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Pandemie
Nachfrage nach Reisen stark gestiegen

Reisen ist nicht leicht, aber leichter geworden, seit immer mehr Menschen geimpft, getestet oder genesen und Bestimmungen gelockert worden sind. Nicole Anikejenko, Mitarbeiterin im Ludwigsburger Reisebüro Feyhl, berät an diesem Freitag einen Kunden.
Reisen ist nicht leicht, aber leichter geworden, seit immer mehr Menschen geimpft, getestet oder genesen und Bestimmungen gelockert worden sind. Nicole Anikejenko, Mitarbeiterin im Ludwigsburger Reisebüro Feyhl, berät an diesem Freitag einen Kunden.
Umfrage unter drei Fachleuten im Kreis Ludwigsburg vor den Pfingstferien: Buchungen vor allem für Balearen, Kanaren und Griechenland

Ludwigsburg/Steinheim. „Endlich wieder raus“ – diesen Satz höre sie derzeit von vielen ihrer Kunden, erzählt Beate Mannsperger. „Die Freude auf eine Auszeit am Meer stimmt optimistisch“, sagt die Inhaberin des Tui-Reisecenters in Ludwigsburg, „wir freuen uns sehr, endlich wieder mit unseren Gästen positiv in die Zukunft schauen zu dürfen.“

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„Wir freuen uns sehr, endlich wieder mit unseren Gästen positiv in die Zukunft schauen zu dürfen.“

Beate Mannsperger
Tui-Reisecenter Ludwigsburg

Dank sinkender Infektionszahlen und gelockerter Bestimmungen sei die Nachfrage nach Reisen in diesem Monat „stark angestiegen“. Die meisten Kunden buchten innerhalb Europas, „die Balearen sind stark gefragt und nun auch wieder die Kanaren, die seit Montag kein Risikogebiet mehr sind“. Auch sei die Quarantänepflicht für Risikogebiete aufgehoben worden, „das erleichtert viel“, sagt Mannsperger. Diese Pflicht gebe es nur noch nach Reisen, die in Hochinzidenzregionen und Mutationsgebiete geführt haben. „Im Moment ist für die Einreise in fast alle Regionen vor Abflug ein PCR-Test notwendig“, erklärte die Expertin diese Woche. „Die jeweiligen Informationen erhalten die Gäste von uns, auch Tipps für PCR-Tests, wir unterstützen auch bei Einreiseanmeldungen und vielem mehr.“ Auf eine Servicegebühr, wie sie manche Reisebüros jetzt verlangen, „verzichten wir im Moment noch“, sagt Mannsperger. Zwar sei der Beratungsaufwand in Coronazeiten „extrem hoch“, die Bestimmungen seien je nach Land unterschiedlich. Doch „die Wertschätzung unserer Zeit in Form einer Buchung ersetzt die Servicegebühr. Allerdings nur dann, wenn der Kunde, der beraten wurde, auch in unserem Büro bucht“.

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„Wenn es gut läuft, können wir unser Steinheimer Büro Anfang Juni wieder öffnen.“

Peter Rode
Reisebüro-Inhaber

Aufwand in Coronazeiten „viel größer“

Auch Anette und Jürgen Feyhl verlangen derzeit keine Beratungsgebühr. „Wir haben eine gute Buchungsquote“, begründet das Jürgen Feyhl, der zusammen mit seiner Schwester Büros in Ludwigsburg und Marbach mit insgesamt 18 Mitarbeitern betreibt. Auch Feyhl betont, dass der Aufwand für Reisebüros in Coronazeiten „viel größer“ als normal ist: Jeder einzelne Vorgang für jeden Fall müsse mehrmals bearbeitet und geprüft werden, die Lage und Bestimmungen könnten schon am nächsten Tag anders sein.

Die Feyhls holen jetzt, früher als geplant, Angestellte aus der Kurzarbeit zurück, weil die Nachfrage nach Reisen seit etwa zwei Wochen hoch sei. Stark nachgefragt seien die Ziele, in die derzeit vergleichsweise einfach gereist werden könne – die Balearen, Griechenland, die Kanaren, Malta, gefolgt von der Türkei, der Dominikanischen Republik, auch Österreich. „Die Nachfrage steigt“, sagt Feyhl und rät, rechtzeitig zu buchen, „weil die Preise irgendwann wieder anziehen werden“.

Wichtig sei, dass Reisende sich tagesaktuell im Internet bei Auswärtigem Amt und Robert-Koch-Institut über länderspezifische Bestimmungen informierten – das betonen sowohl Jürgen Feyhl als auch Peter Rode, der Reisebüros in Steinheim und Beilstein mit insgesamt zwölf Mitarbeitern betreibt. „Wenn es gut läuft, können wir unser Steinheimer Büro Anfang Juni wieder öffnen“, sagt Rode, bei dem jetzt, auch über Telefon und Internet, vor allem Mallorca, die Kanaren, Griechenland und auf der Fernstrecke besonders die Malediven gebucht werden. Für die Jahre 2022 und 2023 seien große und exklusive Kreuzfahrten „viel besser nachgefragt als Klassiker wie Aida und Mein Schiff“. Auch Flusskreuzfahrten hätten „guten Zuspruch“, während das Geschäft mit Studienreisen „leider am Boden liegt“. Rode sagt, dass auch die Kosten für PCR-Tests in Höhe von bis zu 170 Euro pro Person vom Reisen abhielten. Er erzählt von Malediven-Urlaubern, einem Ehepaar, das für Hin- und Rückflug insgesamt mehrere Hundert Euro für die Coronatests berappen habe müssen.

Rode hatte im Februar 40-jähriges Firmenjubiläum, feiern konnte er das nicht. Im Gegenteil, seine Lage war prekär: „Uns gibt es nur noch dank Staatshilfe.“ Gleichzeitig sei der Arbeitsaufwand für Reisebüros in der Coronazeit enorm gestiegen. Deshalb hat Rode vor etwa zehn Tagen für Flugbuchungen und Angebotserstellung eine Beratungsgebühr eingeführt, 25 Euro, fast alle Kunden, die sich dazu äußerten, hatten Verständnis dafür. „Wir sind froh, dass ihr da seid, sonst ginge alles über Internet“ – das habe er öfter gehört, erzählt Rode, der betont: „Gute Beratung kostet Geld.“

In vielen Ländern ist die Einreise möglich, ohne in Quarantäne zu müssen. In Griechenland etwa muss lediglich eine abgeschlossene Impfung oder ein höchstens 72 Stunden alter PCR-Test vorgewiesen werden. Für die Einreise nach Österreich entfällt für die Deutschen seit Mittwoch die Quarantänepflicht, allerdings muss zumindest ein Test mit negativem Ergebnis gemacht worden sein. Auch in Italien besteht keine Pflicht zur Isolation mehr – die Behörden verlangen aber weiterhin ein negatives Corona-Testergebnis bei der Ankunft.