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Beringung

„Personalausweise“ für Jungstörche

Die Landesstorchenbeauftragte Ute Reinhard hat gestern die meisten der 13 Jungstörche in der Kolonie Tripsdrill beringt. Einige Küken der neun Storchenpaare waren für die Aktion noch zu klein, andere schon zu alt.

Die Störche werden gewogen, nachdem sie beringt worden sind. Während sich die Jungstörche erholen, verlässt ein Altstorch den Horst. Fotos: Alfred Drossel
Die Störche werden gewogen, nachdem sie beringt worden sind. Während sich die Jungstörche erholen, verlässt ein Altstorch den Horst. Foto: Alfred Drossel
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Cleebronn. Seit fast 20 Jahren kümmert sich die aus Ludwigsburg stammende Ute Reinhard als Landestorchenbeauftragte um „Freund Adebar“ im Land. Gestern hat sie den Nachwuchs der Storchenkolonie Tripsdrill beringt. „Die Vögel bekommen ihren Personalausweis“, sagt sie. Die Störche im Land werden mit Elsa-Ringen beringt. Das ist ein Kunststoffring, der aus zwei Teilen besteht, die bei der Beringung fest ineinander gedrückt werden und dann miteinander verbunden sind.

Ute Reinhard deckt die Vögel erst einmal mit einem hellen Tuch ab, bevor sie ein Küken nach dem anderen anhebt und beringt. Die Küken fallen in eine Art Starre, die Akinese genannt wird: Die Jungstörche stellen sich dabei tot. Werden Störche beringt, wenn sie zu groß sind, besteht die Gefahr, dass sie abspringen. „Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass ein Jungstorch durchaus auch später noch in die Akinese fällt, nämlich dann, wenn er total hilflos ist.“

Danach werden die Vögel gewogen. Im ersten Horst lagen drei Jungtiere. Alle mit einem Gewicht von fast vier Kilogramm. „Das ist wunderbar“, sagt Reinhard. Sie schaut in die noch grauen Schnäbel und untersucht den ganzen Körper der Tiere, bevor sie die Vögel wieder behutsam zurücklegt.

Mit Hilfe dieses „Personalausweises“ wird es später möglich sein, den weiteren Lebenslauf des Storchs zu verfolgen und zu sehen, wo er etwa besonderen Gefahren ausgesetzt ist oder wo sie sich ansiedelt, wie Ute Reinhard sagt. Frühestens ab der fünften Lebenswoche bis maximal zur siebten Woche werden die Jungstörche in ihren Horsten beringt. Auf dem Ring steht ein aus Zahlen und Ziffern zusammengesetzter Code, über ihn wird der Storch später identifiziert. Auch der Name der Vogelschutzwarte in Radolfzell am Bodensee ist angegeben. Die Angaben wiederholen sich auf dem Ring in senkrechter Anordnung. Darüber hinaus ist für die Finder der Ringe auch eine Mailadresse angegeben.

Die Beringungsaktion in Tripsdrill hat schon eine Tradition, seit sich hier immer mehr Weißstörche ansiedeln. Ute Reinhard fährt mit der Hubbühne hinauf zu den Horsten und blickt in die Kinderstube. Die Storcheneltern lassen sich zunächst gar nicht stören, flüchten jedoch, kurz bevor die Hubbühne am Nest ankommt. Die Aktion in luftiger Höhe wird von Storchenvater vom benachbarten Dach aus genau beobachtet. Kaum ist die Storchenexpertin weg, schwebt der Altstorch wieder auf den Horst. „Alles in Ordnung“, freut sich Ute Reinhard.

Die Prozedur wird auf einem anderen Horst fortgesetzt. Die Beringungsaktion nimmt fast den ganzen Tag in Anspruch. „Für uns ist das wichtig, dass die Störche registriert werden, unterstreicht Andreas Fischer, der Verantwortliche für alle Tiere um Tripsdrill.

Baden-Württemberg könnte vor Brandenburg zum Storchenland Nummer eins in Deutschland werden, wenn auch die Vögel mitgezählt werden, die sich ihr Futter nicht selbstständig in der Natur suchen müssen. Nach einer Erhebung machten im vergangenen Jahr 1334 Storchenpaare im Südwesten Station, wie die Storchbeauftragte Ute Reinhard bestätigt. Zahlen von diesem Jahr gebe es aber erst im kommenden Februar. Dieses Jahr sei die Population regional unterschiedlich. Einige Tiere, die sich von Regenwürmern ernährten, hätten wegen der Trockenheit wochenlang zu wenig zum Fressen gefunden. Das könne sich jetzt nach dem Regen wieder ändern. Die aktuelle Coronakrise? Sie habe keine Auswirkungen auf die Störche, ist sich Ute Reinhard sicher.

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