Logo

Bildung

Musikschule sorgt weiter für Disharmonie

Zuschussbedarf der Markgröninger Einrichtung steigt auf mehr als 400.000 Euro – Stadt will im Herbst neues Konzept vorlegen – Leiterin äußert Unmut

Noten sind eine Sprache, die sich über Tausende Jahre entwickelt hat: In Markgröningen suchen Verwaltung, Kommunalpolitik und Musikschule derzeit immer noch nach einer gemeinsamen Basis. Foto: stock.adobe.com
Noten sind eine Sprache, die sich über Tausende Jahre entwickelt hat: In Markgröningen suchen Verwaltung, Kommunalpolitik und Musikschule derzeit immer noch nach einer gemeinsamen Basis. Foto: stock.adobe.com
350_0900_22660_COKRnowak.jpg

Markgröningen. Die Markgröninger Musikschulleiterin Franziska Nowak-Frank versuchte bei ihrem Auftritt im städtischen Verwaltungsausschuss in dieser Woche, sich auf die Fakten zu konzentrieren. Demnach hatte die Einrichtung im vergangenen Jahr rund 50 Auftritte. Als erste Musikschule im Kreis sind die Markgröninger zudem als „Gesunde Musikschule“ zertifiziert worden. Die Zahl der Schüler zeigt leicht nach oben und liegt mittlerweile bei fast 1000 – davon sind 522 weiblich und 461 männlich.

Und dann geht Nowak-Frank auf die Personallage der Markgröninger Einrichtung ein, die bald ihren 40. Geburtstag feiert. Jetzt wird deutlich, dass es unter dem Dach der Musikschule im historischen Spitalgebäude nach wie vor gärt. Die Leiterin legt dar, dass 2017 noch 23 Kollegen für die Musikschule tätig gewesen sind. Ende des Schuljahres standen aber nur noch 19 Kollegen auf der städtischen Gehaltsliste. „Wir versuchen natürlich, unsere Arbeit in gewohntem Maß anzubieten“, sagt Nowak-Frank. „Uns ist allerdings klar, dass wir das nicht auf Dauer halten können und mit der Zeit zwangsläufig Einbußen eintreten werden.“

Tatsächlich hat die Stadt eine Stellenbesetzungssperre verhängt, worunter besonders die Ensemblearbeit leidet. Immer wieder fallen Stunden aus, was zu Frust bei den Schülern führt.

„Es herrschen gerade schwierige Zeiten an der Musikschule“, stellte der SPD-Fraktionschef Pedro Fernandes im Ausschuss fest. Weil die hoch verschuldete Stadt der Musikschule jedes Jahr einen mittleren vierstelligen Betrag zuschießen muss. Im vergangenen Jahr waren es fast 410.000 Euro, 2017 mehr als 350.000 Euro.

„An der Qualität der Musikschule haben wir nicht die geringsten Zweifel“, sagt zwar der Markgröninger Bürgermeister Rudolf Kürner. Er lässt aber auch keinen Zweifel daran, dass die Einrichtung in seinen Augen umgebaut gehört. Sein Haus muss ja auch die anderen Markgröninger Vereine im Auge haben, die deutlich weniger Mittel bekommen. Der Schwimmverein zum Beispiel wünscht sich seit Langem ein neues Bad. Hier könnte ein interkommunaler Zusammenschluss zum Ziel führen.

Das Rathaus will für die Musikschule in den kommenden Monaten ein Konzept erarbeiten, das dann mit den Betroffenen und der Kommunalpolitik wohl im Herbst diskutiert wird. „Je eher das passiert, desto besser“, sagte der Freie Wähler Rainer Gessler im Ausschuss. „Wir müssen gemeinsam eine Basis finden, die die Zukunftsfähigkeit der Musikschule sicherstellt.“ Die CDU forderte ebenfalls einen „konstruktiven Dialog“ ein und bittet die Leiterin Nowak-Frank, den Prozess auch als Chance zu sehen. Für die GAL gehört die Einrichtung angesichts des hohen Zuschussbedarfs „auf die Füße gestellt“.

Die Kommunalpolitik hat in den vergangenen Wochen immerhin dafür gesorgt, dass die Verwaltung die Musikschule mit höchster Priorität begleitet – wie sonst nur den Anschluss an eine Stadtbahn oder den Bau neuer Kinderhäuser. Kürner und sein Team hatten bei der Präsentation ihrer strategischen Ziele noch vor, die Einrichtung in Kategorie zwei einzuordnen. Damit kamen sie im Gemeinderat nicht durch (wir berichteten). Als „völlig falsch“ bezeichnete der Bürgermeister jedoch den Eindruck, die Verwaltung behandele die Musikschule womöglich stiefmütterlich. „Das Gegenteil ist der Fall.“

Spannend wird zu sehen sein, wie die Musikschule tatsächlich stabilisiert und der Zuschussbedarf reduziert werden kann. Die Leiterin Nowak-Frank hat ihre Vorstellungen bereits skizziert. „Ganz wichtig erscheint uns, die Debatte nicht immer nur auf das Monetäre zu reduzieren“, schreibt sie in ihrem Jahresbericht. „Denn zum einen haben wir einen großen Mehrwert für die Stadt und die Gesellschaft, der sich nicht in Geld messen lässt. Und zum anderen bilden wir Menschen aus und geben ihnen Grundsätzliches mit für ihre Zukunft, was sich auch nicht in Euro ausdrücken lässt.“ Nowak-Frank sieht die Einrichtung nicht bloß als Kostenfaktor, sondern als „eine politische Entscheidung, auf die man in Markgröningen stolz sein kann“.

Die CDU-Stadträtin Claudia Thannheimer attestierte der Leiterin im Verwaltungsausschuss, dass der „Unmut über die aktuelle Lage deutlich rübergekommen“ sei. Der Freie Wähler Gessler nannte Nowak-Franks Vortrag „interessant“.

Autor: