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Interview

Neckar könnte mehr eingebunden werden

Mit Hilfe eines Tourismuskonzeptes und der Unterstützung von 3B-Tourismus und dem Kraichgau-Stromberg Tourismus möchte Gemmrigheim Gäste in die Gemeinde locken. Im Gespräch erklärt Bürgermeister Dr. Jörg Frauhammer, was an seiner Kommune so reizvoll ist.

In die Landschaft geschmiegt und von Weinbergen umgeben: Besigheim (vorne), Walheim, Gemmrigheim und Kirchheim (links oben)profitieren von ihrer Lage am Neckar. Was den Tourismus anbelangt, ist an der ein oder anderen Stelle aber noch Luft nach oben.
In die Landschaft geschmiegt und von Weinbergen umgeben: Besigheim (vorne), Walheim, Gemmrigheim und Kirchheim (links oben)profitieren von ihrer Lage am Neckar. Was den Tourismus anbelangt, ist an der ein oder anderen Stelle aber noch Luft nach oben. Foto: Alfred Drossel

Gemmrigheim. Was hat Gemmrigheim zu bieten? JÖRG FRAUHAMMER: Die Gemeinde hat nach meinem Dafürhalten viel zu bieten, was sich zu zeigen lohnt. Der Weinbau, die Steillagen oder die Trockenmauern und auch, was die Gemmrigheimer Vereine und Organisationen auf die Beine stellen. Das sind ein paar Beispiele. Auch die Kartoffel ist durchaus etwas Besonderes für und in Gemmrigheim. Wir stellen fest, das kommt bei Gästen an. Warum also nicht versuchen, Gäste gezielt nach Gemmrigheim zu holen, um das zu zeigen? Das ist doch zu einem guten Teil das, was man unter Tourismus versteht. Zu zeigen, was wir haben, können wir uns ganz selbstbewusst trauen. Und das nützt dem Ort in vielerlei Hinsicht.

Wie wichtig sind Tourismuskonzepte für eine Gemeinde wie Gemmrigheim?

Tourismus im weitesten Sinne ist für mich aus ganz verschiedenen Blickwinkeln interessant. Auch, wenn man als Einheimischer in vielerlei Hinsicht betriebsblind ist, stellt man immer wieder fest, welch schöne Ecken und Winkel es in Gemmrigheim gibt. Das ist uns auch im Zusammenhang mit unseren Neubürgerrundgängen im vergangenen Jahr aufgefallen, wo einiges Überraschendes zum Vorschein gekommen ist. Geht man gezielt auf die Suche und beschäftigt man sich etwas bewusster mit dem einen oder anderen Gebäude, Platz oder der einen oder anderen Gegebenheit, erkennt man erst, wie schön und interessant es doch hier und da im und um den Ort herum ist. Ein Beispiel ist sicherlich die schöne Turmkapelle im Kirchturm der Johanneskirche, welche sogar viele Einwohner Gemmrigheims nicht kennen.

Was soll das Konzept bringen?

Vielleicht lassen die Gäste den einen oder anderen Euro da. Das wäre gut so. Genauso wichtig ist aber auch die Wertschätzung, die zum Ausdruck kommt, wenn der Gast am Ende geht und es ihm hier gefallen hat. Das ist schön und belohnt diejenigen, die sich dafür Mühe gegeben haben. Das stärkt den Ort und die Gemeinschaft, fördert das Zusammenleben, stärkt die Infrastruktur und nutzt so mit all dem uns allen. Gemmrigheim ist eine Weinbaugemeinde. Der Weinbau prägt unseren Ort. In vielen Regionen, wo der Weinbau auch eine große Rolle spielt, ist dieser sehr stark mit dem Tourismus verbunden – zwei Bereiche, die sich sehr gut befruchten können. Das ist bei uns noch nicht so ausgeprägt. Wir wollen mit dem, was wir unter Tourismus verstehen, mithelfen, den Weinbau in unserer Region selbstbewusster zu machen und zu stärken. Es könnten schöne Aktionen wie „Mit dem Wengerter in den Weinberg“ entstehen.

Was erhoffen Sie sich für Gemmrigheim?

Wir wollen den Steillagenwanderweg angehen. Der soll helfen, die Steillagen und den Steillagenweinbau herauszustellen und zu unterstützen. Der Neckar fließt derzeit an Gemmrigheim „nur vorbei“. Den wollen wir wieder mehr in den Ort integrieren. Hier gibt es viele Ideen von Bürgern, die gerne mehr am und auch auf dem Neckar aktiv wären. Ich könnte mir gut vorstellen, dass in Gemmrigheim mal wieder ein Schiff anlegt, mit dem man auf dem Neckar fahren kann. Solcherlei Aktivitäten gehen natürlich nur gemeinsam mit den anderen Kommunen. Wohnmobilstellplätze sind Mangelware. Warum nicht hier einen Beitrag leisten?

Nutzt der Tourismus auch den Gemmrigheimern?

Unbedingt. Wenn wir uns Aktionen rund um den Wein oder die Kartoffel überlegen, die für Touristen interessant sind, sind sie das doch auch für die Bürger hier. Ich habe vor dem coronabedingten Lockdown an zwei „Kartoffelproben“ teilgenommen, die zwei Gemmrigheimer Landfrauen organisiert hatten. Das Publikum war begeistert. Und das waren fast nur Gemmrigheimerinnen und Gemmrigheimer. Und auch unsere „Leistungsträger“ im Bereich Nahrung und Kulinarik brauchen sich nicht zu verstecken. Da gäbe es vieles, was man zeigen kann – „Genussgemeinde Gemmrigheim“ wäre ein Schlagwort. Gerade unter dem Dach Tourismus können unsere Vereine und Leistungsträger zum Wohle aller sehr gut zusammenarbeiten.

Hat Corona erst einmal alles ausgebremst?

Ja, Corona hat gebremst, weil keine Treffen möglich waren und Veranstaltungen wie das Bürgermeisterwandern abgesagt werden mussten. Der Tourismus-Arbeitskreis war zwar schon erfolgreich, trifft sich nun wieder am 27. Oktober. Dann soll die Umfrage zum Tourismus in Gemmrigheim ausgewertet werden.

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