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Müllvermeidung

Pfandsystem für Gastronomie und Handel

Rund 30 Gastronomiebetriebe, aber auch Bäcker und Metzger, die Essen anbieten, bekommen von der Stadt Bönnigheim bald einen Brief, in dem sie eingeladen werden, bei einem Pfandleihsystem für nachhaltige Essensboxen mitzumachen. Der Verwaltungsausschuss des Gemeinderates hat beschlossen, jeden Betrieb mit einem Startkapital von 250 Euro zu fördern.

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Birgit Papendorf mit dem Pfandsystem, das in Bönnigheim eingeführt werden soll.Foto: Drossel
Birgit Papendorf mit dem Pfandsystem, das in Bönnigheim eingeführt werden soll. Foto: Drossel

Bönnigheim. Die Stadt Bönnigheim macht sich für Müllvermeidung stark und will für Handel und Gastronomie in der Ganerbenstadt ein Pfandsystem mit Mehrweggeschirr etablieren. Der Stadtrat und frühere Wirt Atinojenis Papadopolous (UWG) bezeichnete das geplante Pfandsystem als eine gute Sache. Er werde bei seinen Kollegen dafür werben, sagte er am Donnerstagabend im Verwaltungsausschuss. Bürgermeister Albrecht Dautel betonte, dass Nachhaltigkeit, Mülltrennung und Recycling auch in der aktuellen Situation wichtige Themen seien. Ein Anstieg von Einwegverpackungen sei während der Coronapandemie deutlich zu erkennen. Die Reduzierung von Verpackungsmüll schone die Umwelt und tue dem Stadtbild gut. Die Verwaltung sehe mit der Einführung von „Mehrweggeschirr-to-go“ eine gute Möglichkeit, einen Beitrag zur Müllvermeidung zu leisten, betonte der Schultes. Denn einer Erhebung der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung zufolge betrug im Jahr 2017 die Menge an Müll durch Einweggeschirr und to-go-Verpackungen deutschlandweit 346000 Tonnen. Dem will man in Bönnigheim entgegenwirken.

Birgit Papendorf vom Fachbereich Kultur und Soziales stellte das System der Mehrwegboxen vor, das von der Firma Daniel und Stefanie Fischer, einem Start-up-Unternehmen aus Cleebronn, entwickelt wurde und in Brackenheim schon eingeführt ist. Das Mehrweggeschirr soll von der Bönnigheimer Gastronomie als Pfandsystem installiert werden. Angeboten werden eine Essensschale mit Einsatz und Deckel mit einem Volumen von 1,1 Litern und ein Becher mit Deckel mit einem Fassungsvermögen von 0,3 Litern.

Und so funktioniert es: Der Kunde oder die Kundin geht ohne Box zu einem Gastronomiebetrieb und bestellt Essen. Es wird der Betrag des Essens plus Pfandgebühr – Schale 5 Euro, Becher 2,50 Euro – für die Mehrwegbox fällig. Oder der Kunde oder die Kundin bringt die Mehrwegbox mit und bestellt ein Gericht. Das Essen wird in einer neuen, vom Betrieb gespülten Box angerichtet und das Pfand mit der abgegebenen Box verrechnet. Je mehr Gastronomiebetriebe sich an diesem System beteiligten, desto einfacher werde die Handhabung für die Kundschaft, da die Boxen überall erhalten und auch wieder abgegeben werden könnten, erläuterte Birgit Papendorf.

Ein Beitrag für den kommunalen Klimaschutz

„Ziel soll es sein, dieses System in der Bönnigheimer Gastronomie flächendeckend zu implementieren“, betonte Papendorf. Unterstützung erhält die Stadt dabei von der Cleebronner Firma „Local-to-go“. Das Unternehmen kümmert sich beispielsweise darum, neues Geschirr anzuschaffen, wenn die Boxen beschädigt oder abgenutzt sind, oder hilft auch bei der Neukundengewinnung. Dieses Pfandsystem solle auch nach der Coronapandemie erhalten bleiben, da es einen positiven Beitrag zum kommunalen Klimaschutz durch Ressourceneinsparung leiste und zu einem nachhaltigen Denken und Handeln anrege, sagte Papendorf. Vorteile biete das System auch für die Gastronomen, die sich nicht nach Alternativen zum Einwegplastik umschauen müssten.

Auf die Gastronomen und Einzelhandelsbetriebe kommen Anschaffungskosten für die Boxen zu. Die Stadt will mit einem Beitrag von 250 Euro bei den Kosten den Start unterstützen.

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