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Verkehr

Radler sollen an Bedeutung gewinnen

Markgröningen hat ein Radwegekonzept auf den Weg gebracht, das jetzt noch mit Leben gefüllt werden muss – Routen abseits der Hauptachsen anvisiert

Vorfahrt fürs Fahrrad: Die Stadt Markgröningen will ihre Bürger motivieren, das Auto häufiger stehenzulassen. Foto: Marius Becker/dpa
Vorfahrt fürs Fahrrad: Die Stadt Markgröningen will ihre Bürger motivieren, das Auto häufiger stehenzulassen. Foto: Marius Becker/dpa

Markgröningen. Der Landkreis Ludwigsburg macht seit rund einer Woche Jagd auf Raser in Markgröningen – und das offenbar mit großem Erfolg, wie Bürgermeister Rudolf Kürner bilanziert. Er hat beobachtet, dass der sogenannte Enforcement Trailer des Landratsamtes gerade zu Beginn im Dauereinsatz gewesen sei. Mittlerweile zeige der mobile Blitzer Wirkung. „Die Leute fahren jetzt langsamer“, so Kürner am Dienstagabend im Gemeinderat. Das dürfte viele Einheimische freuen, die seit Langem beklagen, dass sich Autofahrer an den Ortseingängen nicht an die Tempolimits halten. Als Wermutstropfen bleibt, dass der Blitzer nur zeitlich begrenzt in Markgröningen steht.

Dennoch wird es für Autofahrer ungemütlicher werden – denn künftig sollen Fahrradfahrer in der Stadt an Bedeutung gewinnen. Am Dienstagabend hat der Gemeinderat einstimmig ein Radwegekonzept verabschiedet, an dem auch der örtliche ADFC und der Jugendbeirat beteiligt waren. Das Ziel beschreibt der Bürgermeister so: „Radler, Fußgänger und Autofahrer sollen gleichbehandelt werden“, sagte Kürner. Was das bedeutet, führte sein Stadtbaumeister Klaus Schütze im Gemeinderat leicht umständlich aus: „Die vorgeschlagenen Routen kommen nicht ohne eine Umverteilung von Flächen vom motorisierten Individualverkehr zum Fahrrad hin aus.“

Der Straßenraum muss neu verteilt werden – der Autoverkehr wird wohl Flächen verlieren

Verantwortlich für das Markgröninger Radwegekonzept ist das Verkehrsplanungsbüro IGV. Es basiert offenbar auf den Erfahrungen, die aus den Beneluxländern und Dänemark bekannt sind. Die Planer plädieren für getrennte Wegführungen, oder zumindest breitere Spuren und Pufferzonen, um mehr Menschen zum Radfahren zu motivieren und ihnen ein sicheres Gefühl zu geben. „Wir wollen Routen abseits der Hauptverkehrsachsen finden“, sagt Schütze.

Das soll in drei Schritten funktionieren. Zu den langfristigen Vorhaben zählen mögliche Radwege am Altstadtring, am Esslinger Tor oder am Knotenpunkt Münchinger Straße, Möglinger Straße und Schwieberdinger Straße Richtung Bildungszentrum. Mittelfristig können sich die Planer eine Ampel an der Tammer Straße vorstellen oder Querungshilfen im Gebiet Auf Hart oder an der Unterriexinger Straße auf Höhe des Festplatzes. Unter kurzfristige Projekte fallen die Anbindung des Wasserturms, die Freigabe der Esslinger Gasse sowie der nördlichen Graf-Hartmann-Straße und Uhlandstraße als Fahrradstraßen.

Als problematisch erweist sich die hügelige Markgröninger Topografie. „Wir haben kaum ebene Flächen, wie etwa in Freiburg oder Karlsruhe, zu bieten“, sagt der Stadtbaumeister. Außerdem würde der benötigte Platz „nicht gerade üppig zur Verfügung stehen“.

Die Kommunalpolitik bewertet die jetzt eingeleitete Offensive für Radfahrer trotzdem durchweg positiv. „Wir diskutieren nicht mehr darüber, ob wir es machen, sondern nur noch wie“, sagte der GAL-Fraktionschef Matthias Röttgermann. Die Freie Wählerin Andrea Ritz und der Jugendbeirat Johannes Bertsch sprachen von „Schritten in die richtige Richtung“. Die CDU-Stadträtin Claudia Thannheimer konstatierte: „Ein Anfang ist gemacht, die Arbeit ist aber noch lange nicht getan.“ Der SPD-Ratsherr Helmut Schäfer sieht das vorliegende Konzept als „Grundlage für weitere Vorhaben und den Ausbau der Infrastruktur“. FDP-Stadtrat Joachim Blank forderte, „jetzt nicht stehenzubleiben“.

Erste Zeichen will die Verwaltung 2021 setzen. Wie berichtet, sollen Abstellanlagen für Räder am Marktbrunnengässle in der Altstadt und an der Turn- und Festhalle in Unterriexingen entstehen.

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