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Schule

„Offener Ganztag kein Thema mehr“

Mit Beginn des Schuljahres 2021/22 soll der verpflichtende Ganztagesunterricht an der Grundschule Pattonville eingeführt werden. Doch nicht alle Eltern sind begeistert, dass ihre Kinder künftig vier Tage in der Woche sieben Stunden in der Schule verbringen sollen.

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Pattonville. Über fehlendes Mitspracherecht haben sich einige Mütter und Väter, deren Kinder aktuell noch einen Kindergarten besuchen, im Gespräch mit unserer Zeitung beklagt. Ihre Namen möchten sie nicht in der Zeitung lesen. Sie befürchten, dass sich das negativ auf ihre Kinder auswirken könnte. Eines stellt eine Frau im Namen ihrer Mitstreiter klar: „Wir sind von der Grundschule Pattonville und ihrem Konzept begeistert. Wir sind auch nicht komplett gegen den Ganztag, wünschen uns aber eine Wahlmöglichkeit.“ Sie fordern vielmehr ein offenes Ganztagsangebot, bei dem die Eltern die Wahl haben, ob ihr Kind an dem Nachmittagsangebot teilnimmt. Kleinen Kindern werde durch den verpflichtenden Ganztagesunterricht zu viel zugemutet und ein Stück ihrer Kindheit genommen, so die Befürchtung.

Von körperlicher und geistiger Überforderung war sogar die Rede. „Das ist so, als ob die Kinder von der behüteten Kita in die Arbeitswelt katapultiert würden“, so ein Vater. Eine junge Mutter zweifelt daran, dass ihre Kinder nachmittags noch Zeit für ihre Hobbys und Verabredungen mit Freunden hätten. „Es gibt ein Recht auf Ganztag, aber keine Pflicht“, so ein weiterer Punkt, der geäußert wurde. Kritisiert wurde auch die nach Auffassung der Eltern fehlende Transparenz: Die Eltern der Kita-Kinder seien weder über die geplante Einführung des gebundenen Ganztags informiert noch an dem Entscheidungsprozess beteiligt worden.

„Das ist Aktionismus, über den ich mich sehr wundere“, reagierte Ulrike Schiller, Leiterin der Grundschule Pattonville, mit Unverständnis auf das Verhalten dieser Eltern. Angesichts von 400 Schülern plus 120 Kindern, die im kommenden Jahr eingeschult werden, handelt es sich ihrer Meinung nach bei den Ganztagsgegnern um eine Minderheit. Schade findet sie es, dass das Konzept abgelehnt wird, bevor es überhaupt entwickelt worden ist. Erst im März wird eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der Schule, des Schulamtes, des Schulträgers und politisch Verantwortlichen ihre Arbeit aufnehmen und die Rahmenbedingungen festlegen. Der endgültige Entwurf soll im Herbst vorliegen und soll dann auch den Eltern künftiger Grundschulkinder vorgestellt werden.

„Es ist wichtig für uns, eine pädagogisch qualitätvolle Arbeit zu leisten“, der verpflichtende Ganztag mit einem guten Konzept ist für Ulrike Schiller ein wesentlicher Beitrag zur Chancen- und Bildungsgerechtigkeit. Wenn die Kinder um 15 Uhr nach Hause kommen, hätten sie bereits an Sport- und Kreativangeboten teilgenommen und somit komplett Zeit für die Familie und Freunde. Zudem verweist die Schulleiterin auf die einstimmigen Beschlüsse in den Gremien, sprich in der Lehrerkonferenz, bei den Elternvertretern sowie der aus Eltern und Lehrern bestehenden Schulkonferenz.

„Der offene Ganztag ist kein Thema mehr“, so die klare Ansage von Karl-Heinz Balzer, Erster Bürgermeister der Stadt Remseck. „Das ist halt so in einer Demokratie“, verweist auch er auf die einstimmigen Beschlüsse der Schulgremien. „Es ist durchaus bekannt, dass es einige Eltern gibt, die den gebundenen Ganztag nicht gut finden“, so Balzer. Bisher hätten jedoch nur sechs von ihnen das Gespräch gesucht. Das Votum des Gemeinderates steht noch aus, die Politiker werden sich frühestens im Sommer mit diesem Thema beschäftigen.

Die Grundschule Pattonville ist übrigens die erste der fünf Grundschulen an sechs Standorten in Remseck, die sich auf den Weg zur Ganztagsschule begibt. Sie erfüllt anders als die anderen Schulen nach der Fertigstellung des Schulneubaus über das erforderliche Raumkonzept. „Wenn Eltern partout keinen gebundenen Ganztag wollen, können sie ihre Kinder auf eine andere Schule schicken“, so der Bürgermeister.

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