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Tourismus
Neuer Skulpturenradweg im Strohgäu: Von kolossaler Kunst, Kosten und Kritik

Zwei der Kunstwerke in Schwieberdingen ...
Zwei der Kunstwerke in Schwieberdingen ...
...und Hemmingen – übrigens mit eingestanztem Geocode. Fotos: Theiss/Schweizer
...und Hemmingen – übrigens mit eingestanztem Geocode. Fotos: Theiss/Schweizer
Vor einigen Tagen wurden die Skulpturen des neuen Radwegs des Landkreises installiert – und sorgten gleich für Gesprächsstoff.

Schwieberdingen/ Hemmingen/Eberdingen. Ein schwarzer Bienenstock? Oder eine Fliegerbombe? Es war zunächst nur die Frage nach dem „Was?“, die in einer Facebook-Gruppe beim Anblick eines unlängst installierten Objekts auf dem Schwieberdinger Bahnhofsvorplatz gestellt wurde – und dann in eine größere Diskussion über Kunst und Kosten mündete. Denn auch in zwei Nachbarorten war Ähnliches entdeckt worden, mit dem so mancher User nichts anfangen konnte: eine Art übergroßer Fahrradständer und, ebenfalls um die eigene Achse verdreht, ein Metallband mit eingestanzten Zahlen. Die Lösung erbrachte nicht etwa der Vorschlag, diese einfach mal in ein Telefon einzutippen und nachzufragen, sondern der Link zu einem Projekt von Landkreis und den Gemeinden Schwieberdingen, Hemmingen und Eberdingen: der neue Skulpturenradweg Art Loop.

Kosten von 210000 Euro sorgen für Diskussionen

Der 35 Kilometer lange Rundweg (englisch: loop) soll am 23. Juni offiziell eingeweiht und vorgestellt werden – Jahre später als geplant. Und das ist auch ein Argument, das etwa Hemmingens Bürgermeister Thomas Schäfer jenen entgegenhält, die die Kosten von insgesamt 210000 Euro kritisieren. Denn schon seit 2017 befasse man sich im Landkreis mit der Installation eines Skulpturenradwegs – man könne die Ausgaben, die sich auf rund 15000 Euro für jede der drei Gemeinden sowie den Landkreis belaufen, also nicht mit anstehenden Kürzungen im Etat oder Gebührenerhöhungen in Bezug setzen. „Das Geld ist schon seit damals reserviert“, sagt Schäfer, zudem halte sich das in einem akzeptablen Rahmen, so sein Schwieberdinger Amtskollege Nico Lauxmann. Heute würde es für eine Beteiligung aber dennoch wohl schlechter aussehen, wie es Rainer Gessler, Fraktionschef der Freien Wähler im Kreistag, angedeutet hatte. Er hatte im Oktober 2020 – wie CDU und SPD ebenfalls mit Bauchschmerzen – sein Ja gegeben, weil die Pläne schon so weit fortgeschritten seien.

Den Löwenanteil bezahlen die Region und Sponsoren

Für Schäfer gibt es aber noch ein weiteres Argument: Jede Kommune sei gefordert, Kunst zu fördern, etwa bei eigenen Neubauprojekten – und da sei man in Hemmingen bislang „eher zurückhaltend“ gewesen. Dabei lebten auch im Ort Künstler, weshalb sich die Gemeinde unter anderem finanziell an einem Bildhauer-Symposium im Herbst beteiligt hatte, was am Ende wohl in derselben Größenordnung lag wie nun beim Radweg. Und, so Schäfer: „Ich sehe es in einer guten Tradition, dass wir uns bei so etwas beteiligen.“

„Natürlich ist die Schaffung so eines Projektes mit Kosten verbunden“, heißt es auch aus dem Landratsamt, wenngleich man bewusst schon bestehende Infrastruktur wie Radwege oder die Radstation am Schwieberdinger Bahnhof einbezogen habe. Vor allem aber werde zum einen der Löwenanteil durch Fördermittel gestemmt: 60000 Euro kommen vom Verband Region Stuttgart über sein Landschaftsparkprogramm, 50000 von der Kreissparkasse sowie je 20000 vom Eberdinger Kunstmäzen Peter W. Klein und der Wüstenrot-Stiftung. Zudem „hoffen wir so, den bestehenden touristischen Highlights und der ansässigen Gastronomie noch mehr Aufschwung zu geben“. Mit dem Rundweg wolle man das Stroh- und Heckengäu um eine weitere Attraktion reicher machen und die Menschen zum Verweilen und Nutzen des vielfältigen Kultur- und Freizeitangebots einladen.

Und was ist mit dem ebenfalls vorgebrachten Argument, dass auf die Kommunen weitere Kosten wegen Vandalismus oder Verletzungen zukommen könnten? Alles sei vorab, auch mit einem Statiker des Landratsamts, geprüft worden, sagt Lauxmann, während er ein Foto des zweiten Schwieberdinger Kunstwerks südlich des Hardt- und Schönbühlhofes zeigt, eine über fünf Meter hohe Skulptur, die einen Fahrradsattel darstelle.

Bleibt also noch die Frage offen, was es mit der Skulptur in Schwieberdingen auf sich hat. Sie trägt den Titel Turm, und der Bürgermeister versucht sogleich eine Interpretation – die aber der Künstler dann, wenn alles offiziell ist, besser geben könne. Er sagt auch: „Über Kunst kann man streiten. Sie soll aber auch zu Diskussionen anregen.“ Und das ist schon vor dem Start gelungen.

Internet: www.landkreis-ludwigsburg.de/artloop