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Energieversorgung

Nahwärme im Löscher hat viel Potenzial

Die Pläne für ein integriertes Quartierskonzept im Löscher wurden bereits 2014 unter dem damaligen Bürgermeister Eberhard Weigele angestoßen. Ein Gutachten ergab, dass sich der von Hochhausbauten geprägte Ortsteil für den Aufbau eines Nahwärmenetzes geradezu anbietet. Jetzt ist die neue Heizzentrale in Betrieb gegangen.

Bei der Inbetriebnahme der neuen Heizzentrale im Unholder Weg: Ulrich Ramsaier, Werner Brosi, Wolfgang Schuler, Frank Lausterer und Jürgen Gölz (von links) vor dem Erdgasmotor mit 2500 PS. Foto: Holm Wolschendorf
Bei der Inbetriebnahme der neuen Heizzentrale im Unholder Weg: Ulrich Ramsaier, Werner Brosi, Wolfgang Schuler, Frank Lausterer und Jürgen Gölz (von links) vor dem Erdgasmotor mit 2500 PS. Foto: Holm Wolschendorf

Möglingen. Unter Weigeles Nachfolgerin Rebecca Schwaderer wurde die Planung weiter vorangetrieben. Mit der in Bietigheim-Bissingen ansässigen Bürger Energie Neckar Enz (B.E.N.E.) fand die Kommune einen Partner, der über Erfahrung im Aufbau und Betrieb von Nahwärmenetzen in der Region verfügt. Unter anderem betreibt die B.E.N.E. ein vergleichbares Netz im Vaihinger Stadtteil Gündelbach und ist auch für die derzeit im Ausbau befindliche Nahwärmeversorgung in Freudental verantwortlich sein.

„Die grundsätzliche Überlegung war, wie sich Klimaschutz und CO-senkende Maßnahmen im Löscher umsetzen lassen“, sagte Ulrich Ramsaier, Geschäftsführer der B.E.N.E., als am Donnerstagvormittag die neue Heizzentrale im Unholder Weg in Betrieb genommen wurde. Ein Blockheizkraftwerk (BHKW) mit einer Leistung von 990 Kilowatt produziert Strom, der ins Netz eingespeist wird. Das erhitzte Kühlwasser wird über eine Wärmepumpe in das zweieinhalb Kilometer lange Nahwärmenetz geleitet.

Das BHKW läuft immer, wenn der Stromverbrauch hoch ist und der Bedarf nicht über Wind- oder Sonnenenergie gedeckt werden kann. Warmes Wasser steht auch zur Verfügung, wenn die Stromerzeugung abgeschaltet ist. Denn im Betriebsgebäude befindet sich ein Pufferspeicher mit einem Volumen von 750 Kubikmetern, in dem das Warmwasser „geparkt“ werden kann, wie es Ramsaier formuliert.

Der 20-Zylinder-Motor mit einer vergleichbaren Leistung von 2500 PS wird mit Erdgas betrieben. Eine fossile Energie, die im Vergleich mit der früheren Wärmeversorgung im Löscher aber wesentlich umweltfreundlicher ist. Viele Bewohner hatten Ölheizungen, die nach dem Anschluss an das Nahwärmenetz nicht mehr benötigt werden. So können laut Ramsaier 65 Prozent CO eingespart werden, das entspricht jährlich 700 Tonnen.

Bislang sind rund 400 Wohnungen angeschlossen. Der B.E.N.E.-Geschäftsführer geht davon aus, dass sich in Zukunft noch viele Kunden zu diesem Schritt entscheiden. Die Vorteile liegen auf der Hand. So wird es beispielsweise überflüssig, in regelmäßigen Abständen einen Heizkessel in den eigenen vier Wänden einzubauen. „In der Wohnung befindet sich nur noch ein zwei Meter breites und ein Meter tiefes Technikgerüst“, so Ramsaier.

Das Kraftwerk im Unholder Weg ist vernetzt und wird von der B.E.N.E. rund um die Uhr überwacht. „Durch die Fernüberwachung können wir jederzeit optimieren, Temperatur oder Regler anpassen“, sagt Ramsaier. Und auch preislich sei die Nahwärme attraktiv, denn mit der CO-Besteuerung werde Heizöl tendenziell immer teurer.

Drei kommunale Objekte hängen am Netz: die Löscherschule, das neue Kinderhaus in der Silcherstraße und ein Mehrfamilienhaus, das sich im Eigentum der Gemeinde befindet. Ramsaier hofft, dass sich in Zukuft auch Gewerbebetriebe im Umfeld des Unholder Wegs für die Nahwärme entscheiden. Mit der neuen Holzmanufaktur in der Dieselstraße steht ein erster Kunde bereits fest. Es sei auch möglich, das etwa anderthalb Kilometer vom Betriebsgebäude entfernte Friedrich-List-Gymnasium in Asperg anzuschließen, sagt der B.E.N.E.-Geschäftsführer.

In einem nächsten Schritt will das Unternehmen Nahwärme für 400 weitere Wohnungen im Löscher anbieten. Auf jeden Fall verfügt das neue Nahwärmenetz über Wachstumspotenzial, in der Heizzentrale ist genug Platz für eine weitere Wärmepumpe vorhanden. Wenn es die Umstände zulassen, können sich Besucher am 18. und 19. September vor Ort bei einem Tag der offenen Tür über die Technik informieren.

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