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oberamtsgebäude

Moderne Büros in alter Hülle

Modernisierung des geschichtsträchtigen Gebäudes kostet über vier Millionen Euro und dauert ein Jahr

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Äußerlich werden die Sanierungsarbeiten mit dem Bau eines zweiten Rettungsweges und eines Aufzugturms deutlich.Foto: Alfred Drossel

besigheim. Über vier Millionen Euro nimmt das Land als Besitzer des einstigen Oberamtsgebäudes in der Besigheimer Altstadt in die Hand, um auf einer Nutzfläche von 1600 Quadratmetern moderne Büroräume zu schaffen. Genutzt wird der mächtige Bau künftig vom Amtsgericht. Zuvor war hier das einstige Straßenbauamt untergebracht.

Als Folge der Notariatsreform, die zum Jahreswechsel die Auflösung aller staatlichen Notariate und die Übertragung der dort bisher bestehenden gerichtlichen Zuständigkeiten auf die Amtsgerichte brachte, benötigt das Besigheimer Amtsgericht mehr Platz.

Deshalb soll das ehemalige Oberamtsgebäude von 1908 umgebaut und saniert werden. Über ein Jahr lang werden die Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten andauern. Der Brandschutz wird entscheidend verbessert, ein zweiter Fluchtweg in den Innenhof gebaut. Um alle Stockwerke des Gebäudes barrierefrei zu erreichen, wird ein außenliegender Aufzug errichtet. Im Obergeschoss soll die Dämmung gegenüber dem Dach verbessert werden.

Die Putzfassade und das Natursteinwerk des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes werden aufgefrischt. Einige Räume im Inneren müssen nach den Vorgaben des Landeskriminalamtes besonders gesichert werden. Im Hofbereich wird eine Garagenanlage abgebrochen und der Neubau eines eingeschossigen Anbaus für die Archivnutzung gebaut. Die bestehende Mauer zur Schlossgasse bleibt erhalten.

Das Gebäude an der östlichen Stadtmauer hatte immer schon eine große Bedeutung: König Friedrich I. verordnete nach seiner Thronbesteigung am 1. Januar 1806 seinem Land einen neuen Verwaltungsaufbau und gründete als untere Einheiten 65 Oberämter. Nach etlichen Veränderungen ab 1806 entstand schließlich das bis 1938 bestehende „Oberamt Besigheim“ mit den vier Städten Besigheim, Bietigheim, Bönnigheim und Lauffen, den vier Marktflecken Freudental, Großingersheim, Ilsfeld und Kirchheim und den zehn Dörfern Erligheim, Gemmrigheim, Hessigheim, Hofen, Hohenstein, Kleiningersheim, Löchgau, Metterzimmern, Schozach, Walheim und dem Weiler Wüstenhausen nordöstlich von Ilsfeld. 1811 kam noch „Kaltenwesten“, seit 1884 „Neckarwestheim“ genannt, dazu. 1926 umfasste der Bereich des Oberamts Besigheim 19 Gemeinden mit einer Gesamtfläche von 16 749 Quadratkilometer. Die Wohnbevölkerung betrug 1925 rund 39 500 Personen.

Nach der Auflösung des Kreises Besigheim 1938 kamen fast alle Städte und Gemeinden zum Kreis Ludwigsburg, nur die Stadt Lauffen am Neckar und die Gemeinden Ilsfeld, Neckarwestheim und Schozach gingen an den Kreis Heilbronn. Das Gericht des Oberamts, das heutige Amtsgericht Besigheim, blieb hingegen bis heute bestehen. Das größere Bietigheim bekam das Kameralamt, Vorgänger des Finanzamtes.