Logo

Kulturregion

Öffentlich oder eher privat?

Heute beginnt das dreiwöchige Festival „Unter Beobachtung. Kunst des Rückzugs“ in der Region

Vielfalt der Kunstformen: Auf dem Pariser Platz in Stuttgart entsteht das Festivalzentrum (oben), in Ludwigsburg gibt es einen Rundgang (links), in Bietigheim-Bissingen eine Rauminstallation als Videoperformance (rechts). Lautsprecher und Kamera reag
Vielfalt der Kunstformen: Auf dem Pariser Platz in Stuttgart entsteht das Festivalzentrum (oben), in Ludwigsburg gibt es einen Rundgang (links), in Bietigheim-Bissingen eine Rauminstallation als Videoperformance (rechts). Lautsprecher und Kamera reagieren in Kornwestheim auf Passanten (unten links) und Barbara Ungepflegt lebt in einem Bushäuschen in Gerlingen und nimmt so auf etwas andere Weise am Alltag teil. Foto: studio umschichten, Erich Malter (2), Angelika Wischermann, Michael Jeuter
Vielfalt der Kunstformen: Auf dem Pariser Platz in Stuttgart entsteht das Festivalzentrum (oben), in Ludwigsburg gibt es einen Rundgang (links), in Bietigheim-Bissingen eine Rauminstallation als Videoperformance (rechts). Lautsprecher und Kamera reag
Vielfalt der Kunstformen: Auf dem Pariser Platz in Stuttgart entsteht das Festivalzentrum (oben), in Ludwigsburg gibt es einen Rundgang (links), in Bietigheim-Bissingen eine Rauminstallation als Videoperformance (rechts). Lautsprecher und Kamera reagieren in Kornwestheim auf Passanten (unten links) und Barbara Ungepflegt lebt in einem Bushäuschen in Gerlingen und nimmt so auf etwas andere Weise am Alltag teil. Foto: studio umschichten, Erich Malter (2), Angelika Wischermann, Michael Jeuter
Vielfalt der Kunstformen: Auf dem Pariser Platz in Stuttgart entsteht das Festivalzentrum (oben), in Ludwigsburg gibt es einen Rundgang (links), in Bietigheim-Bissingen eine Rauminstallation als Videoperformance (rechts). Lautsprecher und Kamera reag
Vielfalt der Kunstformen: Auf dem Pariser Platz in Stuttgart entsteht das Festivalzentrum (oben), in Ludwigsburg gibt es einen Rundgang (links), in Bietigheim-Bissingen eine Rauminstallation als Videoperformance (rechts). Lautsprecher und Kamera reagieren in Kornwestheim auf Passanten (unten links) und Barbara Ungepflegt lebt in einem Bushäuschen in Gerlingen und nimmt so auf etwas andere Weise am Alltag teil. Foto: studio umschichten, Erich Malter (2), Angelika Wischermann, Michael Jeuter
Vielfalt der Kunstformen: Auf dem Pariser Platz in Stuttgart entsteht das Festivalzentrum (oben), in Ludwigsburg gibt es einen Rundgang (links), in Bietigheim-Bissingen eine Rauminstallation als Videoperformance (rechts). Lautsprecher und Kamera reag
Vielfalt der Kunstformen: Auf dem Pariser Platz in Stuttgart entsteht das Festivalzentrum (oben), in Ludwigsburg gibt es einen Rundgang (links), in Bietigheim-Bissingen eine Rauminstallation als Videoperformance (rechts). Lautsprecher und Kamera reagieren in Kornwestheim auf Passanten (unten links) und Barbara Ungepflegt lebt in einem Bushäuschen in Gerlingen und nimmt so auf etwas andere Weise am Alltag teil. Foto: studio umschichten, Erich Malter (2), Angelika Wischermann, Michael Jeuter
Vielfalt der Kunstformen: Auf dem Pariser Platz in Stuttgart entsteht das Festivalzentrum (oben), in Ludwigsburg gibt es einen Rundgang (links), in Bietigheim-Bissingen eine Rauminstallation als Videoperformance (rechts). Lautsprecher und Kamera reag
Vielfalt der Kunstformen: Auf dem Pariser Platz in Stuttgart entsteht das Festivalzentrum (oben), in Ludwigsburg gibt es einen Rundgang (links), in Bietigheim-Bissingen eine Rauminstallation als Videoperformance (rechts). Lautsprecher und Kamera reagieren in Kornwestheim auf Passanten (unten links) und Barbara Ungepflegt lebt in einem Bushäuschen in Gerlingen und nimmt so auf etwas andere Weise am Alltag teil. Foto: studio umschichten, Erich Malter (2), Angelika Wischermann, Michael Jeuter

Stuttgart/Ludwigsburg. Als vor rund drei Jahren die Planungen für die diesjährige Auflage des Festivals der Kulturregion begannen, konnte noch niemand vorhersehen, wie aktuell das geplante Themenfeld noch werden würde: „Unter Beobachtung. Kunst des Rückzugs“ heißt das Motto der Reihe von Kunstinstallationen und -aktionen in 21 Städten in der Region, die von heute bis zum 18. Oktober laufen. Rückzugsorte prägten bekanntlich auch die vergangenen Monate seit dem Lockdown, in dem ganz neue Fragen mit Blick auf das Verhältnis von Öffentlichem und Privatem aufkamen, nachdem viele Menschen tagelang und weitgehend in den eigenen vier Wänden verharrten. „Es war ein halbes Jahr des Rückzugs, sozial wie wirtschaftlich“, betont Matthias Knecht, Ludwigsburger OB und qua Amt Vorsitzender der Kulturregion, beim Pressegespräch. „Es hat auch eine Schneise in die Kultur geschlagen. Umso höher sei es den beteiligten Kommunen anzurechnen, dass sie trotz finanzieller Lasten gerade jetzt die Kultur hochhielten. Nicola Schelling, Regionaldirektorin des Verband Region Stuttgart, der die Kulturregion jährlich mit 300000 Euro unterstützt, erhofft sich von dem Festival, einen gesellschaftlichen Diskurs anzustoßen: Das Verhältnis von Bürger und Staat sei ein aktuelles Thema. „Die Frage ist: Wo wollen wir beobachtet werden – und wo nicht?“

Gottfried Hattinger, künstlerischer Leiter des Festivals, ist erstaunt, wie gut das Thema zur Zeit passt. „Ich bin kein Soziologe“, betont der österreichische Kurator, „mich interessiert, wie die Kunst mit dem Thema umgeht.“ Die knapp zwei Dutzend beteiligten Städte hat er in den vergangenen 18 Monaten ausgiebig erkundet und die jeweiligen Kunstprojekte begleitet. Sechs davon finden im Kreis Ludwigsburg statt.

In Ludwigsburg startet die Künstlergruppe Rimini Protokoll morgen einen von einer Computerstimme gesteuerten Hörrundgang namens „Remote X“ durch die Stadt. Beteiligt ist auch die Theaterakademie.

Vor dem Literaturmuseum der Moderne in Marbach zeigt Andrea Maurer ab 1. Oktober ihre sprachexperimentelle Performance „Wir stehlen uns die Wörter zurück und bauen unser eigenes Haus“. Die Marbacherinnen und Marbacher sind aufgerufen, Schriftstücke oder Gegenstände zum „poetischen Service“ zu bringen.

„Keine Schwellenangst“ gibt es in der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen. Die Ausstellung befasst sich mit der Bedeutung der Tür als Motiv in der Gegenwartskunst. Dazu gehört auch die Installation „Durchgangszimmer“ von Angelika Wischermann, die – wegen der Pandemie-Auflagen – nur in Form einer Videodokumentation präsentiert werden kann.

Der „Surveillance Speaker“ von Dries Depoorter ist eine Station mit Kamera und Lautsprecher, über die Passanten beobachtet und automatisch kommentiert werden. Die Installation befindet sich in Kornwestheim zwischen Kleihues-Bau und dem K.

In Ditzingen können coronageplagte Bürgerinnen und Bürger zeigen, dass sie reif für die Insel sind. Auf dem Rathausplatz hat Christian Hasucha ein begrüntes Podest errichtet, das man im örtlichen Reisebüro „Durchblick“ für eine Zeit buchen kann. Wunderbar kann man dort das Alltagsleben der Menschen beobachten – oder steht man selbst plötzlich im Fokus? Im Ansatz ein wenig ähnlich verhält es sich mit der Performance von Barbara Ungepflegt in Gerlingen. In einem Buswartehäuschen am Rathausplatz wird sie es sich ab Montag hinter einer Glasscheibe gemütlich machen, mit Klappsofa, Esstisch, Bücherregal und einigem mehr. Wo sind hier die Grenzen von Privatem und Öffentlichem?

Spannend dürfte auch die Kunstinstallation von Peter Weigand und seinem Architekturstudio „umschichten“ in der Landeshauptstadt werden. Auf dem Pariser Platz in Stuttgart wird mit ausrangierten Schalungselementen aus dem Bereich der Stuttgart-21-Baustelle das Festivalzentrum errichtet. Dort können auch Kurzfilme zu allen Kunstprojekten der Region angeschaut werden. „Es wird eine nutzbare Skulptur, die Aufenthaltsqualität schafft“, wie Weigand erklärt. Jetzt müssen die Gäste nur noch kommen.

Internet: www.unterbeobachtung.net

Autor: