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Paulaner

Noch kommt keine Freude auf

Seit Ostern wird um die Wiederöffnung der Gaststätte Paulaner und des dazugehörigen Biergartens, direkt an der Enz, gestritten. Spätestens in zwei Wochen soll die Gastronomie wieder starten. Doch es kommt keine Freude auf, der Wirt erhebt noch immer schwere Vorwürfe gegen die Stadt.

Gefährliche Arbeiten. In der Wobachstraße, über der Gaststätte Paulaner, musste die Felswand gesichert werden. Foto: Alfred Drossel
Gefährliche Arbeiten. In der Wobachstraße, über der Gaststätte Paulaner, musste die Felswand gesichert werden. Foto: Alfred Drossel

Bietigheim-Bissingen. Seit Jahrzehnten wird in der Gaststätte Bier getrunken und noch keinem der Gäste ist je ein Felsen auf den Kopf gefallen. Kurz vor Ostern ändert sich die Sache „schlagartig“. Laut einer Untersuchung bestand Gefahr, dass sich kleinere Stücke aus der Felswand in der Wobachstraße lösen könnten und diese würden dann auf die Gaststätte und in den Biergarten fallen. Die Stadt Bietigheim-Bissingen als Eigentümerin untersuchte die Angelegenheit und machte die Gaststätte zu – Gefahr im Verzug.

Zweifel an der Kompetenz des Gutachters

Für den Wirt war die Situation der größte anzunehmende Unfall. Das Wetter war bestens, die Osterfeiertage standen vor der Türe, und dann der Totalausfall. Schon damals war Tim Heilig mit den Erklärungen der Stadt nicht zufrieden. Die Gefahr für die Gäste und einen im Freien stehenden Gasttank sei zu groß, hieß es damals. Für Heilig kein Argument. Er zweifelt noch immer die Kompetenz der Firma an, die das Gutachten erstellte. Außerdem habe er den Gastank kurz nach Bekanntwerden entleeren lassen, um möglichst schnell wieder den Gastronomiebetrieb aufzunehmen.

Es half nichts, die Stadt ließ nicht mit sich verhandeln und ging auf Nummer sicher. Erst die Felswand mit einem Netz sichern, dann kommt das Biervergnügen. Es wurde eine Spezialfirma engagiert, die das lose Gestein abschlug und versuchte, für Ordnung im Felsen zu sorgen. Anschließend wurden Befestigungen in den Fels geschlagen, um daran große Stahlmatten zu befestigen, die gegen den Steinschlag schützen. Inzwischen gehen die Sicherungsarbeiten dem Ende zu. Nach Angaben der Stadt muss noch ein Gutachten erstellt werden, dass jetzt alles sicher ist und die Biergartensaison im Paulaner endlich eröffnet werden kann.

Doch der Streit zwischen Wirt und Stadt ist so weit gediehen, dass nur noch über Anwälte miteinander verhandelt wird. „Die Stadt hat Schadenersatz zugesagt. Aber bisher ist bei uns kein Cent angekommen. Ich weiß nicht, wie ich meine Mitarbeiter bezahlen soll. Mein Anwalt hat jetzt ein Schreiben mit Forderungen aufgestellt. Darauf gab es bisher noch keine Reaktionen“, sagt Tim Heilig.

Und es gibt ein weiteres Verfahren, das inzwischen beim Verwaltungsgerichtshof in Mannheim angelangt ist, dem höchsten Verwaltungsgericht im Land. Heilig wollte sich nicht damit abfinden, dass seine Gaststätte von einem Tag auf den anderen von der Stadt zugemacht wurde. Auf diesen Weise sei ihm seine Lebensgrundlage entzogen worden.

„Ich will die Rechtmäßigkeit der Anordnung überprüfen lassen. Für mich sind die Entscheidungen aufgrund von fraglichen Kompetenzen der Gutachter getroffen worden. Da wurde gemauschelt. Von der angeblichen Felssturzgefahr ist nur das Paulaner betroffen, andere Einrichtungen unter der Felswand interessieren nicht“, so der Wirt.

Bisher ist er mit seiner Rechtsauffassung allerdings noch nicht sehr weit gekommen. In der ersten Instanz, vor dem Verwaltungsgericht in Stuttgart, ist er unterlegen. Die Stadt Bietigheim-Bissingen bekam Recht. Die Sicherheit der Menschen müsse hinter wirtschaftlichen Interessen zurückstehen. Daraufhin ging er in die nächste Instanz. Bisher ist von den obersten Verwaltungsrichtern noch kein Urteil gefällt.

Der Wirt will jetzt möglichst schnell aufmachen, doch dabei sieht er sich wieder von der Stadt ausgebremst. Das Netz hänge und er könne nicht durchstarten. Die Stadt verweist darauf, dass erst noch ein Gutachter alles auf Sicherheit überprüfen muss. Tim Heilig dauert das alles zu lange: „Ich bin froh um jeden Tag, an dem ich früher eröffnen kann“.

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