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Kraftfahrzeugbranche

Rebecca Rietl zeigt’s den Männern

Beste Kfz-Mechatronikerin im Landkreis Ludwigsburg hat ihre Ausbildung bei Kienle Automobiltechnik in Heimerdingen gemacht

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Rebecca Rietl wechselt an einem Mercedes-Oldtimer einen Auspuff.Foto: Kienle

Ditzingen/Stuttgart. Wenn Rebecca Rietl einem zur Begrüßung die Hand drückt, packt sie zu wie ein Kerl. Auch in der Werkstatt ihres Ausbildungsbetriebs Kienle Automobiltechnik in Ditzingen-Heimerdingen steht die zierliche 24-Jährige ihren Mann. Dabei beginnt ihre Karriere als Kfz-Mechatroniker-Gesellin gerade erst: Die junge Frau hat soeben ihre Ausbildung bei Kienle beendet und mit einem Notendurchschnitt von 1,9 das beste Prüfungsergebnis bei den Abschlussprüfungen 2018 des Landkreises Ludwigsburg erzielt. Auf der Oldtimermesse Retro Classics in Stuttgart wurde sie dafür geehrt.

In der Männerdomäne, in der nur knapp über zwei Prozent Frauen beschäftigt sind, hat sich Rebecca als Kollegin mit profunden Kenntnissen im Kfz-Handwerk erwiesen, die kräftig zupacken kann. Bei ihren männlichen Kollegen hat sie sich ohnehin von vornherein Respekt verschafft. „Durch meinen großen Bruder bin ich auch auf einen robusten Umgang vorbereitet – doch meine Kollegen benehmen sich ausnahmslos anständig“, sagt Rebecca Rietl.

Restauratorin als Zusatzqualifikation Seit ihrer Kindheit hat sie mit ihrem Vater an Autos geschraubt – und seit jeher auch nur ein Berufsziel: Automechanikerin. Dieses verfolgte sie zielstrebig: Nach ihrem Realschulabschluss bewarb sie sich bei Porsche für einen Ausbildungsplatz als Kfz-Mechatroniker – und wurde abgelehnt. Doch Rebecca gab nicht auf, besuchte ein technisches Gymnasium, machte ihr Abitur und stellte fest, dass ihr Berufswunsch immer noch in ihr glühte. Rebecca Rietl bewarb sich – erfolgreich – bei Kienle. Den Beruf der Kfz-Mechatronikerin hat sie in der Kienle-Werkstatt bei Ausbilder Matthias Paprotka gründlich gelernt und sich bereits während der Ausbildung als fleißige, geschickte und talentierte Handwerkerin hervorgetan. Nebenher hat sie eine Ausbildung zur „Kfz-Mechatronikerin mit Zusatzqualifikation für Old- und Youngtimertechnik“ durchlaufen – und auch hier in der Abschlussprüfung Bestnoten erzielt.

Bei der Siegerehrung auf der Stuttgarter Messe wurde gleichzeitig auch der Ausbildungsbetrieb von Rebecca Rietl geehrt: Kienle Automobiltechnik, weltweit führend bei der Restaurierung hochwertiger Mercedes-Benz-Klassiker und mit rund 80 Fachkräften eines der größten Familienunternehmen auf diesem Gebiet, hat in dem über 34-jährigen Bestehen der Firma ein einzigartiges Know-how gesammelt, von dem lernwillige Auszubildende profitieren können: „In unserer Branche gibt es zu wenige gut ausgebildete Fachkräfte, deshalb ist es mir ein ernstes Anliegen, qualifizierten Nachwuchs auszubilden“, sagt Firmenchef Klaus Kienle. „Wir bieten stets zehn bis zwölf jungen Menschen die Chance, sich gründlich auf ihren künftigen Beruf vorzubereiten – und unsere Ausbildungsmeister sind erfahrene Fachleute, die ihr Wissen gerne weitergeben.“ Rebecca Rietls Erfolg zeigt, dass dies gelingt.

Privat fährt sie seit ihrem 18. Geburtstag einen Opel Corsa und erledigt alle Wartungs- und Reparaturarbeiten selbst. Im Sommer pendelt sie mit ihrer BMW F800 die Strecke zwischen ihrem Zuhause und der Werkstatt. Neben der Schrauberei – auch an dem Familien-Oldie, einem Fiat 850 – bleibt ihr wenig Zeit für ihr drittes Hobby neben dem Motorradfahren: Torten backen. „Aber in Konditor-Qualität“, betont sie. Das Faible dafür hat sie von ihrer Mutter geerbt. „Von meinen Eltern und älteren Geschwistern habe ich vieles gelernt“, sagt sie und fühlt sich folglich als Familienmensch wohl. Auch die Arbeit in der Kienle-Werkstatt füllt sie aus – sie wird in Heimerdingen weiterarbeiten und ihr nächstes Berufsziel verfolgen: Kfz-Meisterin. (dre)