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Liebesgeschichte

Neue Serie über Liebesgeschichten in Stadt und Kreis Ludwigsburg: „Wir haben immer wieder gekämpft“

Ob sie an Ihrem Arbeitsplatz auch mal Hunger bekomme, war die erste Frage, die Bernd Silberhorn Angelika stellte. „Dieses Jahr nicht mehr, aber vielleicht nächstes Jahr“, antwortete die ganz keck. Zum Glück für ihn war „nächstes Jahr“ schon drei Tage später. Heute sind sie seit 42 Jahren verheiratet und erzählen uns ihre Liebesgeschichte.

Bernd und Angelika Silberhorn sind seit 42 Jahren verheiratet, kennengelernt haben sie sich bei der Arbeit. Foto: Alfred Drossel
Bernd und Angelika Silberhorn sind seit 42 Jahren verheiratet, kennengelernt haben sie sich bei der Arbeit. Foto: Alfred Drossel

Vaihingen. Bernd Silberhorn arbeitete zu dieser Zeit 1978 auf verschiedenen Baustellen im Iran, verdiente viel Geld, auch mit dem Hintergedanken, sich bald eine eigene Wohnung zu kaufen. In diesem Dezember war er auf Heimaturlaub, aber „ziemlich down“, weil ihn seine Lebensgefährtin verlassen hatte. Bevor er noch mehr Geld sinnlos durchbrachte, entschied er sich eines Morgens in der McDonalds-Filiale in Ludwigsburg: Ich kaufe mir eine Wohnung. Seine Suche führte ihn in die umliegenden Banken und zum Schalter, wo Angelika saß. Das Immobilienangebot begeisterte ihn wenig, „die Schnecke“ umso mehr. Die fühlte sich zwar geschmeichelt, aber war eigentlich liiert und vertröstete ihn erst einmal. „Wenn er tatsächlich Interesse hat, kommt er nochmal“, dachte sie sich. Und er kam, sofort am 2. Januar. Sie verabredeten sich gleich für abends.

Und obwohl Bernd Silberhorn wegen seines Autos, das nicht angesprungen war, 15 Minuten zu spät kam, wartete sie geduldig. „Ich war mir sicher, er kommt, nachdem er so hartnäckig war“, sagt sie lachend. Bernd entführte sie ins Fernsehturm-Restaurant. „Ich wollte sie beeindrucken, und das Geld hatte ich ja“, erzählt er lachend. Die damals 20-jährige Angelika war zwar völlig überfordert mit der Speisekarte, dennoch war es „ein fantastischer Abend“ schwärmen beide heute noch unisono. Jedes Thema, das sich ansprachen, passte: Hobbys, Reiseziele, sein Job, obwohl der ja längere Abwesenheiten beinhaltete. Und obwohl sie sich geschworen hatte, nicht mit ihm tanzen zu gehen, gingen sie doch tanzen – nach Bietigheim in die Disco. Um halb drei war sie zuhause. In der noch verbleibenden Woche, bevor er zurück in den Iran musste, trafen sie sich mittags und abends, er entführte sie noch übers Wochenende in den Winterurlaub – zum ersten Mal stand sie auf Skiern.

Motorradfahren in der Wüste und Bootsfahrt im Iran

Das sollte nicht das einzige Abenteuer bleiben. „Das war alles total aufregend für mich, ich wusste gar nicht, wie mir geschieht. Ich war ja blutjung und sehr brav und bescheiden aufgewachsen.“ Als er ihrer Mutter auch noch verkündete, dass er sie in den Iran einlade, war diese zwar nicht begeistert, machte sich Sorgen, aber auch sie ahnte, dass diese Geschichte etwas Ernstes werden könnte. „Es hat mir gefallen, mal etwas anders zu tun, die Konventionen über Bord zu werfen“, erzählt die heute 62-Jährige. Außerdem habe sie ihm vertraut. Es hatte immer gestimmt, was er gesagt hatte.

Im Iran brachte er ihr das Motorradfahren in der Wüste bei, fuhr mit ihr Holzboot und überließ ihr ganz selbstverständlich das Steuerrad, besuchte mit ihr Teheran. „Wir haben viel Blödsinn gemacht“, sagt er. „Und viele tolle Menschen kennengelernt, obwohl ich kein Wort mit ihnen sprechen konnte“, sagt sie. Sie sind quer durch den Iran gereist, per Flugzeug, per Taxi, per Esel. Für den anschließenden Sommerurlaub auf den Malediven. Gegen Ende stellten sie am Sandstrand auf Kurumba fest, dass sie heiraten wollen – ganz ohne Tamtam. „Es war ohnehin klar und nur eine Formsache. Romantik ist nicht so mein Ding“, sagt sie. Am 19. September war die standesamtliche Trauung. „Kirche und weißes Kleid sind auch nicht mein Ding“, betont sie erneut.

Von der Penthouse-Wohnung ins Bauernhaus

Sie bezogen die Penthousewohnung in Hemmingen, er flog nochmal zum Arbeiten nach Kuwait, dann richteten sie sich zuhause ein, fingen in Kornwestheim mit dem Schießsport an und schafften es bis in den Landeskader. Sie renovierten ein altes Haus mit Scheune in Vaihingen-Hochdorf, renovierten es fast zehn Jahre. „Nach vier Jahren hatten wir mal ein Wohnzimmer“, sagt der heute 67-Jährige. Die beiden Töchter kamen auf die Welt, es wurde eng im Bauernhaus, zumal Angelika sich mit einem Massagestudio selbstständig gemacht hatte. Sie kauften das Haus in Vaihingen-Riet und wurden etwas ruhiger.

Aber natürlich lief auch bei den Beiden nicht alles glatt. Er zertrümmerte sich beim Paragliding den Fuß, es ging schließlich doch gut, so dass er noch laufen konnte. Ihre erste Tochter ist behindert, eine „große Prüfung“, wie Angelika sagt. Sie hatten manchmal Geldsorgen und er viele Hobbys. Bis heute verbringt er ganze Wochenenden mit seinen Ferraris bei Oldtimerrennen.

Zusammenhalten und Vertrauen als Erfolgsrezept

„Wir wollten zusammenhalten, kämpfen“, erklärt er das Erfolgsrezept der Ehe. „Ich wollte auf jeden Fall durchhalten, bis die Kinder groß sind. Ich bin ein Scheidungskind und das wollte ich meinen Kindern ersparen. Das ist kein Spaß“, ergänzt Angelika. Auch sie hätten Tiefschläge gehabt, „aber wir sind immer wieder aufeinander zugegangen“. Ein Seminar von John Grey, der später mit dem Buch „Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus“ weltberühmt wurde, brachte ihnen nochmal eine große Portion Erkenntnisgewinn. Jeder dürfe machen, was er wolle, es herrsche bedenkenloses Vertrauen, aber sie kommen sich auch entgegen. Obwohl er keine Haustiere mag, haben sie vier Katzen zuhause, und er geht mit ihr zwei Wochen in die Tierauffangstation nach Südafrika, sie geht mit ihm zum Motorsport. Gemeinsam gehen sie klettern, wandern.

„Ich liebe die Gesamtkonzeption. Sie machte blindlings alles mit und sie ist noch heute unheimlich attraktiv“, sagt der 67-Jährige mit Gefühl abschließend. Sie genießt die Freiheiten, die sie hat, das grenzenlose Vertrauen. Die Selbstständigkeit, die er ihr lässt.

Und so können auch Sie uns Ihre Liebesgeschichte erzählen

Die einen haben sich beim Fischessen kennengelernt, obwohl sie keinen Fisch mögen. Andere wiederum kennen sich von der Schule, wurden aber erst später ein Paar. Andere haben sich bei der Arbeit kennengelernt. Wie haben Sie Ihren Liebsten kennengelernt? Erzählen Sie es uns, wir schreiben Ihre Liebesgeschichte auf. E-Mail an kreisredaktion@lkz.de oder Telefon (07141) 130-285. (pat)

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