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Neckar

Oft fehlt der direkte Zugang

Wie kann der Neckar in Besigheim vom Nutz- zum Freizeitfluss werden? Darum ging es am Samstag beim Projekt „Adressen am Fluss“ vom Verband Region Stuttgart. Zahlreiche Besigheimer kamen vorbei und trugen ihre Ideen vor, wie Neckar- und Enzufer künftig erlebbarer werden könnten.

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Martin Gerlach erläutert seine Ideen für mehr Aufenthaltsqualität am Neckar.
Martin Gerlach erläutert seine Ideen für mehr Aufenthaltsqualität am Neckar.

Besigheim. Der Neckar sowie seine Zuflüsse stehen im Fokus des Projekts „Adressen am Fluss“, das der Verband Region Stuttgart (VRS) zusammen mit der IBA27, der Internationalen Bauausstellung, initiiert hat. Dabei geht es vor allem darum, die Aufenthaltsqualität am Neckar und seinen Zuflüssen zu steigern (wir berichteten). Am Samstagmittag waren Dr. Christine Baumgärtner, Referentin für Landschaftsplanung beim VRS, sowie Hannah Pinell, studierte Geografin und Referentin für Partizipation bei der IBA27, am Jachthafen in Besigheim. Dort präsentierten sie den Besuchern, welche Möglichkeiten sie für den Neckar und die Zuflüsse zwischen Stuttgart und Kirchheim sehen, um das Image der Gewässer von der reinen Wirtschaftsnutzung hin zur Freizeitoase zu wandeln. Auf einem Plakat konnten die Gäste grüne Punkte anbringen, wo sie keinen Handlungsbedarf sehen und rote, wo es dringend notwendig ist, etwas zu tun. Rot überwog. Schließlich gibt es kaum irgendwo in Besigheim einen direkten Zugang zum Wasser, der problemlos für Freizeitaktivitäten genutzt werden kann.

Potenzial sieht Christine Baumgärtner vor allem an den Schiffsanlegestellen. Diese liegen teilweise direkt am Neckartalradweg. Alle wären gute Startpunkte für Wassersportaktivitäten. „Allerdings sind die noch nicht wirklich einladend“, so Baumgärtner. Gemeinsam mit den Verantwortlichen der IBA27, deren Gesellschafter der VRS ist, sollen in Kooperation mit interessierten Kommunen Konzepte zur Verschönerung dieser Areale entstehen. Auch in Besigheim.

So waren dort Bürgermeister Steffen Bühler und einige Stadträte vor Ort, um sich zu informieren. Gestern bekräftigte auch das neue „Fraktions-Bündnis“, zu dem sich CDU- und WIR-Stadträte zusammengetan hatten, wie wichtig es sei, Aufenthalts- und Verweilorten am Neckar mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Neckar und Enz seien einzigartige Orte für Erholung und Naturerleben, deren Potenziale aber noch zu wenig genutzt würden. Auch sie sehen einen ersten Schwerpunkt bei der Schiffsanlegestelle.

Weitere Ansatzpunkte des VRS sind ausgeschilderte Anbindungen an die Ortskerne und Infotafeln. Für Ideen aus der Bevölkerung ist die Region ebenfalls dankbar. Karsten Gräbitz trug seine Vorstellungen schnell auf einem grünen Formular ein, das er dann an eine Pinnwand heften konnte. „Es kann doch nicht sein, dass wir hier zwei Flüsse haben und an keinem einzigen ist ein Biergarten“, meinte er. Und für Kanuten gebe es zu wenig Möglichkeiten, an einer naturnahen Uferzone in den Fluss einzusteigen. „Die Erlebbarkeit von Neckar und Enz ist schlecht“, ist sein Fazit. Auch seine Frau Susi sieht Nachholbedarf. Für sie fehlen unmittelbare Übernachtungsmöglichkeiten für Kanuten und Flusswandernde. „Natürlich gibt es Hotels in den Städten, aber so ein kleiner, zusätzlicher Campingplatz wäre schön“, ließ sie wissen. Das würde die Nachhaltigkeit im Tourismus steigern.

Das Fazit der Aktion in Besigheim zeigte, dass die Menschen sich oftmals trotz großer Nähe zu den Flüssen fernab davon fühlen. Mancherorts stehen Gebäude im Weg, anderswo große Hecken. All diese Ansatzpunkte nimmt Christine Baumgärtner mit. Gestern gab es in Mundelsheim die gleiche Aktion. Hinzu kommt ein Online-Fragebogen, wo Interessierte entweder direkt ihre Meinung mitteilen oder auf einer virtuellen Landkarte ihre Highlights und Problemzonen markieren können.

Für Kulinarik sorgten in Besigheim drei Jung-Architekten mit Freibad-Pommes. Beatrice Bucher, Christine von Raven und Yannik Plachtzik haben eine gemeinsame Masterarbeit verfasst. Wenn die Umfrageergebnisse des VRS final sind, sollen sie Anfang 2022 mit weiteren Experten Vorschläge für die individuellen Örtlichkeiten in den Kommunen erarbeiten.

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