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Eglosheimer Straße

Ortsdurchfahrt wird Dauerbaustelle

Den Aspergern steht eine Großbaustelle ins Haus. Ab 2021 wird die zentrale Ost-West-Achse – die Eglosheimer Straße – zwei Jahre lang in drei bis vier Bauabschnitten gesperrt. Es wird das größte zusammenhängende Tiefbauprojekt in der Geschichte in der Stadt sein.

Zwei Jahre land soll die dringend nötige Sanierung der Eglosheimer Straße dauern. Foto: Holm Wolschendorf
Zwei Jahre land soll die dringend nötige Sanierung der Eglosheimer Straße dauern. Foto: Holm Wolschendorf
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Asperg. Die Sanierung ist überreif. Schon im Frühjahr 2017 wurde die Strecke quer durch Asperg etappenweise als die schlechteste Landesstraße im ganzen Landkreis Ludwigsburg eingestuft. Sie belegte damals Rang 52 von 1174 geförderten Sanierungsmaßnahmen in ganz Baden-Württemberg. Die Daten dafür wurden im Rahmen der Zustandserfassung und –bewertung von der Landesstelle für Straßentechnik für alle vier Regierungsbezirke erhoben.

Die Bewertung der Eglosheimer Straße fiel abgrundtief schlecht aus. Schlaglöcher, in denen sich tiefe Pfützen bilden können, waren nur ein Kriterium. Aber auch Spurrillen, Flicken und Unebenheiten. Außerdem flossen Länge und Breite der Straßen in das Ranking ein. Wie viele Fahrzeuge auf ihnen unterwegs sind, war ein weiterer Parameter.

Jetzt wird die Holperpiste, auf der über Jahrzehnte nur Flickschusterei betrieben wurde, in Angriff genommen – auf 900 Metern Länge zwischen der sogenannten Streicherkreuzung an der südlichen Alleenstraße und dem Abzweig zum „Adler“. Es ist die Verkehrsschlagader der Stadt, die täglich von über 16 000 Fahrzeugen befahren wird.

„Verkehrsbehinderungen werden unvermeidlich sein“, kündigt Bauamtsleiter Benjamin Durst vorsorglich an. Der innerörtliche Verkehr wird sich seinen Weg über Lehenstraße und Bahnhofstraße suchen, schätzt er. Der Durchgangsverkehr müsse dagegen großräumig und gut ausgeschildert vor der Stadt abgefangen werden, um ein totales Chaos zu vermeiden. „Wie, das wird noch mit dem Landratsamt ausgetüftelt werden müssen.“

Die große Herausforderung dabei ist: Einzelhandel, Gewerbe und die Schulen des IB wollen erreichbar bleiben – so wie die Anwohner auch möglichst ungehindert zu ihren Häusern kommen wollen. „Ganz ohne Einschränkungen wird das aber nicht funktionieren“, sagt Durst.

Sechs Millionen Euro Kosten

Vor allem aber muss die Feuerwehr, die ebenfalls an der Eglosheimer Straße liegt, zu jeder Tages- und Nachtzeit ausrücken können. Das bedeutet auch, dass die Einsatzkräfte im Alarmfall aus allen Richtungen schnellstmöglich zu den Einsatzwagen kommen müssen.

In die vertieften Planungen wird 2020 eingestiegen. 2021 soll mit dem Bau begonnen, 2023 die Einweihung gefeiert werden. Fest steht schon jetzt, dass alle Beteiligten mit ins Boot geholt werden sollen, damit dann für die nächsten 50 Jahre Ruhe ist. Bei dem Mammutprojekt müssen die Partner koordiniert werden, damit alles möglichst reibungslos läuft“, betont Durst. Er muss diesen anspruchsvollen Job wohl übernehmen. Die Bagger werden sich bis in vier Meter Tiefe beißen, um den 60 Jahre alten Doppelkanal herauszureißen und einen neuen, zusammengefassten Kanal zu verlegen.

Auch die komplette Wasserleitung ähnlichen Alters wird von den Stadtwerken erneuert, ebenso die Hausanschlüsse. Die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim werden die Gasleitungen erneuen, neue Stromleitungen verlegen die Netze BW. Durst geht davon aus, dass Telekommunikationsunternehmen Interesse haben dürften, Glasfaserverbindungen gleich mit zu ziehen. Die Stadt will vorsorglich ein Leerrohr als Reserve mit vergraben lassen.

Auch an der Oberfläche wird sich Vieles tun: Die Fahrbahn wird durchgehend 6,50 Meter breit und bekommt Flüsterasphalt. Die Kanaldeckel werden bodeneben verlegt, um Rollgeräusche zu verringern. Die Fahrbahn wird beidseitig von asphaltierten Gehwegen mit einer Breite zwischen zwei und 3,5 Metern flankiert. „Leider sind die zu schmal, um einen eigenen Radweg anzulegen“, bedauert Durst im Hinblick auf das ohnehin anstehende Radwegekonzept.

Es bleibt, wie gehabt, bei den rund 25 Pkw-Stellplätzen. Die aber werden auch baulich mit Rasensteinpflaster und eigenen Parkbuchten sichtbar gemacht. Dazwischen sollen zwei Dutzend robuste Bäume wachsen, die nicht nur Schatten spenden, sondern auch für Grün in der Asphaltwüste sorgen werden.

Die Querungshilfe zwischen Rewe und IB-Bildungszentrum mit Bäcker und Drogeriemarkt bleibt erhalten, wie auch die Druckknopfampel an der Wilhelmstraße. Was dagegen wegfällt, ist die Ampel an der dann verschlankten Kreuzung zur Osterholzstraße. „So etwas braucht eine reine Anliegerstraße nicht“, meint Durst. Und wer den Schleichweg weiter nutzen wolle, müsse sich in Zukunft beim Abbiegen eben etwas gedulden.

Auf sechs Millionen Euro wird das Gesamtprojekt vorsichtig geschätzt. Das Land wird sich daran mit 550 000 Euro beteiligen. Das Verlegen der Wasserleitung wird rund 700 000 Euro kosten, an der Stadt bleiben etwa 4,7 Millionen Euro hängen.

Was da auf Autofahrer und Anwohner zukommen wird, darauf gab es im Sommer 2018 einen Vorgeschmack. Damals war auf kurzer Strecke ein Gasleck direkt vor dem Lurer Platz zu flicken. Die Eglosheimer Straße war deshalb nur eine starke Woche lang gesperrt. Das Gemurre war trotzdem groß. Die Umwege auch.

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