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Lärmschutz

Reduzierung des Tempos im Rahmen des Lärmaktionsplans - Sicherheit als positiver Nebeneffekt

Von einer Reduzierung auf Tempo30 oder Tempo40 im Rahmen des Lärmaktionsplanes erhoffen sich viele Gemeinden einen positiven Nebeneffekt für die Sicherheit auf den Straßen.

Nach Wunsch der Gemeinden soll auf vielen Straßen in Zukunft Tempo 30 gelten. Archivfoto: Alfred Drossel
Nach Wunsch der Gemeinden soll auf vielen Straßen in Zukunft Tempo 30 gelten. Foto: Alfred Drossel

Oberstenfeld, Großbottwar, Ingersheim. Die neuen Auslösewerte für den Lärmaktionsplan sind in Oberstenfeld auf mehreren Straßen überschritten. Auf der L1100 in Richtung Beilstein soll deshalb bis Ende der Bebauung Tempo70 tags und nachts angeordnet werden, aus der Gegenrichtung kommend gelten diese Werte ohnehin schon. „Damit gibt es den Beschleunigungseffekt nicht mehr“, betonte Planerin Gudrun Bentele. Auf 40 Stundenkilometer soll das Tempo auf der L1116 (Gronauer Straße) tags und nachts reduziert werden. Vor allem an der Kreuzung mit der L1100 seien die Lärmwerte so hoch, dass eine Temporeduzierung Pflicht ist. In der Kreuzstraße soll von der Lichtenberger Straße bis zum Kindergarten Hauäcker zukünftig Tempo30 gelten. „Da ist für uns auch der Sicherheitsaspekt für die Kinder dort wichtig, auch wenn dieser im Rahmen des Lärmaktionsplans nicht berücksichtigt wird“, betonte Bürgermeister Markus Kleemann in der Gemeinderatssitzung. In Gronau soll auf der Ortsdurchfahrt kurzfristig Tempo40 eine Entlastung bringen, langfristig ist ein lärmoptimierter Asphalt angedacht. Nach dem Ortsende in Richtung Prevorst schlägt die Planerin Tempo70 vor, auf der K1616 (Schmidhausener Straße) eine Temporeduzierung auf 40 Stundenkilometer.

Andreas Fender (Freie Wähler) bemängelte, dass die Werte nur berechnet und nicht gemessen seien. Auch Erich Scheer (SPD) kritisierte das Rechenwerk, in dem die örtlichen Verhältnisse nicht berücksichtigt seien. Es würde schon helfen, wenn die Navigationsgeräte die Lastwagen nicht durch Gronau schickten. Da gebe es zudem auch einige Schlaglöcher, in die die Lastwagen schepperten, so Annette Kori (Freie Wähler). Rolf Lutz (SPD) forderte indes, dass der Gesetzgeber auch Vorgaben gegen laute Motor- und Reifengeräusche machen müsste. Eine Messung kostete viel Geld und die Berechnung der Werte sei EU-rechtlich vorgeschrieben, es gehe dabei mehr um den Jahresdurchschnitt, entgegnete Planerin Gudrun Bentele.

Tempo-30-Zonen werden auch in Ingersheim ausgeweitet. Die wesentlichen Punkte in Großingersheim: Die Erweiterung der Tempo-30-Regelung auf der Pleidelsheimer Straße von der Einmündung Mühlweg bis kurz vor dem Fischerwörth. Außerdem soll eine ganztägige Tempo-30-Regelung im Bereich der Besigheimer/ Ludwigsburger Straße auf dem Streckenabschnitt zwischen der Einmündung Marktstraße bis Höhe Kehrsbachstraße6 realisiert werden. Hinzukommen soll außerdem Tempo30 in der Straße Pflaster ab der Einmündung von der Pleidelsheimer Straße bis zum Ende der Bebauung nach dem Kreisverkehr. Zunächst war nur eine Erweiterung bis zum Kreisverkehr vorgesehen, Anwohner hatten jedoch gefordert, Tempo30 noch ein Stück weiterzuführen, damit nicht gleich nach der Ausfahrt aus dem Kreisverkehr Richtung Kleiningersheim Gas gegeben und wieder Lärm erzeugt wird. Wunsch war außerdem Tempo30 im gesamten Bereich der Besigheimer Straße einzuführen, was laut Fachplaner Dominik Wörn zwar nachvollziehbar, aber aufgrund der derzeitigen Rahmenbedingungen nicht begründbar ist. Der Hintergrund: Westlich der Besigheimer Straße ist das Neubaugebiet „In den BeetenII“ vorgesehen. Im Zuge der Fortschreibung des Lärmaktionsplanes könne das nochmals überprüft werden, so Wörn.

Die Maßnahmen in Kleiningersheim: Die Ausweitung von Tempo30 auf der K1618 im Streckenabschnitt zwischen dem Gebäude „In den Linden4“ bis zur Einmündung Hessigheimer Straße. Die Aufnahme von Kleiningersheim in den Lärmaktionsplan hatten 100 Bürger per Unterschriftenliste gefordert. Mit dem jetzigen Beschluss gibt es in der Kommune kaum noch Bereiche, in denen schneller als Tempo30 gefahren werden darf.

Auch im Gemeinderat in Großbottwar stellte Planerin Gudrun Bentele mögliche Maßnahmen gegen zu viel Lärm vor. Innerhalb der kommenden zwei Jahre sind das vor allem Temporeduzierungen. So soll in der Winzerhäuser Straße die Zone30 tags und nachts verlängert werden. In Winzerhausen könnte auf den beiden Ortsdurchfahrten, bei denen es sich um Kreisstraßen handelt, die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 auf 30 Stundenkilometer reduziert werden. Auch im Teilort Hof könnte in der Brückenstraße und in der Talstraße Tempo30 eingeführt werden. Auf der L1115 schlägt die Planerin zwischen der Einmündung der Winzerhäuser Straße und der Kleinaspacher Straße eine Reduzierung auf Tempo60 vor. An mittelfristigen Maßnahmen, bei der die Umsetzungszeit mehr als zwei Jahre beträgt, steht auf diesem Abschnitt zudem ein Lückenschluss der Lärmschutzwand im Raum. Am unweit der A81 gelegenen Holzweiler Hof könnte eine Wand oder ein Wall in Länge von rund 900 Metern für mehr Lärmschutz sorgen.

Die Großbottwarer Stadträte haben den Entwurf des Konzepts einstimmig beschlossen. Diskussionen um die einzelnen Maßnahmen gab es im Gremium keine, jedoch hinterfragte etwa Markus Brosi (FBWV) den Sinn solcher Planungen, wenn sie durch die übergeordnete Behörde nicht fortgesetzt würden. „Es ist immer deprimierend zu sehen, was das Landratsamt daraus macht“, sagte auch Angelika Maier (SPD). Bürgermeister Ralf Zimmermann wies jedoch darauf hin, dass man auch bei der vorigen Stufe des Lärmaktionsplans einige Punkte durchbekommen habe: „Wir haben jetzt ein gutes Werk, mit dem wir dem Landratsamt gegenüber argumentieren können.“

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