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Verkehr

Petition erzürnt den Schultes

Mit einer Petition fordern mehr als 50 Bewohner von Beihingen ein „verbessertes Park- und Verkehrssystem“ für den Freiberger Stadtteil. Hintergrund ist ein geplanter Gebäudekomplex, in dem auf einem Parkplatz an der Ecke Benninger Straße/Mundelsheimer Straße 32 Wohnungen mit 50 Prozent gefördertem Wohnraum entstehen sollen. Dadurch würden rund zwölf Stellplätze wegfallen.

Auf diesem Parkplatz soll ein Gebäudekomplex mit 32 Wohnungen entstehen. Anwohner sehen Park- und Verkehrsprobleme auf sich zukommen. Foto: Ramona Theiss
Auf diesem Parkplatz soll ein Gebäudekomplex mit 32 Wohnungen entstehen. Anwohner sehen Park- und Verkehrsprobleme auf sich zukommen. Foto: Ramona Theiss
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Freiberg. Bürgermeister Dirk Schaible ist mächtig sauer. „Ich habe es satt, dass man alle Dinge, die in der Stadt realisiert werden sollen, für gut heißt, sie aber nicht vor der eigenen Haustür haben will“, schimpft der Verwaltungschef. Es sei nicht die Aufgabe der Stadt, öffentliche Parkplätze für Anwohner und deren Besucher zur Verfügung zu stellen. „Wenn ich eine Einschränkung der Bequemlichkeit von Anwohnern einem sozialen Wohnungsbau gegenüberstelle, ist für mich klar, was wichtiger ist“, so Schaible.

Grund seines Unmuts ist eine Petition, die er Anfang dieser Woche in seinem E-Mail-Posteingang vorfand. Darin halten es 56 Unterzeichner zwar für gut, dass die Stadt mehr Wohnraum schaffen will, den geplanten Bau auf dem Parkplatz am Ortsausgang Richtung Pleidelsheim zu realisieren, sehen sie allerdings kritisch. „Wir wollen, dass jeder gerne Besucher der Stadt Freiberg ist, ohne Probleme zu haben, seinen Pkw ordnungsgemäß abstellen zu können“, heißt es in der an den Bürgermeister gerichteten Petition. Die Mobilität werde den Menschen immer wichtiger. Bewohner des geplanten Wohnkomplexes hätten künftig keine Möglichkeit, Besucher zu empfangen, die mit dem Pkw anreisen, heißt es in dem von Josefin Hummel verfassten Schreiben. Und weiter: „Zudem sehen wir mit dem Bau der Wohnkomplexe und der fehlenden öffentlichen Parkplätze eine erhebliche Verschlechterung des ohnehin außerordentlich schlechten Verkehrs der zwei Kreuzungen Mundelsheimer Straße/Benninger Straße sowie Talstraße/Benninger Straße.“

„Ich persönlich finde es gut, dass es sozialen Wohnungsbau geben wird und dass die Leute meine Nachbarn werden“, sagt Josefin Hummel im Gespräch mit unserer Zeitung. Doch ihrer Meinung nach würden die Häuser zu nah an die Straße gebaut. Durch die Einfahrt in die Tiefgarage des geplanten Neubaus würden die Autofahrer insbesondere im Berufsverkehr behindert. Außerdem hätten Paket- und Lebensmittelzusteller, die Müllabfuhr aber auch der Rettungsdienst keine Möglichkeit, vor dem Haus anzuhalten, ohne den Verkehr aufzuhalten.

Die Unterzeichner der Petition äußern ihre Bedenken darüber, dass es in ihrer Nachbarschaft für rund 80 Anwohner künftig nur noch fünf Abstellplätze geben wird. „Wir wollen nicht, dass die prekäre Parkplatzsituation unsere gute Nachbarschaft zerstört und wollen auch mit unseren zukünftigen Nachbarn des neuen Wohnkomplexes ein gutes Nachbarschaftsverhältnis pflegen und uns nicht um die wenigen Parkplätze streiten müssen“, heißt es in der Petition.

Als eine von mehreren Möglichkeiten zur Lösung des Problems schlagen die Anwohner vor, unter den geplanten Wohnhäusern eine zweistöckige Tiefgarage zu bauen. Ein Geschoss soll öffentlich und ein Geschoss nur von Anwohnern genutzt werden dürfen. Eine Idee, die bei Bürgermeister Schaible auf Unverständnis stößt. „Das finde ich dreist“, sagte er. Pro Familie gebe es immer mehr Autos und viele Garagen würden als Lagerraum zweckentfremdet. Da könne es nicht die Aufgabe der Stadt sein, kostenlosen Parkraum zur Verfügung zu stellen. „Unter dem Deckmantel des öffentlichen Interesses wird hier versucht, ein persönliches Anliegen durchzusetzen“, so Schaible. Wer mehrere Autos habe oder zu Besuch komme, müsse auch mal einen längeren Weg in Kauf nehmen. „Es ist kein Drama, ein paar Meter zu Fuß zurückzulegen. Aber es ist ein Drama, zu wenig sozialen Wohnraum zu haben.“

Was die Verkehrsproblematik anbelangt, ärgert sich der Freiberger Verwaltungschef, „dass jeder etwas zum Thema beitragen will, ohne die Fakten zu kennen“. Ein Kreisverkehr an der Kreuzung sei untersucht und als nicht machbar deklariert worden. Schaible: „Das muss man endlich mal akzeptieren.“ Eine Abbiegespur bezeichnet er als „Scheinlösung“. Zudem sei die Mundelsheimer Straße eine Landesstraße und liege im Zuständigkeitsbereich des Regierungspräsidiums. Für eine Entlastung des Knotens eigne sich die Schwörer-Trasse, eine alte Planungsvariante einer Umgehung, die vom Industriegebiet Neckar über den Neckar bis zur Landesstraße Richtung Pleidelsheim führt.

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