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Barrierefrei

Ohne das Kasseler Board läuft bald gar nichts mehr

Das barrierefreie Bietigheim-Bissingen nimmt Konturen an. Die Verwaltung und der Gemeinderat haben sich als Ziel gesetzt, dass auch Behinderte und Senioren ohne Schwierigkeiten in den Bus kommen sollen. Dazu müssen verschiedene Varianten erst einmal ausprobiert werden.

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Nachgemessen. In der Praxis werden die einzelnen technischen Möglichkeiten überprüft.Foto: Alfred Drossel

Bietigheim-Bissingen. Der öffentliche Nahverkehr ist ein besonderes Hindernis zur barrierefreien Stadt. Er ist für Rollstuhlfahrer oder auch ältere Menschen wichtig, um mobil und in einem sozialen Umfeld zu bleiben. Gleichzeitig ist die Nutzung oft mit größeren Schwierigkeiten verbunden. So sind die Höhenunterschiede zwischen Bordstein und dem Einstieg in den Bus in manchen Fällen fast unüberwindlich und die Rollstuhlfahrer sind auf fremde Hilfe angewiesen.

Jetzt hat die Europäische Union festgelegt, dass bis zum Jahr 2022 beispielsweise alle Bushaltestellen barrierefrei sein müssen. Damit das Ziel erreicht wird, arbeitet die Stadt Bietigheim-Bissingen daran, die Haltestellen zu verändern. Stets begleitet von dem Verein „Barrierefreie Stadt Bietigheim-Bissingen“. Gestern haben sich Stadt und Verein daran gemacht, die technischen Möglichkeiten auszuloten. Dabei spielt das sogenannte Kasseler Board eine wichtige Rolle. Das ist ein Aufbau, der den Gehweg dem Buseinstieg ein wenig näher bringt.

Doch allein mit der Anhebung des Gehsteigs ist es nicht getan, denn in der Rechnung gibt es zahlreiche Unbekannte. Der Bus ist nicht immer gleich hoch, das hängt davon ab, wie viele Fahrgäste mitfahren. Und an manchen Stellen ist ein solches Board technisch oder aus topographischen Gründen nicht möglich.

„Am Ende haben wir alle etwas davon“

„Wir wollen gemeinsam nach Lösungen suchen und am Ende haben alles etwas davon. Auch mit dem Kinderwagen ist es dann einfacher einzusteigen“, sagt Luise Völkel vom Verein „Barrierefreie Stadt“. Mit im Boot ist auch das Busunternehmen Spillmann. Seit Jahren kümmert sich die städtische Tochter um das Thema Barrierefreiheit in ihren Fahrzeugen. Und das mit guten Grund: Immer mehr ältere Menschen sind mit dem Bus unterwegs, dem muss die Firma Rechnung tragen. Dabei befindet die Firma sich immer im Spannungsfeld, möglichst pünktlich zu sein und Rücksicht auf Behinderte oder ältere Menschen zu nehmen.

Dem Unternehmen sind bei seinem Anliegen allerdings Grenzen gesetzt, denn die Busse lassen sich zwar absenken, doch das reicht oft nicht aus. Also wird an den Bushaltestellen gemessen und immer wieder mit dem Rollstuhl überprüft, was möglich ist und wann Hilfe benötigt wird.

Das Kasseler Board gibt es in verschiedenen Höhen, die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Varianten wurden gestern untersucht und getestet. Die Informationen fließen in die Umbauten der nächsten Bushaltestellen. Davon hat die Stadt Bietigheim-Bissingen immerhin 143 Stück. Sie sollen innerhalb der nächsten Jahre alle den gleichen Standard haben. Das bedeutet, sie sind mit einem Dach versehen und haben eine sogenannte Blinden-Leitlinie, an der sich Sehbehinderte orientieren können. Außerdem sollen sie mit solchen Boards ausgestattet werden.

Für Claus-Dieter Jaisle, Leiter des städtischen Bauamts, ist das eine große Aufgabe: „Dafür wurde im Haushalt ein eigener Etat zur Verfügung gestellt. Außerdem sind alle Bushaltestellen in einem Handlungsplan erfasst. Daraus lässt sich jetzt ersehen, wann welche Haltestelle auf den neuen Standard umgebaut werden soll.“