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Mobilität

Oldtimer in der Region sehr begehrt

Fast 25.000 historische Fahrzeuge rund um Stuttgart gemeldet – 4803 Exemplare mit Standort im Landkreis Ludwigsburg

Blitzendes Chrom: Oldies bei der Messe Retro Classics.Foto: Fabian Sommer/dpa
Blitzendes Chrom: Oldies bei der Messe Retro Classics. Foto: Fabian Sommer/dpa

Stuttgart. Oldtimer gibt es derzeit in der Region Stuttgart gut viermal mehr als Elektroautos – fast 25.000 sind derzeit nach den Zahlen der Zulassungsstellen hier registriert. Das sind 12,1 Prozent mehr als vor einem Jahr. Von diesen Oldtimern sind rund 21.300 Pkw (plus 11,6 Prozent). Damit hat mehr als jedes vierte historische Fahrzeug im Land seinen Standort in der Region – 4803 davon im Landkreis Ludwigsburg. „Oldtimer sind für viele Menschen immer noch Traumautos, vor allem aber ein Traum, den sie sich erfüllen können“, interpretiert Torsten Treiber, Obermeister der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart, die Zahlen: „Zweistellige Zuwachszahlen hätten wir natürlich auch gerne in anderen Bereichen.“

Bei der Messe Retro Classics an diesem Wochenende treffen sich Fans der alten Autos wieder in Stuttgart, genauer: leicht außerhalb der Stuttgarter Gemarkung, denn die Landesmesse liegt nicht in Stuttgart, also außerhalb der Fahrverbotszone. Wobei die Fahrverbote nicht für Oldtimer gelten: „Aber wenn einer mit dem Euro-4-Diesel aus einem anderen Landesteil kommt, um sich Oldies anzuschauen, dann hat er so auch kein Problem“, sagt Innungsgeschäftsführer Christian Reher.

Stuttgart und die Region Stuttgart können als Herz der Oldtimerszene des Landes gelten: Fast 30 Prozent der landesweit zugelassenen Oldtimer stehen dort in Garagen, speziellen Hallen oder Präsentationsanlagen. Von den 4803 Oldies im Kreis Ludwigsburg sind 4114 Pkw. Vor einem Jahr waren es noch 4310 (Pkw: 3709). „11,4 Prozent Zuwachs binnen eines Jahres sind eine schöne Zahl“, sagt Markus Klein, Kreisvorsitzender der Innung.

Das Geschäft boomt seit Jahren: Seit 2012 ist die Zahl der Oldtimer in der Region nach den Daten der Zulassungsstellen um rund 82 Prozent gewachsen, im Kreis Ludwigsburg waren es rund 85 Prozent. Dabei handelt es sich unter anderem um Lkw, Pkw, Traktoren, Motorräder und Sonderfahrzeuge, etwa Wohnmobile.

Es gibt Innungsbetriebe, die sich auf Oldtimer spezialisiert haben. Sie haben ein spezielles Erkennungszeichen – das Zusatzschild „Fachbetrieb für historische Fahrzeuge“ zum blau-weißen Innungsschild. „Um dieses Schild zu bekommen, müssen sie sich zertifizieren lassen und einen festgelegten Pflichtenkatalog erfüllen“, sagt Reher. Für passenden Schraubernachwuchs ist auch gesorgt: „Oldtimerfachmann oder -frau darf sich nennen, wer in seiner Ausbildung eine spezielle Zusatzausbildung absolviert hat“, erklärt Treiber. Inzwischen werden an den Berufsschulen in Ludwigsburg, in Backnang und in Nürtingen entsprechende Kurse angeboten.

„Alte Autos oder besser historische Fahrzeuge werden immer wieder neue Freunde finden“ – da ist sich Treiber sicher. Denn über die Generationen hinweg gibt es unterschiedliche Motivationen, sich einen Oldtimer zuzulegen: „Das reicht vom Wunsch, ein Auto aus der Kaiserzeit zu fahren und mit der Technik umzugehen, mit der alles begann, bis zum Auto, mit dem sich besondere Erlebnisse verbinden, zum Beispiel der erste Kuss, schöne Urlaubsfahrten, die wilde Jagd zur Geburtsklinik.“

Die Gefahr, dass es künftigen Oldtimerbesitzern so geht wie Bertha Benz, die sich als erste Frau auf dem ersten Benz in der Stadtapotheke in Wiesloch den nötigen Sprit hatte besorgen müssen, sieht Treiber als gering an: „Die Entwicklung zur gesicherten Treibstoffversorgung auf Jahrhunderte hinaus ist längst eingeleitet, synthetische Treibstoffe werden in den kommenden Jahren eine immer größere Rolle spielen. Und der Verbrennungsmotor ist noch längst nicht ausgereizt.“ Es sei bewiesen worden, „dass der saubere Diesel geht, und der geht auch noch in 30 Jahren, wenn er zum Oldtimer wird“.

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