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Gericht

Nach Todesfahrt zwischen Möglingen und Schwieberdingen: Fahrer kassiert Bewährung

Wegen fahrlässiger Tötung musste sich am Montag ein 46 Jahre alter Mann vor dem Ludwigsburger Amtsgericht verantworten. Vor einem Jahr hatte er auf der Landstraße bei Möglingen einen Frontalunfall verursacht. Obwohl bei der Kollision ein Mann starb, kam der Angeklagte mit einer Bewährungsstrafe davon.

Folgenschwerer Unfall auf der Straße zwischen Möglingen und Schwieberdingen im Juni 2021: Bei dem Zusammenstoß erleidet ein Opel-Fahrer einen Genickbruch und stirbt noch an Ort und Stelle. Archivfoto: KS-Images.de/Andreas Rometsch/LKZ.
Folgenschwerer Unfall auf der Straße zwischen Möglingen und Schwieberdingen im Juni 2021: Bei dem Zusammenstoß erleidet ein Opel-Fahrer einen Genickbruch und stirbt noch an Ort und Stelle. Archivfoto: KS-Images.de/Andreas Rometsch/LKZ.

Möglingen/Ludwigsburg. Der Angeklagte war Mitte Juni 2021 mit seiner Lebensgefährtin in seinem BMW auf der Landesstraße bei Möglingen in Richtung Schwieberdingen unterwegs, als er hinter der Ampel an der Abbiegung nach Stuttgart-Stammheim auf die Gegenspur geriet. Ein entgegenkommender Motorradfahrer konnte gerade noch ausweichen, aber mit einem hinter dem Motorrad fahrenden Opel stieß der 46-Jährige frontal zusammen.

An dieser Stelle ist eine Höchstgeschwindigkeit von 70Stundenkilometern erlaubt, nach Einschätzung eines Gutachters brachte es der Angeklagte auf 95 bis 110 Sachen. Der Opel-Fahrer erlitt einen Genickbruch und starb noch an der Unfallstelle, seine Beifahrerin wurde schwer verletzt. Die Lebensgefährtin des 46-Jährigen brach sich das Schlüsselbein, der Unfallverursacher selbst zog sich nur leichte Blessuren zu.

Der Angeklagte ist gerade aus Mallorca zurück

Vor Gericht zeigte sich der heute im Rems-Murr-Kreis lebende Angeklagte kooperativ und räumte den ihm zur Last gelegten Sachverhalt ein. Er sei an diesem Tag mit seiner Lebensgefährtin von einem Urlaub auf Mallorca nach Deutschland zurückgeflogen, erzählte er der Richterin. Im Flugzeug habe er geschlafen und sich einige Stunden später am Steuer fit gefühlt. Am Nachmittag hätten die beiden ein Möbelhaus in Bietigheim besucht. Am Abend sei ein gemeinsamer Restaurantbesuch in Schwieberdingen geplant gewesen, wo er damals nach der Trennung seiner Frau wohnte.

Wie es zu dem Unfall kam, blieb während der fast dreistündigen Verhandlung im Dunkeln. Der Angeklagte konnte sich nicht mehr daran erinnern, warum er kurz vor dem Unfall nicht der leichten Rechtskurve an dieser Stelle gefolgt war und sein Fahrzeug stattdessen geradeaus auf die Gegenfahrbahn gelenkt hatte. „Ich bin kein Raser“, beteuerte er. „Eigentlich bin ich ein ziemlich langweiliger Autofahrer.“

Alkohol und Drogen sind nicht mit im Spiel

Dafür spricht, dass sich in seiner Verkehrsakte aktuell lediglich ein Bußgeld in Höhe von 70 Euro wegen zu schnellen Fahrens findet, obwohl der Mann beruflich nach eigener Aussage jährlich etwa 45000 Kilometer im Auto zurücklegt. Er sei ein sicherer Fahrer, so seine Lebensgefährtin. Sie vertraue ihm komplett.

Auch der Motorradfahrer, die vor dem Unfall hinter dem BMW fahrende Frau und ein ehemaliger Polizist, der sich während der Kollision auf seinem Gartengrundstück neben der Unfallstelle mit einem Nachbarn unterhalten hatte, konnten nichts zur Aufklärung beitragen. Er habe nicht den Eindruck gehabt, dass der BMW deutlich zu schnell gefahren sei, sagte der Motorradfahrer – ein Widerspruch zur Einschätzung des Gutachters.

Der Verursacher leidet unter Schlafstörungen

Zudem stand der eher unauffällig wirkende 46-Jährige nicht unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen, wie Analysen im Krankenhaus ergeben hatten. In seinem Blut wurden laut der Richterin lediglich Rückstände des Beruhigungsmittels Diazepam gefunden, allerdings nicht in einer Konzentration, die das Fahrvermögen negativ hätte beeinflussen können.

Es tue ihm „unfassbar leid“, dass bei dem Zusammenstoß ein Familienvater sein Leben verloren habe. Der Unfall sei ihm nicht mehr aus dem Kopf gegangen, er habe lange an Schlaflosigkeit gelitten. Auch beruflich habe er Probleme bekommen, seine Tätigkeit als Selbstständiger einstellen müssen. Seine Einkünfte seien komplett eingebrochen. Mittlerweile könne er wieder arbeiten und verdiene etwa 4000 Euro netto im Monat.

Der Staatsanwalt forderte eine Haftstrafe von sechs Monaten, zudem eine Geldstrafe von 2000 Euro und ein Fahrverbot. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass der Unfall durch ein Überholmanöver oder Übermüdung verursacht wurde. Zudem sei der Angeklagte „sozial integriert“, die Haftstrafe könne zur Bewährung ausgesetzt werden.

Dem folgte die Richterin am Montag – sie verurteilte den 46-jährigen Angeklagten zu einer sechsmonatigen Haftstrafe, die sie zur Bewährung aussetzte. Zudem muss der Mann einen Monat auf seinen Führerschein verzichten und 2000 Euro an den Kinderschutzbund zahlen.

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