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Weinjahr

Nach 70 Minuten in Führung

Die Perspektiven auf dem Weinmarkt sind nach Ansicht der Württembergischen Weingärtner-Zentralgenossenschaft nicht rosig. Die WZG ist deshalb besonders auf einen guten Weinherbst angewiesen.

Keine 100 Tage mehr bis zur Ernte: In den Weinbergen des Kreises ist die Traubenblüte im Gang. Foto: Alfred Drossel
Keine 100 Tage mehr bis zur Ernte: In den Weinbergen des Kreises ist die Traubenblüte im Gang. Foto: Alfred Drossel

Möglingen. In den Weinbergen im Kreis Ludwigsburg ist die Traubenblüte in vollem Gang. Derzeit gehen die Wengerter offenbar von einem guten Verlauf aus, auch wenn die Blüte im Vergleich zum Vorjahr etwas langsamer voranschreitet. „Das ist aber kein Nachteil“, sagt etwa Sebastian Häußer von der Besigheimer Felsengartenkellerei unserer Zeitung. „Nachts ist es noch relativ frisch. So können sich die Aromen in aller Ruhe bilden.“

Von der Vollblüte der Reben dauert es noch rund 100 Tage, bis die Trauben reif sind und geerntet werden können. Das wäre nach jetzigem Stand der Dinge Mitte September der Fall – und immer noch zwei Wochen früher als normal. „Die Voraussetzungen für einen guten Herbst sind gegeben“, sagt Häußer.

Darauf setzt auch die WZG in Möglingen, mit rund 40 Genossenschaften der größte Weinerzeuger Württembergs. Im vergangenen Jahr hat sie in ihre Keller nahe der Autobahn..81 mehr als 24 Millionen Liter Wein eingelagert. Das ist der höchste Wert der vergangenen fünf Jahre. Aber nicht nur das. „Die Weingärtner sind 2018 mit einer quantitativ und qualitativ herausragenden Ernte für ihre Arbeit belohnt worden“, sagte der WZG-Vorstandsvorsitzende Dieter Weidmann auf der Bilanzpressekonferenz Ende Mai.

In diesem Jahr würde sich Weidmann nach eigenen Angaben bereits mit einer normalen Ernte zufriedengeben. Noch immer hat er das Katastrophenjahr 2017 im Kopf, das mit einer historisch niedrigen Ausbeute abschloss. Er macht daher deutlich: „Wir sind auf eine gute Herbstkampagne angewiesen.“

Tatsächlich stehen die Möglinger Weingenossen unter Druck. „Die Perspektiven sind nicht rosig“, sagt Weidmann. Der Weinkonsum der Verbraucher zeigt nach unten, die großen Supermarktketten, die zu den wichtigsten Abnehmern gehören, drücken offenbar die Preise. Aus Politik und Gesellschaft braucht die WZG keine allzu große Hilfe erwarten. „Alkohol steht in der Kritik“, hat Weidmann ausgemacht.

Trotzdem ist es den württembergischen Weingärtnern gelungen, den Umsatz um ein paar Prozentpunkte auf mehr als 80 Millionen Euro zu steigern. Auch der Gewinn kletterte im vergangenen Jahr auf fast 400.000 Euro. „In den ersten vier Monaten des laufenden Jahres liegen Absatz und Umsatz leicht über den starken Vorjahreswerten“, so der Finanzvorstand Wolfgang Ziegelbauer.

Was bleibt, ist der Blick auf das Wetter, das in den vergangenen Jahren gerne verrücktgespielt hat. Dass der Frühlingsstart im April fulminant verlief und die Temperaturen im Mai in den Keller rutschten, stört den WZG-Chefönologen Bernhard Idler nicht. „Die Grundwasserspeicher sind gefüllt“, sagt er. „Das Frühjahr bot insgesamt gute Startbedingungen für die Rebenentwicklung.“ Was sich die Wengerter nun wünschen: Sonne satt und wenig Regen. Schließlich ist es wie beim Fußball. Wer in der 70. Minute führt, hat das Spiel noch nicht gewonnen. Der Chefönologe Idler: „Es kann noch viel passieren.“

Flaschenreinigung steigert Umsätze

Knapp 40 Millionen Weinflaschen spülen und sortieren die WZG und ihre Tochter, die Weingärtner Servicegesellschaft (WSG), jedes Jahr in Möglingen. Unter dem Dach der WSG haben die württembergischen Weingenossen unter anderem die Geschäftsfelder Flaschenreinigung, Neuglashandel, Verwaltung und EDV zusammengeschlossen.

Ihr Umsatz lag 2018 bei rund 13,9 Millionen Euro, was ein Plus von 14 Prozent bedeutet. „Das positive Ergebnis wird maßgeblich durch das Kerngeschäft Flaschenreinigung und -sortierung erwirtschaftet“, sagte der Finanzchef Wolfgang Ziegelbauer auf der Bilanzpressekonferenz. Allerdings erwartet die WZG in diesem Jahr einen leichten Rückgang der Spülmengen.

Sorgen bereitet den württembergischen Weinexperten die deutliche Zunahme von Fehlflaschen im Leergut. „Das hat die Ausschussquote bedauerlicherweise weiter nach oben getrieben“, so Ziegelbauer. Das hat auch Auswirkungen auf das WSG-Bilanzergebnis, das sich auf rund 300.000 Euro signifikant gegenüber dem Vorjahr reduziert. Als Grund nennt der Finanzvorstand „ausschließlich die höhere Ausschussquote“. (phs)

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