Corona bisher gut zurechtgekommen“, sagte der Korntal-Münchinger Bürgermeister Joachim Wolf.

Allerdings geht der Spitzenbeamte davon aus, dass die beiden kommenden Jahre wohl schwieriger werden. „Dann wird sich zeigen, wie sich die Krise finanziell tatsächlich auswirkt.“ Meier rechnet damit, dass auch die Strohgäubahn bei den Fahrgästen „längere Zeit“ brauchen werde, um das alte Niveau zu erreichen. Allein für den Landkreis Ludwigsburg prophezeit er 2021 die Einnahmeverluste im ÖPNV auf fünf bis sechs Millionen Euro. Meier: „Momentan wissen wir nicht, ob der Bund und das Land erneut einen Rettungsschirm auflegen werden.“ Allerdings habe er vorsichtige Signale empfangen, wonach wohl wieder Mittel zur Verfügung gestellt werden könnten.

Daher will der Strohgäubahn-Zweckverband an dem Plan festhalten, das Angebot weiter auszubauen. Ab dem 19. Dezember sollen die Züge zwischen Korntal und Heimerdingen auch an Samstagen im Halbstundentakt verkehren (wir berichteten). Bereits im vergangenen März hatte es eine beträchtliche Ausweitung des Fahrplans gegeben. Mit Blick auf die Coronakrise sei das zu einem „ungünstigen Zeitpunkt“ gekommen, sagte der Korntal-Münchinger CDU-Ratsherr Joachim Winter.

Neue Fahrzeuge müssen her

Ähnlich äußerten sich seine Parteifreunde aus Schwieberdingen und Hemmingen, Sebastian Morschhäuser und Ute Freitag. Die Hemminger Gemeinderätin könne sich nicht vorstellen, dass das neue Angebot stark angenommen werde. „Eventuell muss der Zweckverband nachschärfen“, so der Schwieberdinger Morschhäuser.

Davor warnte der Ditzinger OB Michael Makurath. „Wir dürfen jetzt nicht den Fehler machen, kurzatmig zu werden“, sagte er. „Wenn wir Fahrgäste nach der Pandemie zurückgewinnen wollen, funktioniert das nur mit einem guten Angebot.“

Darüber hinaus hat sich der Strohgäubahn-Zweckverband auf die Suche nach neuen Zügen gemacht. Der Geschäftsführer Meier sagte am Dienstag: „Während der Hauptverkehrszeit sind alle acht Fahrzeuge im Einsatz. Wir haben keine Reserve mehr.“ Das Problem: Der Hersteller Stadler hat die aktuelle Baureihe eingestellt, weshalb der Zweckverband jetzt nach gebrauchten Fahrzeugen fahndet. Gut möglich, dass die Projektpartner im Frühjahr kurzfristig eine Entscheidung fällen müssen.

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