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Nilgänse

Nilgänse machen Probleme - Bejagung ab 1. August gestattet

Wasservögel dürfen ab 1. August bejagt werden – Naturschutzverbände fordern Wildmanagement

Eine Nilgans mit Küken auf der Enz bei Untermberg: Die Wasservögel verbreiten sich rasant.Fotos: Alfred Drossel
Eine Nilgans mit Küken auf der Enz bei Untermberg: Die Wasservögel verbreiten sich rasant. Foto: Alfred Drossel

Kreis Ludwigsburg. Die aus Afrika stammenden Nilgänse vermehren sich in Deutschland rasant. Der Anteil der Reviere mit Brutpaaren habe sich in zehn Jahren bundesweit mehr als verdoppelt, teilt der Deutsche Jagdverband (DJV) mit. Der stellvertretende Kreisjägermeister Matthias Grünenwald (Bönnigheim), kann dies auch für den Landkreis Ludwigsburg bestätigen. Er spricht sogar von „einer großen Katastrophe“. Die rasante Zunahme der gelegentlich zänkischen Neubürger aus Afrika stößt nicht nur bei den Jägern auf wenig Begeisterung. Sie begrüßen daher die neueste Verordnung, dass Nilgänse vom 1. August an bis zum 15. Februar des folgenden Jahres bejagt werden dürfen.

Rund 1300 Tiere mehr

Nach Angaben des Landesjagdverbandes wurden im Jagdjahr 2018/19 (Beginn März) rund 1300 Nilgänse oder ein Drittel mehr als im Jahr zuvor erlegt. „Und die Zahl wird noch mal stärker ansteigen“, sagt Geschäftsführer Erhard Jauch, dessen Verband 33500 Jäger im Südwesten vertritt.

Matthias Grünenwald sieht im Landkreis verschiedene Schwerpunkte: Entlang von Enz und Neckar, an Seen und Fischteichen, sogar in Freibädern. Die Nilgans ist bereits auf einer EU-Liste der Arten, die die Länder dazu anhält, deren Ausbreitung einzudämmen. Das Federvieh, das sich seit den 1980er Jahren ausgehend von ausgesetzten und entflogenen Tieren aus den Niederlanden rasant ausbreitet, fühlt sich auch im Landkreis besonders wohl. Größere Ansammlungen gibt es bei Kirchheim und auf den Feldern um Sachsenheim über dem Enztal.

In vielen Städten zerbrechen sich die Verwaltungen den Kopf, wie man die ungebetenen Gäste hinauskomplimentiert. Das Instrumentarium reicht von Drohnen über Betoneier und Kehrmaschinen bis hin zum – umstrittenen – Abschuss. In einem sind sich wohl alle einig, die mit der Spezies zu tun haben: Ein Patentrezept gibt es nicht.

„Wenn wir aber jetzt nichts machen, bekommen wir dieses Problem nicht in Griff“, sagt Matthias Grünenwald. Nilgänse verkoteten Liegewiesen und verscheuchen Schwäne und sie vertilgten Wintergetreide. Nur wenige Vogelarten erhielten derzeit so viel mediale Aufmerksamkeit wie die nichtheimische Nilgans, sagt Grünenwald.

Kritik an Verordnung

Dass die Vogelart ökologische Schäden verursacht, sei nicht erwiesen, sagt der Naturschutzverband Nabu, deshalb ist es nach seiner Sicht nicht gerechtfertigt, den Bestand zu reduzieren. Eine mögliche Schädlichkeit und damit Invasivität der Nilgans wird meist darin vermutet, dass die Nilgans andere Wasservogelarten verdrängen könnte, wobei ihr häufig nachgesagt wird, dass sie in Nestnähe besonders aggressiv sei. Es sei jedoch weder geklärt, ob die Nilgans wirklich invasiv ist, noch, welche Maßnahmen zum Umgang zu treffen sind.

In Baden-Württemberg hat das Landwirtschaftsministerium reagiert. In der neuen Durchführungsverordnung (DVO) des Jagd- und Wildtiermanagementgesetzes sagt das Agrarministerium den eindringenden Arten wie der Nilgans den Kampf an. In der Novelle der DVO werden die Jagdzeiten für invasive Arten deutlich verlängert – für die Nilgans um zwei Monate. Das gilt auch für die weit verbreitete, aber weniger angriffslustige Kanadagans.

Die Nilgans fällt aus Nabu-Sicht unter das Naturschutz- und nicht das Jagdrecht. „Die Jagd hat immer das Töten zum Zweck des Verzehrs als Ziel, doch die Nilgänse brauchen eher das Wildtiermanagement“, sagt der Nabu.

Aus Sicht der Jäger allerdings gehen das Erlegen von invasiven Tieren zum Zwecke ihrer Eindämmung und deren Verzehr Hand in Hand, sagt Grünenwald. Jäger verkaufen geräucherte Nilgansbrust zu rund 60 Euro das Kilo an die Gastronomie. Nilgansfleisch werde so zubereitet, wie das Fleisch einer ganz normalen Gans, betont Grünenwald.

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