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Laiern-Erweiterung

Protest gegen zusätzliches Gewerbe

Landwirte wehren sich gegen Vergrößerung des Gewerbegebiets – Behörden verfügen Abbau der Protestplakate

Zwei solcher Plakatwände stehen an der Landesstraße Bissingen-Tamm. Das Bietigheim-Bissinger Baurechtsamt hat jetzt auf Druck des Landratsamtes die Beseitigung verfügt.Foto: Alfred Drossel
Zwei solcher Plakatwände stehen an der Landesstraße Bissingen-Tamm. Das Bietigheim-Bissinger Baurechtsamt hat jetzt auf Druck des Landratsamtes die Beseitigung verfügt. Foto: Alfred Drossel

Bietigheim-bissingen. Tamm möchte sie, der Bietigheim-Bissinger Gemeinderat zunächst nicht: die Erweiterung des Gewerbegebiets Laiern, südlich von Bissingen. Drei dort ansässige landwirtschaftliche Betriebe wehren sich gegen die weitere Industrieansiedlung und haben großflächige Plakatwände aufgestellt. Ende vergangener Woche hat das Baurechtsamt verfügt, dass die Plakatwände entfernt werden müssen.

Das Gebiet des Zweckverbands Laiern, dem Bietigheim-Bissingen und Tamm angehören, soll auf 75 Hektar vergrößert werden. Zunächst war ein 20 Hektar großes Gebiet geplant, doch dann einigte man sich intern auf eine reduzierte Variante mit 13 Hektar. Die geplante Erweiterung soll am südöstlichen Ortsrand von Bissingen zwischen den Gärtnereien im Erlengrund und Tamm, südlich der Ludwigsburger Straße, verlaufen.

Doch auch diese Erweiterung des Gewerbegebietes Laiern gilt als umstritten, sie wurde vom Gemeinderat in Bietigheim-Bissingen bereits das zweite Mal abgelehnt. In der Nachbargemeinde Tamm hingegen wird händeringend nach neuen Flächen für Einnahmen aus der Gewerbesteuer gesucht. Die Stadtverwaltung von Bietigheim-Bissingen hat die Erweiterungspläne bisher immer unterstützt. Doch auch für sie hat die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur zunächst Vorrang.

Gerhard Kiemle von der gleichnamigen Gemüsegärtnerei im Bissinger Erlengrund weist darauf hin, dass das Gebiet zwischen Bissingen und Tamm, ein gärtnerisch-landwirtschaftliches Siedlungsgebiet darstelle. Dies solle zur Erhaltung des typischen Landschaftsbildes geschützt werden. „Eine Bewahrung der Flächen wäre darüber hinaus auch ein Bekenntnis zur regionalen Nahrungsmittelerzeugung“, betont Gerhard Kiemle. Um bestehen zu können, benötigten die Gärtner und Landwirte auch langfristig ein Entwicklungspotenzial. „Bestehe keine Möglichkeit zu wachsen, wird die Perspektive auf Dauer schwierig und könnte sogar das Ende unserer regionalen Nahrungsmittelerzeugung in Bietigheim-Bissingen bedeuten“, befürchtet Gerhard Kiemle.

Auf dem Gelände befindet sich zudem eine Quelle, die die Notwasserversorgung von Bietigheim-Bissingen sicherstellen soll. Die Fläche am Erlengrund dient außerdem als Frischluftschneise. Der zusätzliche Verkehr stelle vor allem für die Gärtnerei ein großes Problem dar: „Wir versuchen unser Möglichstes, um regionale Erzeugung auf höchstem, gesundheitlichem Niveau zu gewährleisten. Dabei soll unsere Produktion so natürlich wie möglich sein. Die Ressourcenschonung und der weitestgehende Verzicht auf Pflanzenschutzmittel sind für uns ein sehr wichtiges Thema“, unterstreicht Kiemle.

Die durch ein erweitertes Gewerbegebiet entstehenden Abgase würden all diese Bemühungen zunichtemachen. Für die Milcherzeuger-Familie Geiger hätte ein Flächenverlust einen großen Einfluss auf die Qualität der produzierten Milch. Die Qualität und Zusammensetzung der Milch sei stark abhängig von der Fütterung der Kühe. Auf diesen Flächen pflanzt Geiger nicht nur Getreide für die Nahrungsmittelerzeugung an, sondern auch das Futter für die Kühe. Alle eingesetzten Futtermittel seien gentechnikfrei. Ein Flächenverlust würde früher oder später dazu führen, dass notwendiges Futter zugekauft werden müsse.

Die Pflanzschule Förster-Sinast weist darauf hin, dass die Anbauflächen umweltschonend bewirtschaftet würden. Dabei werde eine mechanische Unkrautbekämpfung vor dem Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel bevorzugt.

Die Plakatwände und eine geschaltete Homepage sollen die Menschen informieren und die Entscheidungsträger auf diese Punkte aufmerksam machen, wünscht sich Gerhard Kiemle: „Die Lebensmittel- und Pflanzenerzeuger vor Ort benötigen Unterstützung – gehen sie auf unsere Gemeinderäte zu“, bitten die drei Betriebe aus Bissingen.

Doch die Plakatwände sind offensichtlich die längste Zeit gestanden, denn am Samstag flattert den Betrieben eine Aufforderung zur Beseitigung aus dem Baurechtsamt ins Haus. Das Landratsamt als zuständige Straßenbaubehörde hat die Stadt aufgefordert, tätig zu werden und die Beseitigung der baulichen Anlagen zu verfügen. Der Standort der Plakatwände befinde sich innerhalb des sogenannte Anbauverbots von 20 Metern zur Straße. Außerdem, so heißt es in dem Schreiben, das der LKZ vorliegt, kommt eine Zulassung der Plakatwände nur in Betracht, wenn die Ausführung und Benutzung „öffentliche Belange nicht beeinträchtigt“. Die Betriebe werden aufgefordert, die Anlagen „umgehend“ zu beseitigen. Die Stadt behält sich die Einleitung eines Bußgeldverfahrens „ausdrücklich vor“.

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