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Müllchaos: Landrat bezieht im LKZ-Interview Stellung

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Im Instagram-Gespräch mit der LKZ erklärt Dietmar Allgaier, wie es zu den aktuellen Problemen kam und welche Schritte folgen könnten

Kreis Ludwigsburg. „Wir hatten damit gerechnet, dass es Anlaufschwierigkeiten gibt, aber nie in diesem Umfang“, sagte Landrat Dietmar Allgaier zu den aktuellen Rückständen des Unternehmens Alba bei der Abfuhr von Bio- und Restmüll im Kreis. Im Instagram-Gespräch mit der LKZ stellte er sich am Donnerstag den Fragen der Redakteurinnen Julia Essich-Föll und Patricia Rapp sowie der rund 50 Zuschauer.

Darum wurde der Entsorger gewechselt

Dabei erklärte er noch einmal, wie es zum Anbieterwechsel kam: Die Aufgabe musste neu ausgeschrieben werden, da der alte Vertrag auslief. „Wir müssen an den preisgünstigsten Anbieter vergeben“, entgegnete der Landrat auf die Frage, ob dabei am falschen Ende gespart wurde. Auch hatte man angesichts der großen Erfahrung durch die europaweite Tätigkeit von Alba offenbar Besseres erwartet.

Dietmar Allgaier sprach von „mangelhafter logistischer Vorbereitung“, denn das Unternehmen hätte ab nach den Sommerferien Zeit und die Informationen gehabt, um sich mit den Routen vertraut zu machen. Zu den Rückständen hätten nun zudem coronabedingte Personalausfälle und der Ausfall eines Fahrzeugs durch Unfall geführt.

Kündigung des Vertrags kommt nicht infrage

Eine Kündigung des Vertrags mit Alba komme derzeit aber nicht infrage: „Dafür müsste noch mehr passieren, das will ja keiner.“ Der Landkreis werde definitiv Vertragsstrafen verhängen, aber das helfe den Bürgern kurzfristig nicht: „Wir versuchen nun, maximal zu unterstützen.“ Inzwischen sei man mit dem Unternehmen Alba täglich im Gespräch. Doch nachdem man vereinbart habe, dass auch Säcke neben den Tonnen mitgenommen werden, habe Alba wohl nicht direkt das Personal informiert. Positiv ist laut dem Landrat aber immerhin, dass es nun zusätzliche Fahrten gibt. Daher sollten die Bürger ihre noch nicht geleerten Tonnen am besten an der Straße stehen lassen.

„Ich ärgere mich ja genauso“, zeigte Dietmar Allgaier Verständnis für den Unmut im Landkreis – auch in Bezug auf den problematischen Umtausch von Blauen Glasboxen in Tonnen. Hier besteht er weiterhin darauf, dass die Nutzer laut Abstimmungsvereinbarung mit dem Duale-Dienste-Anbieter Interseroh bedingungslosen Anspruch auf einen Wechsel haben. Gegebenenfalls werde man dies einklagen. Doch da der Rechtsweg Jahre dauern könne, sei das erstmal nicht das Ziel. Das für das kommende Wochenende angesetzte Gespräch mit Interseroh wird laut dem Landrat „richtungsweisend“.

Glasbox funktioniert in anderen Landkreisen seit Jahren

Als Fehler betrachtet Dietmar Allgaier die Einführung der Glasbox indes nicht. Man habe auch viele Rückmeldungen von Bürgern bekommen, denen sie ausreicht oder die noch eine zweite wünschen. Im Rhein-Neckar-Kreis, dem bevölkerungsreichsten im Südwesten, funktioniere das System seit Jahren.