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Kriminalität

Plakataktion soll die Öffentlichkeit sensibilisieren

Die Stadt Marbach und die Polizei verstärken ihre gemeinsamen Anstrengungen gegen die Gruppierung „Streetfighter 672“. Mit einer Plakataktion soll die Öffentlichkeit auf die Problematik aufmerksam gemacht, aktiv um Zeugenhinweise geworben werden.

Mit einer Plakataktion gingen Stadt und Polizei im vergangenen Sommer gegen die Streetfighter vor. Archivfoto: Theiss
Mit einer Plakataktion gingen Stadt und Polizei im vergangenen Sommer gegen die Streetfighter vor. Foto: Theiss

marbach. Dass Peter Kolwe als Leiter des Marbacher Polizeireviers und Bürgermeister Jan Trost die neuen Plakate gestern vorgestellt haben, kommt nicht von ungefähr: Mitte nächster Woche beginnt die Schule wieder, und deshalb wollen Polizei wie Kommune klarmachen: Die Streetfighter sind über die Ferien nicht in Vergessenheit geraten, sondern sie bleiben im Blickfeld.

In den vergangenen Monaten sind die Streetfighter in Marbach und den umliegenden Gemeinden Steinheim, Murr und Benningen zu einem Problem geworden: Mitglieder der Gruppierung – die Polizei spricht bewusst nicht von Gang, weil es keine klaren Strukturen gibt – haben Kindern und Jugendlichen ihre Handys abgenommen, es kam nach Erkenntnissen der Polizei zu Vandalismus, Sachbeschädigung, Erpressung, Einschüchterung, zu Widerstand gegen Beamte und zu Körperverletzungen. Von teils „brutaler Gewalt“ sprach der Ludwigsburger Polizeipräsident Burkhard Metzger (wir berichteten).

Als Reaktion auf diese Entwicklung haben Polizei und Stadt den Aufbau eines kommunalen Präventionsnetzwerkes vereinbart. Mittlerweile befasst sich eine gesonderte Ermittlungsgruppe der Polizei mit den Straftaten, einschlägige Treffpunkte wie der Marbacher Bahnhof, aber auch die Schulen werden stärker kontrolliert. Das zeige bereits Wirkung, sagt Peter Kolwe, wenn es auch teilweise nur zur Verlagerung der Treffpunkte gekommen sei. „Aber dass wir häufiger anwesend sind, wird sehr wohl registriert“, erklärt der Marbacher Revierleiter. Die anfängliche Häme, mit denen vor allem in den sozialen Medien auf die Offensive von Stadt und Polizei reagiert worden sei – „die können uns gar nichts“ – habe sich jedenfalls gelegt.

Flankierend zu den verstärkten Kontrollen rufen Stadt und Polizei im Rahmen der kommunalen Kriminalprävention nun mit Hilfe von Plakaten und Flyern dazu auf, verdächtige Beobachtungen oder Straftaten zu melden; beim Revier Marbach ist eine Hotline 24 Stunden besetzt. Außerdem gibt es einen QR-Code, mit dessen Hilfe zum Beispiel Fotos oder Videos von Aktionen der Streetfighter an die Polizei übermittelt werden können. „Wir wollen bewusst eine sehr niederschwellige Möglichkeit schaffen, mit uns in Kontakt zu treten“, sagt Markus Geistler vom Polizeipräsidium Ludwigsburg. Und: „Es hilft nicht, wegzuschauen; diesem Phänomen auszuweichen, macht es nur schlimmer. Diese Philosophie wollen wir vermitteln.“

Natürlich ist Peter Kolwe bewusst, wie schwierig es ist, gerade das Schweigen der Betroffenen zu brechen. „Häufig kennen sich Täter und Opfer, besuchen die gleiche Schule. Und natürlich wird mit Repressalien gedroht, sollte jemand mit uns reden.“ Deshalb sollen die Plakate auch die Eltern sensibilisieren, und mit den Lehrern und Schulleitern auf dem Marbacher Campus sind ebenfalls nach den Ferien Gespräche angesetzt.

Eine wichtige Aufgabe im Kampf gegen die Streetfighter – die Zahlenkombination 672 leitet sich übrigens aus der Marbacher Postleitzahl ab – kommt nach Auffassung von Jan Trost den Schulzsozialarbeitern zu, und da gab es in der jüngsten Vergangenheit Defizite. Wegen Elternzeit und Krankheit sind von den 2,25 Stellen, die dem Bildungszentrum zugeordnet sind, derzeit nur 1,5 besetzt. Die Stelle am Gymnasium wird erst ab Januar wieder besetzt sein. Für die Grundschule hat der Gemeinderat ebenfalls eine volle Stelle bewilligt, sie ist ausgeschrieben. Trost geht nicht davon aus, dass sie noch dieses Jahr besetzt werden kann.

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