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Nord-Ost-Ring

Protest mit Fackeln

„Wir müssen der Bevölkerung regelmäßig vor Augen führen, welches Monstrum uns da vor die Nase geklatscht werden soll“, sagt Sebastian Aupperle vom Oeffinger Gewerbeverein. Er ist einer der Initiatoren des Widerstands gegen den geplanten Nord-Ost-Ring. Jetzt wurde die umstrittene Trasse beleuchtet.

Foto: Ramona Theiss
Foto: Ramona Theiss

FELLBACH/KREIS LUDWIGSBURG. Mit Fackeln in den Händen wandern etwa 200 Ringgegner vom Oeffinger Feuerwehrhaus zur Station „Freiheit“ am Besinnungsweg, einem vier Meter hohen Hügel. Von dort hat man normalerweise freien Blick nach Waiblingen, ins Remstal und nach Stuttgart. In der regnerischen Nacht wirken die rund 500 Fackeln wie Streichhölzer. Sie markieren auf etwa 1,5 Kilometern den Verlauf der Strecke, die der Nord-Ost-Ring einmal nehmen soll. Gesteckt und angezündet haben sie Oeffinger Pfadfinder. Alle sechs Meter steht eine Fackel. Und zeigt, wie sich die Straße ins Gelände fressen könnte.

Es werden keine Reden gehalten, sondern Gespräche geführt. Diskutiert wird über den Sinn oder Unsinn dieses „40 Jahre alten Planungsdinosauriers“, wie Jörg Schiller den Nord-Ost-Ring nennt. Befürworter des Projekts findet man bei diesem Fackellauf nicht. Fast ganz Oeffingen und alle Vereine seien gegen dieses Bauwerk, sagt Sebastian Aupperle. Die Gewerbevereine aus Fellbach, Oeffingen und Schmiden haben die Initiative gegen den Nord-Ost-Ring ins Leben gerufen. Auf der Homepage nord-ost-ring.de werden die Stadt Fellbach, der Bürgerverein Zazenhausen, die Arge Nord-Ost und „Bauern miteinander – Landwirte aus der Region“ genannt. Erst vor wenigen Wochen hat das Bündnis „Wir gegen den Nord-Ost-Ring“ mit Computeranimation, Drohnenflug, autobahngleicher Beschallung und einer Blechlawine auf dem Schmidener Feld auf die Lage aufmerksam gemacht. Über 5000 Interessierte kamen zu diesem Aktionstag Ende September.

„Der Nord-Ost-Ring ist keine Lösung des Verkehrsproblems, sondern wird nur noch mehr Verkehr anziehen“, ist Aupperle überzeugt. Verkehrsexperten rechneten mit bis zu 70 000 Fahrzeugen, die täglich den Ring nutzen könnten. „Wir brauchen eine nachhaltige Lösung für die Verkehrsprobleme in der Region.“ Es werden zum Beispiel die sogenannte Billinger-Brücke bei Remseck oder Hegnach genannt, weitere Varianten einer Neckarquerung, neue Mobilitätskonzepte sowie Ausbau und Verknüpfung des öffentlichen Nahverkehrs.

„Auch wir als Gewerbetreibende haben ein Interesse an einer guten und funktionierenden Verkehrsinfrastruktur. Ohne gute und motivierte Mitarbeiter und zufriedene Kunden haben unsere Betriebe aber keine Zukunft“, argumentieren die Gewerbetreibenden. Deshalb sei auch ein attraktiver Lebensraum überlebenswichtig. Der Nord-Ost-Ring aber habe erhebliche Auswirkungen auf Fellbach und andere umliegende Kommunen bis hin nach Aalen. Von der vierspurigen Straße mit einer Gesamtlänge von 11,5 Kilometer wird befürchtet, dass eine zusätzliche überregionale Verkehrsverbindung vom Rheinland bis nach Bayern geschaffen wird, die Fernverkehr in die Region zieht, was die lokalen Verkehrsprobleme zusätzlich verschärfen könnte.

Die Nachteile wie Lärm, Schleichverkehr, Schadstoffbelastung, Verlust von Frischluftschneisen und Ackerfläche sowie Hochwassergefahr würden die Vorteile, schneller voranzukommen und die Entlastung von Landstraßen und Ortsdurchfahrten, überwiegen.

Erst kürzlich hat sich Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bei einem Besuch in Stuttgart für den Bau des Nord-Ost-Rings stark gemacht. Um die Verkehrsprobleme der Region zu lösen, müsse man „Engstellen in der Infrastruktur entfernen“, sagt er. Die Verbindung von der B.27 bei Kornwestheim und der B.14 bei Fellbach habe ein sehr gutes Nutzen-Kosten-Verhältnis. Geld für das Projekt gebe es ausreichend, so der Minister.

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