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Elektromobilität

Neue Chancen durch neue Antriebe

Wie sich Unternehmen im Kreis Ludwigsburg dem Wandel in der Automobilbranche stellen – Gewerkschaft: Mischen uns ein

Laut einer aktuellen Studie fallen im Südwesten umso mehr Jobs weg, je schneller Elektroautos Erfolg haben.Foto: Christophe Gateau/dpa
Laut einer aktuellen Studie fallen im Südwesten umso mehr Jobs weg, je schneller Elektroautos Erfolg haben. Foto: Christophe Gateau/dpa
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Kreis Ludwigsburg.. Weg vom Verbrennungsmotor, hin zur Elektromobilität – die Automobilbranche wandelt sich. Davon könnten Hersteller und Zulieferer betroffen sein – die Sorge vor dem Verlust von Arbeitsplätzen geht um. Unternehmen im Landkreis Ludwigsburg nehmen auf Nachfrage Stellung zu dem Thema.

„Wir haben uns auf den Wandel beizeiten vorbereitet und profitieren jetzt von steigenden Anfragen“, teilt Andreas Möller, Sprecher von Trumpf in Ditzingen, mit – das Technologieunternehmen arbeitet unter anderem mit Autoherstellern und Zulieferern zusammen. „Elektromobilität bietet für uns große Chancen, von der Batterieproduktion bis zum Aufbau kompletter Produktionsanlagen“, sagt Möller. Für Trumpf entstünden Partnerschaften mit neuen Kunden – wie Batterieproduzenten oder Herstellern von Elektromotoren.

Von einem Systemwechsel in der Automobilindustrie „wäre Trumpf nicht unmittelbar betroffen“, so Möller. „Wir würden negative Auswirkungen allerdings über Kunden und Geschäftspartner zu spüren bekommen, sollten Arbeitsplätze im großen Stil verloren gehen.“ Sehr wichtig sei, dass die „beschäftigungsintensiven Wertschöpfungsketten gerade in Baden-Württemberg“ intakt blieben, betont Möller. „Unsere Laser werden in Zukunft sowohl für konventionelle Antriebe gebraucht als auch für alternative Mobilitätsformen.“

Durch Elektromobilität und Digitalisierung „stehen wir vor besonderen Herausforderungen“, sagt Matthias Fuchs, Geschäftsführer der IG Metall Ludwigsburg. Die Gewerkschaft werde sich gemeinsam mit Betriebsräten, Vertrauensleuten und Beschäftigten in den Veränderungsprozess einmischen: „Dass wir um die Produkte und Arbeitsplätze der Zukunft kämpfen müssen, ist sicher.“ Fuchs: „Ob und wie viele Arbeitsplätze wegfallen werden, kann ich nicht abschätzen.“ Der Ausbau der Elektromobilität werde im Kreis Ludwigsburg unterschiedliche Auswirkungen haben: „Je näher die Produkte am Antriebsstrang beziehungsweise Motor liegen, umso größer werden die Einflüsse sein.“

Sinikka Kenklies, eine Sprecherin des Ludwigsburger Filtrationsspezialisten Mann+Hummel, teilt mit: „Ob Verbrennungsmotor oder elektrisch betriebenes Fahrzeug: Jede Antriebstechnologie benötigt Filtration. Wir sehen die Elektromobilität daher als Chance, unsere Kompetenzen (...) auf neue Anwendungsfelder zu übertragen.“ Mann+Hummel besitze bereits ein „breites Produktportfolio für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben“ – etwa Lösungen zum Schutz von Batteriesystemen und Brennstoffzellen, Getriebeölfilter für E-Achsen sowie energiesparende Innenraumfiltersysteme. „In unserer fast 80-jährigen Unternehmensgeschichte haben wir immer wieder wieder erfolgreich auf veränderte Marktsituationen reagiert“, sagt Kenklies. „Wir sind es daher gewohnt, uns flexibel an die Rahmenbedingungen anzupassen.“

Eine Chance für die Automobilzulieferer sieht auch Jörn Ebberg von Bosch. Das Unternehmen will laut Ebberg „Marktführer im ab 2020 entstehenden Massenmarkt für Elektromobilität werden“. Damit das gelingt, habe man im vergangenen Jahr bereits rund 400 Millionen Euro in emissionsfreie Mobilität investiert.

Dennoch kündigt das Unternehmen an: „Das heutige Beschäftigungsniveau bei den konventionellen Antrieben wird sinken.“ Das liege daran, dass die Wertschöpfungstiefe eines Elektromotors nur etwa ein Zehntel derer eines Verbrennungsmotors beträgt. Daher bietet man bei Bosch „umfassende Qualifizierungsprogramme für Mitarbeiter an“, so Ebberg. Ziel sei, die Mitarbeiter so auf neue Stellen in der Elektromobilität oder der Softwareentwicklung vorzubereiten.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart veröffentlichte im vergangenen Jahr die Studie „Zulieferer vor der Zerreißprobe“. Ein Ergebnis der Umfrage unter Produzenten: Die Branche versuche, sich den veränderten Bedingungen mit drei Ansätzen zu stellen – Kosten senken, Leistungen verbessern oder neue Leistungsangebote schaffen.

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