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Neue Herausforderungen warten

„Die Städte und Gemeinden des Landkreises sind auf einem guten Weg, dürfen aber in ihren Anstrengungen bei der Kinderbetreuung nicht nachlassen“, meint Anja Beckmann. Das größte Problem sieht die Fachbereichsleiterin für Kinder, Jugend und Familie im Landratsamt auch künftig im akuten Fachkräftemangel.

Die Zahl der Kinder im Landkreis ist auf dem höchsten Stand seit 2005. Weil viele Eltern ihre Kinder schon mit ein oder zwei Jahren in eine Krippe geben möchten, fehlen für die unter Dreijährigen weiter Betreuungsplätze. Archivfoto: Caroline Seidel/d
Die Zahl der Kinder im Landkreis ist auf dem höchsten Stand seit 2005. Weil viele Eltern ihre Kinder schon mit ein oder zwei Jahren in eine Krippe geben möchten, fehlen für die unter Dreijährigen weiter Betreuungsplätze. Foto: Caroline Seidel/dpa

kreis ludwigsburg. Nach erfolgreicher Aufholjagd beim Ausbau der Betreuungsplätze steht den Kommunen eine neue Herausforderung ins Haus: Der Stichtag für die Schulpflicht wird in den kommenden drei Jahren um jeweils einen Monat vorverlegt. Am Ende zählt der sechste Geburtstag dann bis zum 30. Juni und nicht wie bisher zum 30. September. Alle später Geborenen können dann auch bis zu einem Jahr länger im Kindergarten bleiben, wenn die Eltern keine vorzeitige Einschulung beantragen. Das könnte zu gravierenden Engpässen führen, fürchtet Beckmann, da etwa ein Viertel eines Jahrgangs betroffen sei. Es fehle dafür an Räumlichkeiten und Personal, und das zusätzlich zu den ohnehin steigenden Kinderzahlen.

„Diese Änderung durch den Landtag ist für die Kommunen in seinen Konsequenzen fatal“, klagt der Bürgermeister von Besigheim, Steffen Bühler, im Jugendhilfeausschuss des Kreistags. Das bedeute, dass erneut tausende Plätze fehlten.

Die Prognose zum Platzbedarf stimme nicht mit der „Geburtenrate der deutschen Frau“ überein, behauptet die AfD-Kreisrätin Beate Baier. Sie will wissen, wie viele Flüchtlingskinder in den Kindergärten seien. Von denen sei abzusehen, da sie ohnehin „zurückgeführt“ werden müssten. Beckmann erwidert sachlich: Jedes Kind habe Anspruch auf Betreuung, auch Kinder aus Nationen, für die kein Asyl beantragt wurde. Man brauche Zuwanderung und freue sich außerdem über jedes Kind, das hier geboren werde.

Die Zahl der Kinder ist im Landkreis im vergangenen Jahr erneut gestiegen und befindet sich damit auf dem höchsten Stand seit 2005. Ende 2018 waren 74 307 Kinder gemeldet, vom Neugeborenen bis zum 14-Jährigen. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein weiterer Zuwachs um 588 Kinder, berichtet Beckmann den Kreisräten im Ausschuss. Mehr als 17 000 sind Kleinkinder unter drei Jahren, knapp 19 000 sind zwischen drei und sechseinhalb Jahre alt und rund 38 500 sind Schüler bis 14 Jahre. Der Grund des Zuwachses liegt nicht alleine in höheren Geburtenraten, sondern insbesondere auch am Zuzug junger Familien.

Für rund ein Drittel der unter Dreijährigen standen Kitaplätze zur Verfügung: 5480, ein Plus von 234. Davon sind 1020 Kinder in der Obhut von 351 Tagesmüttern und -vätern. Die Anzahl der freien Plätze nahm aber von 96 auf 74 ab „Hier wird der Puffer immer geringer“, sagt Beckmann.

Insgesamt entspricht das einem durchschnittlichen Versorgungsgrad von 32 Prozent. Der beständige Anstieg der Kinderzahlen sei eine große Herausforderung für die Kommunen. Erligheim, Murr und Oberriexingen sind die Spitzenreiter mit einem Versorgungsgrad von rund 50 Prozent. Die rote Laterne hat Walheim mit nur 21 Prozent. Gerade bei den unter Einjährigen seien alle Kapazitäten so gut wie erschöpft, heißt es im Bericht.

Im Landkreis Ludwigsburg gibt es für 32,1 Prozent der unter Dreijährigen Betreuungsplätze. „Dies ist das Ergebnis der gewaltigen Anstrengungen in den Städten und Gemeinden und der Förderung der Kindertagespflege gemeinsam mit dem Landkreis“, betont Beckmann. Aufgrund der steigenden Kinderzahlen und der steigenden Betreuungswünsche von Eltern sinke diese Quote seit 2017 wieder leicht. Der Landkreis Ludwigsburg liege aber immer noch über dem Landesdurchschnitt.

Aber: Immer mehr Eltern wünschen sich eine Betreuung ihres Kindes vor dessen dritten Geburtstag und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Eine Studie besage, dass mit jedem weiteren Lebensjahr des Kindes der Betreuungsbedarf steige. Mehr als die Hälfte der Mamas und Papas möchten schon Einjährige in eine Krippe geben, bei Zweijährigen sind es schon drei Viertel.

Die Betreuungsplätze bis zur Einschulung wurden im Vergleich zum Vorjahr um 647 auf 19 426 aufgestockt. Hier wurde die Ausbauquote des letzten Jahres von 468 Plätzen weit übertroffen. Trotz steigender Kinderzahlen war es dadurch möglich, den Versorgungsgrad auf 103 Prozent leicht zu steigern. Rechnerisch gibt es damit für jedes Kind einen Platz im Kindergarten. Allerdings ist die Streuung der Versorgungsquoten im Bereich der Drei- bis Sechseinhalbjährigen in den 39 Kreiskommunen gravierend. Während Freudental und Großbottwar auf rund 125 Prozent kommen, erreicht Gemmrigheim nur knapp 70 Prozent.

In der Altersgruppe der Sechseinhalb- bis 14-Jährigen blieb die Kinderzahl mit 38.445 nahezu gleich. In der Schulkindbetreuung ist ein deutlicher Ausbau der Plätze erfolgt und es wurde laut Beckmann eine deutliche Verbesserung der Versorgungsquote von 39 auf 41 Prozent erreicht. Aber auch hier wird über kurz oder lang der Babyboom zu spüren sein.

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