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RÄUMUNGSKLAGE

Neues Zuhause dringend gesucht

Eine alleinerziehende Mutter mit zehn Kindern muss in absehbarer Zeit aus dem gemieteten Haus ausziehen. Die Fachstelle Wohnungssicherung der Wohnungslosenhilfe unterstützt die Großfamilie dabei, ein neues Domizil zu finden.

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Möglingen. „Wer kommt da jetzt wohl?“, hat sich Julia Grözinger von der Fachstelle Wohnungssicherung der Wohnungslosenhilfe gefragt, als sich eine alleinerziehende Mutter mit zehn Kindern meldete, die wegen einer Räumungsklage ein anderes Haus zum Mieten sucht. Die Vorurteile – man kenne solche Fälle ja sonst eher aus dem Fernsehen – hätten sich aber nicht bestätigt. „Sie sitzt nicht zu Hause und wartet, dass ihr geholfen wird“, so Julia Grözinger, die die Frau seither als aktive Person erlebt hat, die ihre private Situation jedoch sehr belaste.

Das Möglinger Ordnungsamt hatte die Frau an die Wohnungslosenhilfe verwiesen, die in der Gemeinde Beratung und Unterstützung anbietet. Das war im Frühsommer vergangenen Jahres. Die Klientin Ende 40, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte, ist seither jedoch keinen Schritt weitergekommen.

„Ich glaube, dass das damals eine heile Familie war“, sagt Julia Grözinger über die Zeit, bevor sich die Eltern der zehn Kinder im Sommer 2017 trennten. Wie es dazu kam, sei ihr jedoch nicht bekannt. „Das war sicher kein Wunschtraum von ihr“, umschreibt die Beraterin die jetzige Situation ihrer Klientin.

Vor der Trennung habe die Großfamilie gemeinsam in einem bedingt hergerichteten Haus mit 150 Quadratmetern und sechs Zimmern gelebt. Der Eigentümer war damals der Schwiegervater der Frau. Erst nach der Trennung schlossen die beiden einen schriftlichen Mietvertrag ab – zunächst befristet auf ein Jahr. Als der Ex-Schwiegervater später eine Verlängerung anbot und die zehnfache Mutter es sich überlegen wollte, zog er sein Angebot zurück. Im Mai 2018 folgte die Kündigung wegen Eigenbedarfs – mit einer Frist von drei Monaten. Da die Frau jedoch seit rund 20 Jahren in dem Haus wohnt, hätte die Kündigungsfrist neun Monate betragen, wenn von Anfang an oder seit mindestens acht Jahren ein Mietvertrag bestanden hätte.

Der Streit landete vor Gericht: Anfang Mai hat das Amtsgericht Ludwigsburg nun eine neue Räumungsfrist für Ende Juli 2021 bestimmt. Julia Grözingers Klientin hat dagegen inzwischen Berufung beim Landgericht Stuttgart eingelegt. Die Beraterin der Wohnungslosenhilfe hält es für möglich, dass am Ende die Frist nochmals verlängert wird. Dass die Frau und ihre Kinder jedoch gar nicht ausziehen müssen, scheint ihr unwahrscheinlich. Im Laufe des Prozesses habe zwar ein psychologisches Gutachten ergeben, dass einigen Kindern ein Umzug nicht zuzumuten sei, dem gegenüber stehe aber das Eigentumsrecht des Vermieters.

Acht der zehn Kinder im Alter von sechs bis 19 Jahren leben derzeit bei der Mutter, der Älteste bei den Ex-Schwiegereltern und eine 16-jährige Tochter bei den Großeltern mütterlicherseits in Bayern. Arbeiten würde die Frau offenbar gern, die Betreuung der Kinder mache ihr dies jedoch bis auf Weiteres unmöglich. „Sie kommt gerade einfach zu nichts“, sagt Julia Grözinger auch im Hinblick auf das derzeitige Homeschooling. Ein Antrag auf Arbeitslosengeld II sei 2018 abgelehnt worden. Rund 370 Euro Wohngeld bekomme die Klientin als Zuschuss zur Miete. „Sie lebt zudem vom Kindergeld und vom Kindesunterhalt“, so die Beraterin. Bislang bezahle die Frau eine Kaltmiete von 1050 Euro, was auch künftig die Obergrenze wäre.

Aufgrund der Größe der Familie kommen nur bestimmte Objekte infrage, am besten wäre ein anderes Haus zur Miete. „Eventuell kann sie nicht alle Kinder mitnehmen“, sagt Julia Grözinger, der jedoch daran gelegen ist, eine Trennung zu verhindern. Da der Nachwuchs in Möglingen verwurzelt sei und dort die Schule besuche, wäre ein Haus in der Nähe optimal. Sie habe der Klientin aber geraten, für Angebote im ganzen Kreis offen zu sein. Ein neuer Ort könne auch eine Chance für einen Neuanfang mit ihren Kindern sein.

INFO: Wer der Familie ein Haus vermieten möchte, kann sich bei Julia Grözinger unter (01 76) 34 38 26 21 oder julia.groezinger@wohnungslosenhilfe-lb.de melden.

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