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Strohgäubahn

Rangierfahrten weiter ohne Genehmigung

Die Strohgäubahnmanager haben vor dem Bundesverwaltungsgericht zwar einen Sieg eingefahren, doch die nächtlichen Rangierfahrten am Korntaler Bahnhof bleiben im Visier von Juristen.

Archivfoto: Karin Rebstock
Foto: Karin Rebstock

Strohgäu. Am frühen Morgen macht sich die Strohgäubahn von ihrem Nachtquartier am Korntaler Bahnhof an den Endhaltepunkt in Heimerdingen auf, um von dort aus die ersten Passagiere des Tages zu befördern. Am späten Abend wiederholt sich die Prozedur in entgegengesetzter Richtung. Derzeit finden nach Angaben des Strohgäubahn-Zweckverbandes, dem die Anrainer und der Landkreis angehören, drei solcher Nachtfahrten zwischen der Korntaler Betriebswerkstatt am Bahnhof und Heimerdingen statt. „Sie dienen der Vorbereitung des Betriebs“, sagt ein Sprecher des Landrates Rainer Haas.

„Die Nachtfahrten sind zum jetzigen Zeitpunkt illegal.“

Thomas Herwig
Anwohner

Diese Touren haben dem Zweckverband in den vergangenen Jahren viel Ärger eingebracht. Denn am Korntaler Bahnhof leben Menschen wie Thomas Herwig, die unter dem Lärm der Züge leiden. Herwig klagt ausdauernd gegen das Land Baden-Württemberg, das den Planfeststellungsbeschluss zum Bau des Depots erlassen hat, und gegen die Strohgäubahnmanager. Sein Ziel: eine Lärmschutzwand. In der vergangenen Woche hat das Bundesverwaltungsgericht in diesem Fall (mal wieder) entschieden – und eine Beschwerde Herwigs abgewiesen.

Der Blick der Juristen richtete sich während des Verfahrens mehrfach auch auf die nächtlichen Rangierfahrten auf der Strohgäubahn. Allgemeiner Konsens ist wohl, dass diese Bewegungen nicht vom Planfeststellungsbeschluss gedeckt sind, den das Regierungspräsidium (RP) im August 2013 erlassen hatte. Für Herwig ist der Fall damit klar. Im Gespräch mit unserer Zeitung sagt er: „Die Rangierfahrten sind zum jetzigen Zeitpunkt illegal.“

Den Sachverhalt bestreiten das RP und der Zweckverband nicht – sie ziehen nur andere Schlüsse daraus, als der Anwohner. Die Stuttgarter Behörde hat die Strohgäubahnmanager aufgefordert, Gutachten nachzulegen. Die Strategie des Zweckverbandes sieht so aus: Die Nachtfahrten nachträglich genehmigen zu lassen. „Die Ergänzungsunterlagen sind in der Vorbereitung und in Abstimmung mit dem Regierungspräsidium“, sagt der Haas-Sprecher. „Im Herbst werden die Unterlagen öffentlich ausgelegt.“ Der Anwohner Herwig wirft der Gegenseite vor, mit Hütchenspielertricks zu arbeiten.

Der Zweckverband hätte sich die Querelen gerne gespart. „In den Planfeststellungsunterlagen ist vorgesehen, dass die Fahrzeuge in Heimerdingen abgestellt werden“, bekennt der Sprecher. Doch das ist nicht möglich – und wird auch noch eine Zeit lang so bleiben. Der Grund: Am Heimerdinger Bahnhof müssen weiterhin Bauarbeiten erledigt werden, damit die Bahnen dort ihr Nachtquartier beziehen können. Außerdem streitet sich der Zweckverband hier ebenfalls mit Anliegern um Lärmschutz. Das Landratsamt geht davon aus, dass erst im Laufe des kommenden Jahres alle Unterlagen vorliegen werden, um das Projekt mithilfe des Regierungspräsidiums weiter voranzutreiben.

Am Korntaler Bahnhof wird es für den Kläger Herwig unterdessen ungemütlich. „Ich bin ein Störfaktor“, sagt er. „Man will mich hier weghaben.“ Das lässt sich wohl so sagen. Die Stadt Korntal-Münchingen hat Herwig bereits einen Brief geschrieben, in dem sie ihn auffordert, seine Immobilie an der Weilimdorfer Straße bis Mitte des nächsten Jahres zu räumen. Auch ein Zwangsgeld steht im Raum. Herwig hat sich hier Stellflächen für Autos geschaffen, mit denen er handelt. Außerdem befindet sich ein Imbiss auf dem Gelände. Die Stadt argumentiert, dass die Baugenehmigung für das Areal eine Wohnnutzung nicht enthält. Herwig plädiert im Gegenzug auf Bestandsschutz.

Gestern äußerte sich auch der Landrat während seines ÖPNV-Sommergesprächs zu dem Fall. Laut Haas sei es „ein Skandal“, dass ein Anlieger das Strohgäubahndepot beklage, der an dieser Stelle nicht wohnen dürfe. „Dagegen werden wir baurechtlich vorgehen.“

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