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Murrer Radbande: Eine strapaziöse Tour zur Gedenkfeier in der Toskana

Murrer Radbande legt rund 850 Kilometer auf dem Weg nach Sant’Anna di Stazzema zurück – Magen-Darm-Infektion schwächt die Gruppe

Die Gedenkfeier in Sant’Anna di Stazzema. Bewegt haben die Radlerinnen und Radler der Murrer Radbande die Reden am Mahnmal auf der Bergkuppe miterlebt. Hinter den Sportlern lag eine strapaziöse Tour mit Hitzestress, Gewittergüssen und krankheitsbedin
Die Gedenkfeier in Sant’Anna di Stazzema. Bewegt haben die Radlerinnen und Radler der Murrer Radbande die Reden am Mahnmal auf der Bergkuppe miterlebt. Hinter den Sportlern lag eine strapaziöse Tour mit Hitzestress, Gewittergüssen und krankheitsbedingten Schwächungen. Foto: Radbande
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Sant’Anna Di Stazzema/Murr. Als um die Mittagszeit die Glocken des Mahnmals für die am 12. August 1944 vom II.Bataillon des SS-Panzergrenadier-Regiments35 im kleinen toskanischen Bergdorf Sant’Anna di Stazzema ermordeten Einwohner schlugen, hatten die zwei Radlerinnen und sieben Radler der Murrer Radbande ihr Ziel erreicht – nach gut 850 strapaziösen Kilometern. Begrüßt worden waren sie von Teilnehmern des Friedenscamps, das seit 2017 von der Naturfreundejugend Baden-Württemberg verantwortet wird.

So konnten die Radler und Radlerinnen bewegt miterleben, wie von der kirchlichen Gedenkfeier aus die Teilnehmer den Fußweg zum Mahnmal auf der Bergkuppe hochgingen. Am beeindruckend-sten seien die Redebeiträge der beiden Überlebenden des Massakers, Enio Mancini und Enrico Pieri gewesen, heißt es in einer Pressemitteilung der Radbande. Die beiden hatten im Juli 2020 das Bundesverdienstkreuz erhalten. Damals hatte sie Annette Walter, Leiterin der Kulturabteilung der Deutschen Botschaft in Rom, als „Vorbilder der Menschlichkeit“ gewürdigt. Sie hatte die Ehrung der beiden stellvertretend für den Bundespräsidenten vorgenommen. Ihre Worte: „Lieber Herr Pieri und lieber Herr Mancini, Sie sind zwei wunderbare Menschen, Vorbilder der Menschlichkeit. Die jungen Europäerinnen und Europäer von heute haben viel von Menschen wie Ihnen zu lernen. Deutschland dankt Ihnen aus ganzem Herzen für alles, was Sie getan haben und immer noch tun, um die Werte des Friedens, der Versöhnung, der Brüderlichkeit zu vermitteln. Sie haben der Bundesrepublik Deutschland und ganz Europa einen außerordentlichen Dienst erwiesen.“

Mancini und Pieri stellten bei der Gedenkfeier am 12. August ihrerseits das Bewusstsein um neue faschistische Gefahren in Europa, aber vor allem die Gedanken der Versöhnung und des Friedens in Europa in den Mittelpunkt. Für die Teilnahme an der Gedenkfeier hatten sich die sieben Männer und zwei Frauen der Radbande ordentlich ins Zeug gelegt und so manche Herausforderung gemeistert – von platten Reifen über starke Gewittergüsse bis zu Magen-Darm-Beschwerden. Diese Infektion zwang den Großteil der Fahrer am vierten Etappentag, der von Zizers/Chur nach Lago di Poschiavo führte, zum Umstieg ins Begleitfahrzeug. Ironischerweise sei nach 130 Kilometern und 3140 Höhenmetern nur der älteste Teilnehmer abends mit dem Rad am Etappenziel Le Prese am Poschiavosee angekommen, so die Radbande. Die anderen genossen die Zugfahrt im Berninaexpress, was aber keinen Ersatz für die Bergetappe darstellte. Die Gruppe hatte bei großer Hitze noch die schwere 150-Kilometer-Etappe zwischen Parma und Marina di Carrara über die Berge des ligurisch-toskanischen Apennins vor sich. Auch diese 1600 Höhenmeter mussten sie in der Hitze bewältigen. Trotz der Schwächung durch die Infektion kam die gesamte Gruppe komplett im Hotel an. Die Freude über die bewältigte Anstrengung war so groß, dass erst einmal ein Bad im Meer genossen wurde. Das Fazit der Murrer Radbande: In vieler Hinsicht wurden Herausforderungen gemeistert. Niemand aus der Gruppe war zuvor in acht Etappen 850 Kilometer weit mit harten Bergetappen geradelt, niemand hatte mit den gesundheitlichen Beschwerden gerechnet und alle Betroffenen waren froh, dass sie die Tour gemeistert haben. Auch die Konfrontation mit den Verbrechen des Naziregimes sei in dieser Form neu für die Gruppe gewesen.

„Es wäre schön, wenn wir als Radbande mit unserer Gedenkfahrt einen kleinen Betrag zu einer fruchtbaren Diskussion geleistet haben“, wird der Initiator und Organisator der Gedenkfahrt, Fritz Hirschmann aus Steinheim, in der Pressemitteilung zitiert. Damit solche schrecklichen Verbrechen wie das Massaker in Sant’Anna di Stazzema in Zukunft verhindert werden könnten. (red)