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Ökologiekonzept Pleidelsheim

Pflanzenvielfalt deckt Insekten den Tisch

„Traue keinem Garten, in dem kein Unkraut wächst“, warnt Sabine Holmgeirsson. Die Fachbeauftragte des Nabu Baden-Württemberg hielt zum Start der Umsetzung des Pleidelsheimer Ökologiekonzepts einen Vortrag über Wildbienen und Insekten in Gärten und Gemeinden.

Wildbiene auf Nahrungssuche. Die Gemeinde Pleidelsheim hat mit der Umsetzung ihres Ökologiekonzepts begonnen.Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Wildbiene auf Nahrungssuche. Die Gemeinde Pleidelsheim hat mit der Umsetzung ihres Ökologiekonzepts begonnen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Pleidelsheim. Vor einem Jahr haben die unabhängige Wählervereinigung WIR und die offene Grüne Liste einen Antrag auf ein Naturschutzkonzept gestellt, mit dem Ziel, Biodiversität in der Gemeinde zu bewahren und zu fördern. Dem hat der Gemeinderat mehrheitlich zugestimmt. Bürgermeister Ralf Trettner übernahm die Schirmherrschaft. „Es ist wichtig, die Vielfalt der Natur auf breiter Basis in der Bevölkerung zu verankern“, meinte er bei der Begrüßung am Donnerstagabend. Von Reden alleine werde die Umwelt nicht geschützt, man müsse auch etwas dafür tun. Im Haushalt und vor der eigenen Haustür, appellierte er an jeden einzelnen Einwohner, aktiv zu werden. „Natur braucht Gegenwart und Zukunft, und zwar schnell.“ Denn der Klimawandel sei überall spürbar.

„Wir wollen nicht vorschreiben, was gemacht werden muss, sondern miteinander entwickeln, was sinnvoll und umsetzbar ist“, beschreibt die Leiterin des Umweltamtes, Annegret Bartenbach, die Methode. Jeder könne Ideen einbringen und Tipps zur Umsetzung geben. „Wir sind offen für alles.“ Umweltschutz vom Bürger für den Bürger. So stellte sie selbst ein paar Möglichkeiten für Gemeindeflächen und in der Landwirtschaft vor. Wo immer möglich, sollten weniger Dünge- und Pflanzenschutzmittel ausgebracht werden, als gesetzlich erlaubt. Seitens des Bauhofs werden außerdem an der einen oder anderen Stelle blühende Wiesen nicht gemäht. Die Initiatoren der Aktion, Dieter Rohr und Ulrike Bender von den Grünen sowie Albrecht Reuter und Christl Staudenmaier (WIR), nahmen sich der Themen private Gärten und Balkone, Streuobstwiesen und Tierwelt an.

Es müssten nicht immer Monokulturen aus Geranien und Fuchsien sein, sagte Bartenbach. Vielfalt decke den Insekten den Tisch über das ganze Jahr. Sabine Holmgeirsson ist das Einheitsgrün aus ewig kurz geschorenem Rasen, Koniferen und Kirschlorbeer ein Gräuel, ganz abgesehen von den modernen Steinbeeten, in denen gar nichts mehr wächst, sondern sich nur die Hitze staut. „Zwei Quadratmeter, wo wachsen darf, was wachsen will, reichen aus“, sagte sie.

Im Bürgersaal standen vier Kisten mit blühenden und duftenden Pflanzen, die Wild- und Honigbienen, Hummeln und andere Insekten über das ganze Jahr ernähren. Denn sie bestäuben 80 Prozent aller Nutz- und Kulturpflanzen sowie 90 Prozent der Wildpflanzen. Ohne sie stehe die Landwirtschaft laut Holmgeirsson vor einer unlösbaren Aufgabe. Hecken, Gehölze und Feuchtbiotope müssten erhalten werden. Es müsse Brachen geben, in denen zum Beispiel Hummeln und Wildbienen bodennah siedeln können.

Private Insektenhotels seien gut gemeint, blieben aber oft unbewohnt, weil in der Umgebung nicht ausreichend Nahrung ist. Generell sollte hier die Giftkeule nicht geschwungen werden. So lautet das Fazit der Nabu-Expertin: „Die Gesamtsituation der Lebensbedingungen muss stimmen.“ Insekten seien ein Glied der Nahrungskette, Recycling-Spezialisten, Müllabfuhr sowie Landschaftsgärtner. Sie lieferten Grundstoffe für Medizin und Pharmazeutik, produzierten Naturstoffe wie Honig, Wachs und Seide.

Durch die Versiegelung von Boden werde den Insekten die Lebensgrundlage entzogen. 2017 seien es in Baden-Württemberg knapp acht Hektar täglich gewesen. Politik sei zu schwerfällig, um schnelle Maßnahmen zu ergreifen. Die Kommunen hätten mit ihren Flächennutzungs- und Bebauungsplänen ein Instrument zur Steuerung in der Hand. Etwa über die Pflanzgebote oder dem Verbot von Steinbeeten sowie Pestiziden wie das hoch umstrittene Glyphosat. Es sei aber falsch, diese Zukunftsaufgabe alleine den Kommunen und der Landwirtschaft aufzulasten. Auch im privaten Kleinen könne Großes erreicht werden.

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