Logo

Weihnachten

Preise für Weihnachtsbäume bleiben stabil

Viele Neupflanzungen in diesem Sommer vertrocknet – Folgen sind in etwa sieben Jahren zu spüren – Händler: Kunden achten mehr auf Regionalität

350_0900_21152_Baum_FREI.jpg

Kreis Ludwigsburg.. Die Spitze sollte nicht zu lang und nicht zu kurz sein, also zwischen 25 und 30 Zentimeter betragen; die fünf bis sieben Seitenzweige sollten gleichmäßig verteilt, die Nadeln weich und sattgrün, der Anschnitt nicht vertrocknet sein. So sieht ein Weihnachtsbaum der sogenannten A-Qualität aus, das A steht für hohe Qualität – und die fragen laut Martin Rometsch immer mehr Leute nach. „Viele wollen zu Weihnachten einen makellosen Baum“, sagt der Geschäftsführer des 1990 gegründeten Christbaumverbands Baden-Württemberg.

Die Preise bleiben in diesem Jahr stabil, sagt Rometsch: Der laufende Meter in A-Qualität koste zwischen 18 und 24 Euro. In ländlichen und waldreichen Regionen könnte der Preis eher im unteren Bereich dieser Spanne liegen, beim Verkauf in städtischen Gebieten eher im oberen – weil der Transport dorthin aufwendiger sei. Für eine etwa zwei Meter hohe Nordmanntanne seien im ländlichen Raum also um die 35 Euro, in städtischem Gebiet etwa 40 Euro zu zahlen, erklärt Rometsch.

Rund 2,5 Millionen Bäume werden im Südwesten gekauft

In Deutschland würden weltweit die meisten Weihnachtsbäume verkauft – 23 bis 25 Millionen Stück jährlich, wie über Marktumfragen herausgefunden worden sei. In Baden-Württemberg werden laut Rometsch in jedem Jahr im Schnitt etwa 2,5 Millionen Bäume erworben.

Etwa 80 Prozent aller verkauften Weihnachtsbäume seien Nordmanntannen – die mit ihrer Pfahlwurzel tiefere Wasserregionen erreichen und deshalb lange Trockenzeiten im Sommer gut aushalten könnten. „Wegen dieser pflanzenspezifischen Eigenschaften ist unsere Branche mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt Rometsch über den außergewöhnlich langen und trockenen Sommer dieses Jahres.

Doch viele in diesem und im vergangenen Jahr gepflanzten Bäume sind vertrocknet – „es gibt Betriebe, in denen 100 Prozent der Jungpflanzen davon betroffen sind“, weiß Rometsch.

Im „Weihnachtsbaumparadies“ in Löchgau sind, je nach Art, zwischen 30 und 80 Prozent der Jungbäume vertrocknet, sagt Slawomir Raducki, der zusammen mit seinem Bruder Michael Weiß den Verkauf in dem kleinen Ortsteil Weißenhof organisiert – in diesem Jahr..war..am..24. November offizieller Start. Die jetzt vertrockneten Jungbäume würden in fünf bis acht Jahren auf dem Markt fehlen. Deshalb, sagt Raducki, könnten die Preise für Bäume in einigen Jahren steigen.

In Prevorst seien zwischen 50 und 60 Prozent der Jungbäume vertrocknet, sagt Harald Kunz, Vorsitzender des ortsansässigen Christbaumvereins. Der organisiert in dem zu Oberstenfeld gehörenden Weiler in den Löwensteiner Bergen jedes Jahr einen Markt (in diesem Jahr am zweiten, dritten und vierten Advent), bei dem Christbaumbauern laut Kunz insgesamt mehrere Tausend Exemplare verkaufen. Die Bäume werden wochenweise geschlagen – das erste Mal in der vergangenen Woche.

Je nach Wuchs und Schönheit koste eine 2,40 Meter hohe Nordmanntanne zwischen 35 und 45 Euro, sagt Kunz. Welche Trends es zuletzt gegeben habe? Der Prevorster Vereinsvorsitzende antwortet das, was auch andere befragte Verkäufer im Landkreis Ludwigsburg auf diese Frage erwidern: Die Kunden möchten Bäume aus der Region. Verbandsgeschäftsführer Rometsch spricht von einem „Bewusstsein für die Herkunft“, die Bäume sollen nicht über große Distanzen transportiert worden sein, bevor sie im Wohnzimmer aufgestellt werden, die Umwelt solle darunter nicht leiden. Raducki beispielsweise betont, dass seine Bäume „zu hundert Prozent aus eigenen Kulturen in Löchgau“ stammen.

Eine weitere übereinstimmende Antwort aller Befragten: Kunden kaufen eher kleinere, schlankere Bäume als in den Vorjahren. Und: Immer beliebter werde, Bäume selbst zu schlagen. „Es geht um das frische Produkt“, sagt Raducki. „Wie beim Metzger und beim Bäcker.“

Verkäufe an diesem und am nächsten Wochenende

„Die ganz großen Bäume wollen die Leute nicht mehr“, sagt Michael Wieland. Der Großerlacher verkauft seit 19 Jahren Bäume, unter anderem an zwei Dezembertagen auf einem Feld bei Möglingen (in diesem Jahr morgen und am dritten Advent). An diesen beiden Sonntagen gibt es nur zwei Preise: 19,90 Euro bei bis zu 1,70 Meter großen Bäumen und 29,90 Euro bei höheren Exemplaren.

Fast 50 Jahre ist es her, dass Jürgen Stirms Vater damit begann, Christbaumkulturen anzubauen. Heute ist der 46 Jahre alte Sohn dafür zuständig. Der Baumverkauf auf dem Hof des Obstbaubetriebs in Marbach-Rielingshausen läuft seit November – die ersten Käufer waren, wie in anderen Betrieben auch, Geschäftskunden, die etwa Firmengebäude oder kommunale Einrichtungen schmücken wollten. Stirm hatte in den vergangenen Jahren auch schon Kunden, die wünschten, dass ihre Bäume nach dem Mondkalender geschlagen werden.

Trotz des Trends zum Selberschlagen – „die Masse kauft geschlagene Bäume“, sagt Beate Haas, Gärtnerin in der Baumschule Müller im Ludwigsburger Ortsteil Poppenweiler. Offizieller Verkaufsstart für Privatkunden war in dieser Woche. Auch mehrere Arten von Ballenpflanzen sind dort im Angebot – Bäume mit Wurzelballen, die in Erde und Topf gekauft werden können. Haas sagt, dass manche Käufer solche Exemplare nach Weihnachten im Garten einpflanzen – um sie ein knappes Jahr später wieder als Weihnachtsbaum zu verwenden.

Die Preisspanne zwischen einzelnen Baumarten ist beträchtlich, wie Christian Klein von der Kornwestheimer Einkaufsgärtnerei Klein erklärt (wo der Verkauf offiziell vor einer Woche startete). Eine etwa zwei Meter hohe Blaufichte koste um die 25 Euro, „das ist aber nur eine Tendenz“, so Klein. Rotfichten seien noch günstiger, „werden aber kaum noch verlangt, weil die schnell nadeln“. Ein zwei Meter großes Exemplar der hochwertigen Nobilistanne dagegen koste etwa 75 Euro. „Der Preis hängt aber immer von der Wuchsform ab“, sagt Klein: „Je dicker und gleichmäßiger der Baum ist, desto teurer ist er.“

Online-Umfrage: Wie viel Euro sind Sie bereit, für einen Christbaum zu bezahlen? Stimmen Sie ab unter www.lkz.de.

Autor: