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Pfusch am Kreisverkehr

So richtig viel Freude macht der neue Kreisverkehr der Gemeinde Murr bislang nicht: Schon seit Dezember fehlen die Markierungen und jetzt sind auch große Mängel in der Deck- und der Tragschicht zutage getreten.

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murr. Diese Mängel sind so gravierend, dass der Kreisverkehr Anfang Oktober fünf Tage lang voll gesperrt werden muss, damit die Schäden behoben werden können. Das hat die Gemeinde fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem Baustart für das Bauwerk an der Kreuzung Bietigheimer Straße/Bei der Bergkelter/Im Langen Feld bekanntgegeben.

Für Bürgermeister Torsten Bartzsch ist die Geschichte „sehr ärgerlich und unbegreiflich“. Wie er im Gespräch mit unserer Zeitung sagte, seien die Mängel bei einer Kontrolle durch das Verbandsbauamt entdeckt worden. Dabei werden im fertigen Belag Probebohrungen vorgenommen und so die Zusammensetzung der verschiedenen Asphaltschichten untersucht. Dabei zeigte sich, „dass die Tragschicht in größeren Bereichen nicht fachgerecht aufgebracht wurde“, so der Bürgermeister. Tatsächlich könne man schon mit bloßem Auge leichte Setzungen erkennen, in denen sich Pfützen bildeten. Auch der Endbelag sei „nicht so eingebaut worden, dass er den Anforderungen genügt“.

Ebenso ärgerlich wie der Pfusch am Bau ist aus Sicht des Bürgermeisters die Tatsache, dass die Mängel erst in zwei Monaten behoben werden können; „aber wegen voller Auftragsbücher und der Bauferien ist früher nichts zu machen“, so Bartzsch. Man wolle die Arbeiten in der „kurzen“ Woche mit dem Feiertag erledigen lassen, „wir hoffen, dass sich dann die Einschränkungen für die Autofahrer und die Händler im Langen Feld in Grenzen halten“.

Ein – wenn auch schwacher – Trost: Finanziell haben weder Gemeinde noch Landkreis, die den fast eine Million Euro teuren Kreisel gemeinsam bezahlt haben, Einbußen zu befürchten. „Die Firma hat die Mängel anerkannt“, so Bartzsch, wenn auch keine Erklärung für die offenbar schlampig ausgeführten Arbeiten geliefert.

Aus diesem Grund wird es jetzt weitere zwei Monate dauern, bis tatsächlich die Markierungen aufgebracht werden können. Die fehlen schon seit der Fertigstellung des Kreisverkehrs im Dezember 2018. Ursprünglich sollten sie nach der Frostperiode aufgebracht werden. An Ostern hatte der Kreisverkehr immer noch keine Markierungen, dafür wurde die Kreiselmitte aufwendig gestaltetet: mit einer überlebensgroßen Skulptur, die an die Flößervergangenheit der Gemeinde erinnert.

Die Markierungsarbeiten sollten dann Ende Juni erfolgen. Als Grund für die Verzögerungen bis dahin galt unter anderem eine Anregung des Landratsamtes, das vorgeschlagen hatte, die Mittelinsel auf der Zufahrt vom Ort her zu verbreitern, weil hier auch ein Zebrastreifen angelegt werden soll. Diese planerische Änderung hatte wiederum die mit den Markierungsarbeiten beauftragte Straßenbaufirma in die Bredouille gebracht, weil die mit Aufträgen ausgelastet war.

Nun mag man einwenden, dass Markierungen für einen Kreisverkehr nicht das entscheidende Element sind, im Murrer Fall ist das ein wenig anders. Denn der Kreisverkehr musste dem leicht „hängenden“ Gelände angepasst werden, so dass man sich bei der Einfahrt von der Landesstraße her ein wenig wie in einer Steilwandkurve fühlt – und dem Vernehmen nach testen nicht wenige Autofahrer ihr Können und das ihres Wagens im Kreisverkehr aus. Die Markierungen sollen deshalb die Autos ausbremsen und für mehr Verkehrssicherheit sorgen.

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