Logo

Sanierung

Problembrücke: Freigabe erst im Dezember statt Juni

Neue Schäden bei Stahlmittelstützen von Bauwerk in Korntal – Zugverkehr verhindert rasche Behebung

Die Brücke über die Gleise und die Südstraße Richtung A 81 wird seit April 2020 saniert. Archivfoto: Andreas Becker
Die Brücke über die Gleise und die Südstraße Richtung A 81 wird seit April 2020 saniert. Foto: Andreas Becker

Korntal-Münchingen. So langsam dürften den Verantwortlichen der Stadt Korntal-Münchingen die Vergleiche ausgehen, wenn sie über die schon von Anfang an mit Problemen behaftete Sanierung der Brücke in der Weilimdorfer Straße nahe des Korntaler Bahnhofs sprechen. Mussten schon Stuttgart21 und der (damals noch nicht eröffnete) BER herhalten, so nannte Bürgermeister Joachim Wolf das Projekt zuletzt „das Waterloo“ für die Stadt – das sich nun noch weiter auswächst. Denn fertig werden die Arbeiten nicht diesen Monat, wie die Baustellenschilder verkünden –, sondern erst im Dezember, so teilt es zumindest die Stadtverwaltung auf LKZ-Anfrage mit. Damit wäre man dann am Ende zwei Jahre später dran als ursprünglich kalkuliert – bei einer laut Planung von Anfang 2018 vorgesehenen Sanierung über rund sechs Monate und mit Kosten von einer halben Million Euro, die eine Lebensdauer von weiteren 75 Jahren für das Bauwerk von 1941 bringen soll.

Weitere Nachtarbeiten nötig

Der Grund für die erneute Verzögerung liegt wie schon beim letzten Mal Anfang 2021 in Schäden an den Stahlmittelstützen, die nochmals massiver sind als bislang bekannt und damals eine Kostensteigerung von zwei auf drei Millionen Euro nach sich zogen. Eine rasche Fortsetzung der Arbeiten ist nun aber nicht möglich, da diese nur dann gemacht werden können, wenn nachts keine Züge fahren – aus diesem Grund und weil zunächst Genehmigungen der Deutschen Bahn erforderlich sind, hatte es zu Jahresbeginn schon einmal über mehrere Wochen einen faktischen Baustopp gegeben – ein Abbruch der Arbeiten war angesichts der Bedeutung der Brücke aber kein Thema. Die Bahnvorgaben machen das ganze Projekt aber auch teurer. Das gilt zum einen wegen der Nachtschichten, aber auch, weil zur Behebung der im Frühjahr festgestellten Probleme eine 1,50 Meter dicke Wand aus Beton installiert werden muss, um die korrodierten Füße der Mittelstützen gegen einen Zusammenbruch zu stärken. Nur deren Austausch ist laut Bahn nicht zulässig.

Nach der entsprechenden Abstimmung können die neuerlichen Arbeiten nun ab der Nacht des 21. Juni starten und bis Oktober dauern. Eine Aussicht, die auch die Anwohner wenig freuen dürfte, denn: „Hierbei kann es zeitweise zu Lärmbelästigungen kommen, die sich leider nicht gänzlich vermeiden lassen“, so die Stadt.

Ohnehin hat sich in dem Gebiet schon eine neue Großbaustelle aufgetan: Die lange brach liegende Fläche zwischen Brücke und Bahnhof wird seit Anfang Mai ausgehoben. Hier baut die Bietigheimer Wohnbau ein Gebäude für den Discounter Lidl mit 33 Wohnungen darüber – das einst geplante Hotel wird aber nicht verwirklicht. Damit hatte so mancher übrigens auch für das ganze Projekt gerechnet. Denn die Pläne für die Bebauung existieren schon länger: Ende 2005 hatte Lidl der Bahn das 1,2 Hektar große Grundstück abgekauft. Verzögert wurde das Ganze seitdem vor allem wegen der Lösungssuche nach Lärmschutz für die künftigen Bewohner, auch artenschutzrechtliche Fragen – lange lag deshalb eine Eidechsen-Vergrämungsfolie – spielten eine Rolle.

Autor: