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Mülldeponie heizt Dorf: Leuchtturmprojekt geht in Betrieb

„Müll macht mollig warm!“ Nach dieser Devise hat man im Vaihinger Stadtteil Gündelbach für den Anschluss an die Fernwärmeversorgung aus Deponiegas vom Horrheimer „Burghof“ geworben. Das als Leuchtturmprojekt gefeierte Vorhaben ist jetzt offiziell in Betrieb genommen worden.

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Jetzt ist Gündelbach Bioenergiedorf. Unser Fotos zeigt eine Szene bei der offiziellen Inberiebnahme, links Vaihingens OB Gerd Maisch. Foto: Albert Arning

Vaihingen. „Oh Wunder, niemand ist im letzten Winter erfroren! Was wollen wir mehr?“ Gündelbachs Ortsvorsteher Thomas Fritzlar nahm es gestern bei der Einweihungsfeier in der Wachtkopfhalle mit einer Portion Humor. Danach war ihm allerdings in den vergangenen zwei Jahren nicht immer gewesen. Der Weg zum Ziel sei steinig gewesen, meinte Fritzlar. Die Belastbarkeit mancher Straßenanlieger sei bis an die Schmerzgrenze ausgereizt worden. Letztlich zähle aber, „dass alle Ziele erreicht wurden“.

Der 1200 Einwohner zählende Ort darf sich künftig Bioenergiedorf nennen. Der von der Abfallverwertungsgesellschaft AVL, dem Ingenieurbüro Schuler aus Bietigheim-Bissingen und den Stadtwerken Ludwigsburg-Kornwestheim entwickelte Plan hat Pioniercharakter. Bisher wurde das auf der von 1978 bis 2005 als Hausmülldeponie geführten Einrichtung des Landkreises entstehende Gas verstromt. Die Idee war nun, Gündelbach an ein Fernwärmenetz anzuhängen und heißes Wasser zu produzieren. Im April 2014 gab es eine erste Bürgerinformationsveranstaltung mit verhaltenem Interesse. Erst als die Stadt den Anschluss von öffentlichen Gebäude in Aussicht stellte, kam Bewegung in die Aktion. Inzwischen gibt es 80 Verträge, insgesamt 115 Hausbesitzer wollen ans Netz gehen. 40 Kunden sind angeschlossen. Sie konnten ihre alten Heizungen abbauen, die Öltanks entsorgen. Eine Übergabestation ersetzt den bisherigen Heizkessel. Die versorgten Gebiete liegen vor allem im Dorfkern.

Baustart war im Mai 2016. „Wir haben deutlich länger gebraucht als geplant“, gab Ulrich Ramseier von der Bürger Energie Neckar Enz gestern bei der Feier in Gündelbach zu. „Die Bewohner Gündelbachs waren die Hauptakteure“, meinte er, viele Straßen seien über Monate nicht befahrbar gewesen. Doch der Umgang miteinander sei schon etwas Besonderes gewesen, was vor allem dem Ortsvorsteher zu verdanken gewesen sei: „Er hat unglaublich für uns gearbeitet.“

„Wir freuen uns, dass das Bioenergiedorf auf den Weg gebracht wurde“, sagte Vaihingens OB Gerd Maisch. Bei der Stadt habe man zunächst nur an eine Begleitung gedacht, sei aber letztlich Bauherr geworden. Es habe Phasen gegeben, in denen man nicht mit der Deponie zufrieden gewesen sei. Hier vermisste der OB eine bessere Würdigung durch den Landkreis. Ökologisch und wirtschaftlich sei das Projekt höchst sinnvoll, so Maisch. „Und jetzt kommt auch von der Deponie was Gutes.“ Und wenn mal das Deponiegas nicht mehr ausreichen wird? „Wir haben da schon Überlegungen angestellt“, so Ulrich Ramseier. Eine Variante könnte die Version Holzhackschnitzel sein. Aber bis dahin werden noch viele Jahre vergehen. Die jetzige Versorgung ist auf Jahrzehnte ausgelegt.